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Georgien lässt grüßen

Exquisite Interpretationen

Nottuln

Weltklassik am Klavier: Die Bechstein-Preisträgerin Mzia Jajanidze zeigte in Nottuln ihre romantische Ader.

Axel Engels

Bechstein-Preisträgerin Mzia Jajanidze überzeugte in Nottuln mit ihrer kultivierten lyrischen Spielweise. Foto: Axel Engels

Eine Klaviermatinee ganz besonderer Güte gab es am Sonntag bei „Weltklassik am Klavier“ in der Alten Amtmannei bei einem Wiedersehen mit der Bechstein-Preisträgerin Mzia Jajanidze aus Georgien. Diesmal hatte sie ein rein romantisches Programm zusammengestellt, bei dem sie ihre kultiviert lyrische Spielweise vollkommen einbringen konnte.

In der Tradition von Heinrich Neuhaus ausgebildet und in internationalen Wettbewerben erfolgreich, steht die sympathische Künstlerin für eine sehr werkgetreue Interpretation, ohne dabei allzu traditionalistisch zu spielen. Dies zeigte sich sofort bei den „Sechs Liedern ohne Worte op. 30“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Ihre Virtuosität und spieltechnische Brillanz stellte sie immer in den Dienst des musikalischen Ausdrucks und gab den bekannten Liedern eine vielfältige Klangfarbe.

Wenn sie im „Andante expressivo“ die Melodie wunderbar über den filigranen Begleitfigurationen erstrahlen ließ, war dies schon ganz große Kunst. Diese lyrischen Werke liegen Mzia Jajanidze wohl besonders, hier konnte die Künstlerin mit einer sehr differenzierten Melodieführung und gesanglichen Ausgestaltung der Bögen jedem einzelnen Lied ein ganz charakteristisches Gewand verleihen.

Mit der „Kreisleriana op. 16“ von Robert Schumann hatte sie sich danach einen Klavierzyklus vorgenommen, der ganz andere Anforderungen stellt. Dieser aus dem Jahr 1838 stammende Zyklus ist ein Schlüsselwerk romantischer Klaviermusik, erinnert mit seinen acht kontrastierenden Teilen an eine große Fantasie. Mzia Jajanidze spielte sie mit einem sicheren Gefühl für die unterschiedliche Rhythmik und Metrik der einzelnen Teile, schuf durch ihre sehr klangmalerische Spielweise dabei einen die Teile verbindenden Bogen. Wie eine Charakterstudie des Kapellmeisters Johannes Kreisler wirkte ihre Interpretation, erinnerte dabei an eine Dichtung, die E.T.A. Hoffmann angelehnt erschien.

Für diese exquisite Interpretation der „Kreisleriana op. 16“ hätte sich allein schon der Besuch gelohnt. Aber Mzia Jajanidze hatte sich mit Modest Mussorgskys „Bildern einer Ausstellung“ noch ein weiteres Großwerk der Romantik vorgenommen. Diese in Musik gesetzte Erinnerung an den Maler Victor Hartmann gehört mit den hohen spieltechnischen Anforderungen wohl zum Standardrepertoire von Mzia Jajanidze. Denn anders ist die Ruhe und Konzentriertheit wohl nicht zu erklären, mit der die Pianistin in einer akribischen und äußerst intensiven Spielweise sich den einzelnen „Bildern“ widmete.

Die „Promenade“ erklang mit der passenden Würde eines schreitenden Betrachters, und beim „Gnomus“ ließ sie den leicht linkischen Zwerg mit seinen unterschiedlichen Bewegungen lebendig werden.

Wer mit Mzia Jajanidze durch das mysteriöse „Alte Schloss“ oder die „Katakomben“ wandelte, dem „Ballett der Küken in ihren Eierschalen“ zuschaute oder sich gar vom Hexentanz um die Hütte der russischen Hexe Baba-Jaga mitreißen ließ, erlebte dieses wohl jedem Zuhörer bestens bekannte Werk von einer ganz intensiven Seite. Mit Feinsinn zeichnete sie den Dialog zwischen „Samuel Goldberg und Schmuyle“. Größe und Anmut des „Bobaty-Tors“ der alten Hauptstadt Kiew konnte die Pianistin mit wohl dosierter Klangfülle bestens aufzeigen.

Dieses facettenreiche Werk entfaltete bei solch versierter Spielweise seine ganze Schönheit.

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