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Stilles Gedenken an NS-Opfer

Für eine offene Gesellschaft ohne Hass einstehen

Nottuln

Auch in Nottuln wurde am Holocaust-Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. In diesem Zusammenhang regte Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes einen Wandel der Erinnerungskultur an.

Marietheres Wübken, eine Nachbarin der Familie Lippers, und Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes legten aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus an den Stolpersteinen am Kirchplatz 4 eine weiße Rose nieder. Foto: Gemeinde Nottuln

Am 27. Januar 1945, also vor 77 Jahren, wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Auschwitz-Birkenau gilt als Inbegriff des Holocaust. Und es ist das Synonym für den millionenfachen Massenmord durch die Nationalsozialisten. Daran erinnert die Gemeindeverwaltung in einer Pressemitteilung.

Am „Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus“ wurde auch in Nottuln an die Opfer erinnert. Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes und Marietheres Wübken, eine Nachbarin der jüdischen Familie Lippers, legten an den Stolpersteinen vor dem Haus Faltmann am Kirchplatz eine weiße Rose nieder.

Die Stolpersteine gemahnen an das Schicksal von Erich Stehberg, Isidor Lippers, Martha Lippers, Hugo Lippers, Julia Gerson (geb. Lippers) und Ursula Gerson. 1941 und 1942 wurden die Mitglieder der Familie in Konzentrationslager deportiert und kamen dort um. Ursula Gerson war gerade acht Jahre alt, als sie im September 1944 in Auschwitz-Birkenau starb.

Stolpersteine erinnern an jüdische Mitbürger

„Sich daran zu erinnern, was war, damit das, was geschehen ist, nicht noch einmal passiert, ist gerade in der heutigen Zeit enorm wichtig“, betont Thönnes. In einer Zeit, in der es immer häufiger vorkomme, dass der Holocaust relativiert, verzerrt und bagatellisiert wird. In einer Zeit, in der Corona-Impfgegner mit Judensternen demonstrieren, in der vom „Klima-Holocaust“ die Rede ist und Tierschützer Massentierhaltung mit Konzentrationslagern vergleichen, müsse der Verzerrung, der Relativierung und der Bagatellisierung Einhalt geboten werden.

„Das eine ist, dass Täterinnen und Täter für ihr Tun belangt werden. Das andere ist, dass wir die Aufklärung über das, was im Zweiten Weltkrieg mit Juden und anderen Menschen geschah, verstärken und die junge Generation noch mehr mit einbeziehen müssen“, sagt Bürgermeister Thönnes. „Und wir sollten überlegen, ob wir eine andere Form der Erinnerungskultur brauchen.“ Es gebe schließlich nicht mehr viele Menschen, die das unsagbare Grauen in den Konzentrationslager noch selbst erlebt haben: Nur noch wenige könnten davon berichten, unterstreicht auch Marietheres Wübken, die in diesem Jahr ihren 99. Geburtstag feiert.

Wübken denkt noch sehr oft an die Familie Lippers. „Als ich Kind war, habe ich oft mit Ursula Gerson, der kleinen Enkeltochter von Isidor Lippers, gespielt“, erinnert sich die Nottulnerin noch lebhaft an die Nachbarn: „Ich habe sie alle noch gekannt.“

„Ich habe sie alle noch gekannt.“

Die Gesellschaft steht vor einer Zeitenwende, heißt es in der Pressemitteilung der Gemeinde. Die Erinnerung an den Holocaust drohe zu verblassen, und mit ihr könnte auch das Wissen darum verschwinden, wie fragil die Demokratie sein kann. „Denn ihre Werte wie Toleranz, Freiheit und Humanität sind nichts Selbstverständliches. Um sie muss immer wieder gerungen werden, und dass muss jede neue Generation für sich tun. Damit eine Zukunft ohne Hass, eine Kultur des Respekts und eine offene Gesellschaft möglich bleiben.“

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