1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Nottuln
  6. >
  7. Geschichte wird sichtbar gemacht

  8. >

Mühle Zumbülte trägt nun eine Denkmalplakette

Geschichte wird sichtbar gemacht

Nottuln

Ein ganz besonderer Tag für die Nottulner Mühlenfreunde: Günther Ring von der Gemeinde hat ihnen die Denkmal-Plakette für die Mühle der Familie Hauk-Zumbülte überreicht. Und das obwohl das Anbringen solcher Plaketten laut Gemeinderatsbeschluss von 1995 eigentlich verboten ist.

Die Mühlenfreunde im Heimatverein Nottuln restaurieren seit vielen Jahren die denkmalgeschützte Mühle Zumbülte an der Mühlenstraße. Jetzt trägt die Mühle die Denkmalplakette des Landes NRW, die Rudi Neveling anbrachte. Foto: Gemeinde Nottuln

Draußen rauscht der Nonnenbach. Sein Rauschen ist auch im Inneren der alten Mühle gut zu hören. Und noch ein wenig lauter wird es, wenn das Mühlrad angeschaltet wird. Dann rumpelt es ordentlich und die Vibrationen sind im gesamten Gebäude zu spüren: vom Erdgeschoss bis hinauf in die dritte Etage. So muss es auch gewesen sein, als der Müller Tag für Tag in der Mühle, die unten an der Mühlenstraße liegt, das Getreide der Nottulner Bauern zu Mehl mahlte. Jetzt aber sind es die Mühlenfreunde, die dem Gebäude Leben einhauchen. Jeden Dienstagvormittag treffen sie sich in der Mühle der Familie Hauk-Zumbülte und setzen das Gebäude aus dem Jahr 1914 nach und nach wieder instand.

„Es ist eine Lebensaufgabe“, sagt Karl Hauk-Zumbülte. „Fertig werden wir wahrscheinlich nie“, bestätigt Rudi Neveling und erntet dafür zustimmendes Nicken der anderen Mühlenfreunde Herbert Eschhaus, Hanns Moormann, Erhard Schnieder und Arnfried Heck. Das berichtet die Gemeinde in einer Pressemitteilung.

Familie Zumbülte ist seit 1879 im Besitz der ehemaligen Stiftsmühle, von denen Nottuln einst drei besaß. Ihre Grundsteinlegung erfolgte bereits 1349. 1979 wurde in der Mühle ein letztes Mal geschrotet, bis 1984 wurde dort Tierfutter verkauft. Dann stellte die Mühle ihren Betrieb endgültig ein.

An diesem Morgen treffen sich die Männer, die sich zu den Mühlenfreunden im Heimatverein Nottuln zusammengeschlossen haben, nicht nur zum Sanieren, Reparieren und Saubermachen des Gebäudes und zum gemütlichen Plausch bei einer Tasse Kaffee, die Hausherrin Maria Zumbülte serviert. Heute ist ein ganz besonderer Tag für die sechs Mühlenfreunde und für die Familie Hauk-Zumbülte: Günther Ring, bei der Gemeinde Nottuln für den Denkmalschutz zuständig, überreicht Karl Hauk-Zumbülte die Denkmal-Plakette des Landes NRW.

Rechtswidrige Entscheidung

Und das obwohl nach einem Beschluss des Nottulner Gemeinderates von 1995 das Anbringen solcher Plaketten untersagt ist. „Wir machen es trotzdem“, erklärt Ring. Damit setzt sich der Verwaltungsmitarbeiter zwar über den 27 Jahre alten Beschluss hinweg. Auf der sicheren Seite ist Ring trotzdem: Recherchen haben ergeben, dass die Entscheidung des Gemeinderates seinerzeit rechtswidrig war und somit nichtig ist, wie die Gemeinde berichtet.

Günther Ring freut sich, dass er den Mühlenfreunden die Plakette überreichen kann. Und Familie Hauk-Zumbülte ist stolz darauf, dass ihr Gebäude nun auch nach außen deutlich macht, dass es ein geschütztes Denkmal ist. Denn als Denkmal klassifiziert ist es schon lange: Bereits 1992 wurde die Mühle in die Liste der Denkmäler aufgenommen.

Heimatpreis für unermüdlichen Einsatz

Ein Denkmal zu haben, verpflichtet. Das wissen Karl Hauk-Zumbülte, seine Familie und die Mühlenfreunde, die für ihren unermüdlichen Einsatz für den Erhalt der Mühle 2020 den Heimatpreis der Gemeinde Nottuln bekamen, ganz genau. Alle Beteiligten gehen diese Verpflichtung gerne ein, weil sie das Gebäude und seine damit verbundene Funktion der Nachwelt erhalten möchten.

Und so öffnen sie das Gebäude während des deutschen Mühlentags am 6. Juni (Pfingstmontag) genauso wie am Tag des Denkmals am 11. September. Und dann kann man nicht nur den rauschenden Nonnenbach hören, sondern in der Mühle in längst vergangene Zeiten abtauchen.

„Ein Denkmal muss als Denkmal erkennbar sein.“

Alle Denkmaleigentümer im Gemeindegebiet, die bislang an ihrem Denkmal keine Plakette montieren konnten, bittet Günther Ring darum, mit ihm Kontakt aufzunehmen,

 0 25 02/9 42-3 42 oder unter der Mail-A­dresse ring@nottuln.de: „Ein Denkmal muss als Denkmal für jeden erkennbar sein. Das sind wir unserer westfälischen Baukultur und unserer eigenen Geschichte schuldig.“

Startseite
ANZEIGE