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Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Hospizbewegung

Hohe Auszeichnung für Letterhaus

Nottuln

Viele Glückwünsche bekam die Hospizbewegung Nottuln für ihre inzwischen 25-jährige Arbeit. Eine Person aber wurde besonders geehrt.

Von Marita Strothe

Die Hospizbewegung Nottuln feierte ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt. Höhepunkt war die Verleihung der Maria-Anna-von-der-Reck-Medaille an Koordinatorin Mona Letterhaus. Foto: Marita Strothe

Da klingelte am Donnerstagabend überraschend das Smartphone in der Tasche des Bürgermeisters. Dabei agierte er gerade als Moderator des Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Hospizbewegung Nottuln im Johanneshaus. „Maria Anna, wer?“, fragte Dr. Dietmar Thönnes erstaunt. „Sie sind doch schon lange tot.“ Mit einem Schmunzeln bat er Mona Letterhaus zu sich, „Maria Anna von der Reck für Sie!“

Begleitet von stehendem Applaus der Festgäste überreichte Bürgermeister Thönnes ihr die Maria-Anna-von-der-Reck-Plakette, die höchste Ehrenauszeichnung der Gemeinde. „Selten habe ich eine so große Einmütigkeit im Rat erlebt“, verriet Dietmar Thönnes über die Abstimmung. „Alle waren sich einig, Sie haben Großartiges geleistet, Sie waren der Motor, Sie sind immer noch der Motor.“

„Sie waren der Motor, Sie sind immer noch der Motor.“ (Bürgermeister Thönnes)

Am 16. Juni 1997 gründeten elf Personen im Kaminzimmer des Jugendheims St. Martinus den Verein Hospizbewegung Nottuln. Der erste Vorstand, bestehend aus Mona Letterhaus, Peter Droste zu Vischering, Elisabeth Hoffschröer, Hildegard Grothues und Hildegard Schulz, ist beinahe vollständig noch in der Hospizbewegung aktiv, wie Koordinatorin Kirsten Schneider wusste, und feierte gut gelaunt das Jubiläum mit.

„Die Hospizbewegung in Nottun ist von elf Mitgliedern im Jahr 1997 auf inzwischen etwa 170 Mitglieder angewachsen“, berichtete Schneider zu Beginn der Feier beim ökumenischen Gottesdienst in der Kirche „Unter dem Kreuz“. 45 Aktive engagieren sich in den verschiedensten Einsatzbereichen mit dem Ziel, sterbende Menschen und deren Angehörige nicht allein zu lassen.

Dabei gehört auch Lebensfreude mit dazu, verdeutlichten Mitglieder der Hospizbewegung, Pfarrerin Regine Vogtmann und Pfarrdechant Norbert Caßens auch im Gottesdienst unter dem Jubiläumsmotto „Das Leben feiern – immer wieder neu“. „25 Jahre und kein Ende in Sicht“, war Caßens sicher und erbat Gottes Segen für die segensreiche Arbeit der Hospizbewegung.

Nach dem Gottesdienst wurde im Johanneshaus weiter gefeiert, wo vier Oberstufenschülerinnen vom Rupert-Neudeck-Gymnasium die rund 70 Festgäste mit Getränken versorgten. „Sie sind für Nottuln wertvoll und das seit 25 Jahren“, unterstrich Bürgermeister Thönnes. Er fühle sich geehrt, dass er den Jubiläumsabend der Hospizbewegung moderieren dürfe.

Als Mann der ersten Stunde begrüßte er den Dülmener Ralf Koritko vom Palliativnetz Kreis Coesfeld. Er sei schon stolz darauf, was die Hospizgruppen des Kreises erreicht haben, berichtete Koritko. Es sei schon eine bestimmte Sorte Mensch, die sich engagiere, stellte er fest. „Unzählige Begleitungsgeschichten, die unser Herz erfüllen“, kannte er und blickte auf einige besondere der letzten 25 Jahre zurück. „Darauf dürfen wir alle mehr als stolz sein.“

Anja Magorsch, Einrichtungsleiterin des St.-Elisabeth-Stifts, übermittelte dem Verein ein herzliches Dankeschön auch der Bewohnerinnen und Bewohner. „Sie werden auch noch in 25 Jahren unheimlich gebraucht werden“, zeigte sie sich überzeugt. Als Geschenk hatte sie unter anderem ein Lied mitgebracht, das Musiktherapeutin Elisabeth König geschrieben hatte. „Wir gratulieren heut“, sangen die Gäste begeistert den Refrain des Liedes mit.

„Sie werden auch noch in 25 Jahren unheimlich gebraucht werden.“ (Anja Margosch)

Als „kleiner Bruder“ der 25-jährigen Hospizbewegung trat danach Rudolf Badura ans Rednerpult. Er gab seinen unterschriebenen Aufnahmeantrag an die Vereinsvorsitzende Dagmar Exner-Kasnitz und erläuterte, was ihn dazu veranlasst hat: „Tod ist das normalste in unserem Leben, denn er schließt das Leben ab.“

Nach einer „Genusspause“ mit leckeren Häppchen betrat Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlert aus Bochum (Esther Münch) den Raum. Köstlich amüsierten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer über den Auftritt der Kabarettistin, die an ihrem Wohnort mit dem Palliativnetz verbunden ist. In schnodderigem Ruhrpottslang gab sie ihre Meinung zum Zeitgeschehen wieder. Und auch des Bürgermeisters „klein karierte Socken“ entgingen ihr nicht. „Die passen doch gar nicht zu ihnen!“

„Irgendwann kommen wir zur Essenz“, hatte sie aber durchaus auch Tiefsinniges im Gepäck und erinnerte an den Assistenzbedarf der Menschen in verschiedenen Lebenslagen. Auch die Reinigungsfachkraft benötigte dann Assistenz von zwei jungen Damen, die ihr eine Decke hochhielten, damit sie sich dahinter umziehen konnte. Da flogen die Kleidungsstücke der Putzfrau eins nach dem anderen ins Publikum und zum guten Schluss sang ihnen Esther Münch als Diva im Abendkleid: „Wenn ich mir was wünschen dürfte.“

Schließlich kam als Höhepunkt des offiziellen Teils der Feier der Anruf von Maria Anna von der Reck für Mona Letterhaus. Ganz herzlich beglückwünschten alle die strahlende Koordinatorin zur verdienten Auszeichnung.

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