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Rupert-Neudeck-Gymnasium: Vortrag zur Nutzung von Social Media

„Filter im Kopf muss da sein“

Nottuln

Johannes Wenzel gilt in Kennerkreisen als ausgewiesener Medien- und Netzexperte. Nun stand er im Rahmen eines Infoabends Schülern und Eltern aus Nottuln Rede und Antwort. Es ging um den digitalisierten Alltag der Jugendlichen – und welche Chancen und Risiken Suchmaschinen, Social Media und vielfältige neue Apps bieten.

Von Marita Strothe

Lehrerin Judith Rücker-Imkamp freute sich, Johannes Wenzel begrüßen zu können. Foto: Marita Strothe

Johannes Wenzel gilt als ausgewiesener Experten im Bereich Medienkompetenz. Umso mehr freute sich deshalb Judith Rücker-Imkamp, Lehrerin am Rupert-Neudeck-Gymnasium, dass Wenzel als Referent zum Thema „Der digitalisierte Alltag Jugendlicher – Chancen und Risiken“ gewonnen werden konnte. Die Schule sowie der Arbeitskreis Digitalisierung hatten den Fachmann eingeladen.

Sein Plädoyer: Medienbildung müsse Kindern und Jugendlichen helfen, jenseits aller Faszination eine kritische Distanz zu Medienangeboten zu entwickeln und zu bewahren. Denn dass Medien fester Bestandteil im Leben der Kinder und Jugendlichen sind, könne nicht mehr umgekehrt werden.

Doch es gebe Gefahren. Ein Beispiel: In vielen Apps, die bei Jugendlichen beliebt sind, etwa bei TikTok, gebe es die Möglichkeit zur direkten Kontaktaufnahme. Teils forderten Kinder und Jugendliche ihre Follower zur Interaktion auf – was oft von erwachsenen Unbekannten ausgenutzt wird. „Der Versuch von Erwachsenen, mit Minderjährigen in Kontakt zu treten, ist in ganz vielen Apps möglich“, so Wenzel.

Auch erinnerte der Experte daran, wie viele Daten die großen Internetkonzerne über den Einzelnen sammeln. Unter „Google-Dashboard“ können Nutzer sich anzeigen lassen, wie viel die Suchmaschine an persönlichen Daten speichert. Komplett anonymes Surfen sei nur mit Tor-Browsern möglich – das sind spezielle Anwendungen, über die man im Netz zwar vor Datenkraken wie Google geschützt ist, die allerdings auch den Zugang zum Dark-Netz ermöglichen.

Regeln und medienfreie Zeit

Eltern riet er, Kommunikation via Soziale Medien zuzulassen, die eigene Nutzung des Smartphones zu hinterfragen und auch Medien gemeinsam zu nutzen. „Es geht um Balance“, unterstrich er. Sein Vorschlag: Medienfreie Zeiten etablieren und dazu Regeln aufstellen.

Wichtig sei es auch zu wissen, dass man nicht alles posten und teilen dürfe, dass es illegale Inhalte im Netz gebe. Das teilen eines Hakenkreuzes etwa sei strafbar. „Das muss ich wissen, das muss ich früh erfahren! Think before you post! Darum dreht sich alles“, mahnte Wenzel. Medienerziehung sei auch immer Werteerziehung, um das Netz sicher und verantwortungsvoll nutzen zu können.

Medienexperte Johannes Wenzel

Der Medienreferent zeigte auf, dass die Motivation Jugendlicher, Social Media zu nutzen, vielfältiger ist, als es auf den ersten Blick scheint. Dennoch gelte es, stets im Blick zu behalten, wer gerade schreibe oder von wem welche Nachrichten stammten. „Was ist die größte Fakeschleuder, die wir im Moment haben?“, fragte der Referent die Anwesenden, die ihm TikTok nannten.

Medien nutzen, aber mit „Filter im Kopf“

Im Prinzip gebe er ihnen recht, aber auch hier gelte es, genauer hinzuschauen. So sei auch die Tagesschau in komprimierter Form bei TikTok zu finden. Auch bei Apps, bei denen man immer nur mit einem engen Freundeskreis interagiert, müsse man aufmerksam bleiben. Zum Beispiel bei „BeReal“, einer App, die aktuell sehr im Trend ist, auf der man zu bestimmten Zeitpunkten Selfies von sich und seiner Umgebung macht. „Screenshots sind immer machbar. Wenn ich das weiß, mache ich auch Fotos, die okay sind“, betonte er. „Der Filter im Kopf muss da sein.“

„Wie hält man sich auf dem Laufenden?“, fragte eine Besucherin angesichts der vielfältigen Entwicklungen im Netz. „Reden, fragen und austauschen mit anderen Eltern“, riet Schulleiterin Jutta Glanemann. Und Wenzel gab den Anwesenden einige Infoseiten wie handysektor.de, klicksafe.de oder spieleratgeber-nrw.de zum Recherchieren an die Hand.

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