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FI-Stellungnahme zur Zwangsarbeiter-Gedenktafel

Gewissenhaft mit der Geschichte umgehen

Nottuln

Die Friedensinitiative Nottuln möchte die nachträgliche Änderung eines Textes auf einer Gedenktafel zur Erinnerung an Zwangsarbeiterinnen in Nottuln nicht einfach hinnehmen. Sie macht sich stark für eine öffentliche Diskussion.

Im Nottulner Rhodepark befindet sich seit November 2002 ein Gedenkstein zur Erinnerung an Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter während der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Der Text der Gedenktafel ist nachträglich geändert worden. Foto: Ludger Warnke

„Die öffentliche Diskussion über die Änderung des Textes auf der Tafel im Rhodepark zum Gedenken an die Zwangsarbeiterinnen sollte nachgeholt werden!“ Dies schrieb die Friedensinitiative Nottuln (FI) an Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes. Die Änderung war vor Jahren unbemerkt vorgenommen worden (wir berichteten).

Gemeinschaftsaktion von FI und Gemeinde

In einer Presseerklärung erläutert die Friedensinitiative: Die Aufstellung einer Tafel für die Zwangsarbeiterinnen in Nottuln war 2002 eine Gemeinschaftsaktion der FI und der Gemeinde. 2017 habe Jan-Bernd Ewertz als Nachfolger der Familie Rhode die FI kontaktiert. In mehreren Gesprächen habe dieser darauf bestanden, dass die Zwangsarbeiterinnen in der Firma Rhode gut behandelt worden seien. Der Name Rhode auf der Gedenktafel müsse entfernt werden.

Die FI regte dagegen an, gemeinsam mit der Gemeinde dies zu besprechen. Dies habe Herr Ewertz abgelehnt. Umso erstaunter sei die FI gewesen, dass nun doch der 15 Jahre alte Text plötzlich verändert ist.

Angefragt von der FI, habe die damalige Bürgermeisterin Manuela Mahnke geantwortet: „Das ist mir völlig neu. Ich kann mich beim besten Willen nicht entsinnen, das jemals besprochen zu haben. Warum auch?“

Sie bleiben Zwangsarbeiterinnen

Ein solches Gespräch möchte die FI nun nachholen. Dass Rhode als größtes Unternehmen gleich mehrere Frauen beschäftigte, dürfe dabei benannt werden. Die FI: „Selbst wenn es stimmt, dass die Frauen – nach Auskunft von Herrn Ewertz – dort gerne gearbeitet haben, sie bleiben Zwangsarbeiterinnen. In ihrer Heimat gekidnappt und mit Gewalt nach Deutschland in Waggons deportiert.“

Aufarbeitung durch den Historiker Dr. Norbert Korfmacher

Zwei der Frauen haben dies in einem Buch beschrieben. Diesen Berichten solle man Glauben schenken, so die FI in Anspielung auf die Forderung, dass eine wissenschaftliche Untersuchung fehle, um genauer über Zwangsarbeit reden zu können. Auf Kreisebene sei bereits intensiv über Zwangsarbeit recherchiert worden. Die FI: „Die Ausführungen des Historikers Dr. Norbert Korfmacher zeigen, was Zwangsarbeit bedeutete, und decken sich mit den Berichten der beiden Frauen, die bei Rhode Zwangsarbeit leisten mussten.“

Der FI gehe es nicht darum, sich über damaliges Verhalten zu erheben und jemanden an den Pranger zu stellen. Niemand könne heute sagen, wie er damals gehandelt hätte. Es gehe jedoch um eine kritische Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte. Und dazu gehöre, dass auch Namen und Orte konkret benannt werden, „behutsam, aber auch deutlich.“

Verbesserungsvorschläge willkommen

Die FI beansprucht für sich, gewissenhaft mit der Geschichte und mit Gedenken umzugehen. Dabei seien konstruktive Verbesserungsvorschläge immer willkommen.

Auf Anfrage schickt die Friedensinitiative die Schilderungen von zwei Rhode-Zwangsarbeiterinnen und die Forschungsergebnisse für den Kreis Coesfeld zu: info@fi-nottuln.de

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