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Vorbereitungen für das Kunstprojekt

„Jeder hat Schöpferkraft“

Nottuln

Zum Mitmachen lädt „Der blaue Kreis“ bei seinem Kunstprojekt vom 26. bis zum 29. August in Nottuln ein. Die ausgestellten Kunstprojekte orientieren sich unter anderem an Josef Beuys, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Von Kerstin Adass

Die fünf Künstlerinnen der Gruppe „Der blaue Kreis“ arbeiten mit ihren kreativen Helferinnen und Helfern an der Sozialplastik. Foto: Kerstin Adass

Nur wenige Menschen würden sich selbst als Kunstkenner bezeichnen, noch weniger als Künstler. Kunst ist ein ambivalentes Wort, dass mit seinen vielen Definitionen schnell abschreckend wirken kann. Genau diese Hemmschwelle möchte Andrea Aupers senken. Zusammen mit Beate Eichmeyer, Veronika Dunkel-Steinhoff, Katja Enseling und Marion Tibroni organisiert sie im August zum dritten Mal ein partizipatives Kunstprojekt.

Die fünf Künstlerinnen nennen sich „Der blaue Kreis“. „Wir sind ein eingeschworenes Team“, sagt Aupers mit einem Lächeln. Unter dem Motto „Dem Wort<->dem Icon<->der Sozioplastik Raum geben!“ hat die Gruppe eine Ausstellung konzipiert, die vom 26. bis 29. August stattfindet und zum Mitmachen einlädt.

In Anlehnung an Josef Beuys

Die ausgestellten Kunstprojekte orientieren sich unter anderem an Josef Beuys, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Der Aktionskünstler polarisierte seinerzeit mit der Aussage „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Andrea Aupers teilt die Meinung von Beuys. „Das heißt ja nicht, dass jeder malen muss, sondern, dass jeder Schöpferkraft hat“, erklärt sie. Bei dem Kunstprojekt in Nottuln gehe es nicht nur um Hochkultur. Vielmehr solle jeder mitmachen und sich die Projekte anschauen können – egal, ob mit viel oder wenig Vorwissen.

Bevor die Künstlergruppe die Sozialplastik bearbeitete, wurde der Stahlkern der Skulptur zusammengeschweißt. Foto: Andrea Aupers

Eines der Projekte ist eine überlebensgroße Figur, die schon ab dem 19. August (Donnerstag) zur Marktzeit vor dem Nottulner Rathaus öffentlich zu sehen sein wird und so auf die Ausstellung einstimmen soll. In Anlehnung an Josef Beuys bezeichnet Andrea Aupers die Figur nicht als Skulptur, sondern als Sozialplastik. „Plastik ist zu Unrecht oft ein negativ besetztes Wort“, findet sie. Der soziale Aspekt des Projekts liegt in seiner Entstehung. Zunächst schweißte Aupers mit der Industriegussfirma Humberg einen kreuzförmigen Stahlkern. Auf dieser Grundlage erschufen „Der blaue Kreis“ und weitere Beteiligte mit Hasendraht eine menschlich anmutende Gestalt. Der Feinschliff erfolgte durch mehrere Lagen Pappmaché.

Gestaltung einer Sozialplastik

Die Künstlerinnen und ihre kreativen Helferinnen und Helfer waren mit Begeisterung bei der Sache. „Einige sind schon seit dem ersten Projekt von vor drei Jahren dabei“, berichtet Andrea Aupers stolz. An mehreren Terminen brachten die Beteiligten Zeitungsstücke mit einem Kleister aus Wasser, Mehl und Salz auf der Sozialplastik an. Ganz im Sinne von Beuys arbeitete die Gruppe ohne genaue Vorgaben, aber dafür mit viel Enthusiasmus. Während der Kleister trocknete, wurden kurzerhand Erdbeertörtchen gebacken – „ganz flexibel und kreativ eben“.

Nottulner sind zum Mitmachen eingeladen

Da die Figur momentan noch unbekleidet daherkommt, setzt „Der blaue Kreis“ auf die Partizipation der Nottulnerinnen und Nottulner. Aus beschriebenen Zetteln soll laut Andrea Aupers ein „buntes Kleid aus Worten“ entstehen, welches das Gemeinschaftsprojekt vervollständigt. Die Sozialplastik wird zum Ausstellungsbeginn ihren Standort wechseln. Ab dem 26. August kann sie nicht mehr an ihrem Platz vor dem Rathaus, sondern vor dem Eingang der Kirche betrachtet werden. Was danach mit der Figur und ihrem Kleid geschieht, ist noch unklar. Andrea Aupers lacht: „Zur Not stelle ich sie bei mir zu Hause hin.“

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