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„Vernunftkraft NRW“ besorgt wegen weitreichender Ausbaupläne der Windkraft in der Region

Identität der Baumberge erhalten

Nottuln

Nach der Gründung der Mitmachgemeinschaft Baumberge Energie befürchtet die Regionalvertretung Baumberge der „Vernunftkraft NRW“, dass die Windkraft massiv ausgebaut wird. Zum Schaden für Landschaft, Natur und Menschen.

Den Ausbau der Windkraft in der Baumberge-Region, das ist für die Regionalvertretung der landesweiten Initiative „Vernunftkraft NRW“ ein No-Go. Die Nachteile überwögen die Vorteile. Foto: Joachim Busch

Mit großer Sorge betrachtet die Regionalvertretung Baumberge der „Vernunftkraft NRW“ – Landesverband der Bürgerinitiativen für eine vernünftige Energiepolitik – die Absichten der Mitmachgemeinschaft Baumberge Energie, die Pressemitteilungen zufolge in allen Anliegergemeinden der Baumberge einen massiven Ausbau der Windkraft (WK) plane. Obgleich der Kreis Coesfeld bereits Spitzenreiter im WK-Ausbau sei (WN vom 19. Januar), solle nun auch noch die für Erholung wie Natur besonders wertvolle Umgebung der Baumberge einem Klimaschutz geopfert werden, der durch die geplanten Maßnahmen gar nicht zu erreichen sei, kritisiert „Vernunftkraft“.

In der Regionalvertretung Baumberge haben sich nach eigenen Angaben Bürgerinnen und Bürger aus Nottuln, Schapdetten und Havixbeck zusammengeschlossen, um das Thema Windkraftenergie zu begleiten. Die Regionalvertretung kritisiert wie der Dachverband Vernunftkraft NRW, dass die Investoren gerade die Region der Baumberge ins Visier nehmen, der schon der Regionalplan eine herausragende Bedeutung für den Landschaftsraum des Münsterlandes zuerkenne und die damit für den WK-Ausbau denkbar ungeeignet sei. Auch würden neue WKA die bereits vorhandenen Anlagen von der Höhe her bei Weitem überragen und als industrielle Großanlagen die Landschaft völlig überfremden und ihre Identität und ihre wichtige Zweckbestimmung als Erholungs- und Lebensraum zerstören.

„Großanlagen überfremden die Landschaft“

Zudem habe der Kreis Coesfeld seine WK-Schuldigkeit bereits getan, ja übererfüllt, und sollte die verbliebenen Flächen schonen. Auch seien die Verhältnisse in den kreisangehörigen Kommunen unterschiedlich und erlauben nicht überall einen naturverträglichen WK-Ausbau. Schließlich würde die bestehende Sonderopferrolle der Landbevölkerung, die den Energiehunger der meist städtisch, also von WKA weit entfernt wohnenden Verbraucher stillen soll, noch verstärkt.

Zudem werden die Begehrlichkeiten der WK-Investoren dadurch geweckt, dass der aktuelle Gemeinderat in Havixbeck die geleitete WK-Planung aufgegeben habe und die Gemeinde Nottuln die erst kürzlich ausgerufene „Klimaneutralität 2030“ irgendwie umsetzen muss. Im Falle Nottulns dürfe bei nüchterner, nicht von ökologischem Wunschdenken geprägter Sichtweise bezweifelt werden, dass die offenbar erforderlichen Maßnahmen (Installation von über 3000 Photovoltaikanlagen auf den Dächern sowie eine ganz erhebliche Umstrukturierung beziehungsweise Reduktion des Autoverkehrs) realistisch sind. Denn der Ort ist eine hochgradig verkehrsaktive Pendlerkommune und hat zudem noch die Ökobilanz der über das Gemeindegebiet verlaufenden Autobahn auszugleichen (auf die Nottuln aber gar keinen Einfluss hat).

Die Gemeinde sei damit zum Vorreiter beim Erreichen einer kurzfristigen Klimaneutralität besonders ungeeignet. Zu erreichen wäre die Umsetzung des Ratsbeschlusses wohl allein durch einen massiven Ausbau der Windkraft, und zwar weit über die bisher errechneten fünf neuen Großanlagen hinaus, schreibt die Regionalvertretung.

Klimaziele in Nottuln kaum erreichbar

Der damit einhergehenden Opferung der heimischen Landschaft mit all ihren negativen Folgen stehe auf der anderen Seite allerdings kein messbarer Vorteil für das Weltklima – ein globales und nicht lokales Problem – entgegen; der Beitrag einzelner Kommunen, ja selbst des ganzen Landes, ist dazu schlicht viel zu gering und kann nicht zur Rechtfertigung der Nachteile dienen. Diese treffen abertausende Anwohner und Erholungssuchende sowie den Landschafts-, Biotop- und Artenschutz. Die Vorteile dagegen haben nur eine sehr überschaubare Gruppe von Investoren und die Vertreter einer Umweltpolitik, die so, wie sie es sich denken, allerdings gar nicht funktioniert.

Die politischen Entscheidungsträger der Baumbergekommunen sollten die genannten Punkte richtig gewichten und erkennen, dass eine einseitige und überproportionale Bevorzugung des WK-Ausbaus zwangsläufig den schutzwürdigen Interessen von Natur und Landschaft der Region schwerwiegende und langfristige Schäden zufügen würde. Ein messbarer Beitrag zum Klimaschutz ist vor Ort leider nicht zu erreichen; erreicht würde aber eine verwundete Landschaft und der Verlust der regionalen Identität.

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