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Bankautomatensprengung in Schapdetten

Explosion trifft einen Lebensnerv des Dorfes

Nottuln

In der vergangenen Wochen wurde ein Geldautomat gesprengt. Mal wieder. Aber diesmal gab es mehr als sinnlosen Sachschaden an technischem Gerät: Die Explosion zerstörte den Dorfladen von Nottuln-Schapdetten – und damit das Herz des Dorfes.

Von Ludger Warnke

Durch die Wucht der Explosion wurde nicht nur das Foyer des Schapdettener Dorfladens zerstört, auch der Verkaufsraum wurde stark beschädigt und muss komplett neu hergerichtet werden. Foto: Johannes Oetz

Den Anblick am Morgen nach der Explosion wird Elisabeth Krämer nicht vergessen. „Ich war geschockt“, erzählt die 90-Jährige, die im Nottulner Ortsteil Schapdetten lebt. Regelmäßig kauft sie im Dorfladen ein, der aber an diesem Morgen in Trümmern liegt: Unbekannte haben in der Nacht zum 4. Juni den Geldautomaten im Foyer des Dettener Dorfladens gesprengt.

In der Polizeistatistik, die Nordrhein-Westfalen schon jetzt als Hochburg der Automatensprengungen listet, wird dieses Verbrechen eine weitere Nummer sein. Doch tatsächlich haben die Täter nicht nur ein Gerät gesprengt und erheblichen Gebäudeschaden angerichtet: Sie haben auch einen wichtigen Lebensnerv der Dorfgemeinschaft lahmgelegt. Dass sie ohne Beute flüchteten, weil der Tresor im Geldautomaten intakt blieb, ist nur ein schwacher Trost.

Welle der Hilfsbereitschaft

Ihren Dorfladen haben die Schapdettener 2014 eröffnet. Dafür wurde eine Bürgergenossenschaft gegründet, an der auch Elisabeth Krämer einen Anteil hält. „Der Dorfladen ist wichtig“, erzählt sie. Seit 1984 lebt sie in dem rund 1400 Einwohner zählenden Dorf und hat miterlebt, wie im Laufe der Jahre die Zahl der Geschäfte zurückgegangen ist. Heute ist der Dorfladen der einzige Nahversorger für die Waren des täglichen Bedarfes. Doch er ist noch mehr. „Ich gehe dort auch einkaufen, um Leute zu treffen“, erzählt die rüstige Seniorin.

Die Automatensprengung hat in Schapdetten eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Dr. Michael Schwar­zenau, Vorsitzender des Aufsichtsrates, berichtet von einer Vielzahl von Hilfsangeboten von Vereinen und Bürgern. Die Caritas der Kirchengemeinde hat ihre ehrenamtliche Einkaufshilfe forciert, auch der örtliche Bürgerverein steht bereit. „Sogar Geldspenden werden uns angeboten“, erzählt Schwarzenau. Doch da die Genossenschaft keine Spendenbescheinigungen ausstellen kann, wirbt sie für die Zeichnung weiterer Anteile.

Übergangslösung in Arbeit

Immerhin gibt es jetzt einen Lichtblick: Alle Explosions- und Folgeschäden sind durch die Versicherungen abgedeckt. Deshalb arbeitet der Vorstand schon fleißig an einer Übergangslösung. In einem Verkaufscontainer soll die Geschäftstätigkeit fortgesetzt werden, bis Gebäude und Ladenlokal renoviert sind und wieder zur Verfügung stehen. „Es wird eine Wiedereröffnung des Dorfladens geben“, verspricht der Aufsichtsrat. Volle Auftragsbücher bei den Handwerkern und Baustoffengpässe lassen aber eine Zeitprognose nicht zu.

„Ich hoffe, dass das möglichst bald sein wird“, sagt die 90-jährige Elisabeth Krämer. Denn: „Der Dorfladen ist wichtig – für das Dorf, und auch für mich.“

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