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Steverschule: Jahresprojekt zum Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

Jugendliche nähern sich Fremdem

Nottuln

Die Jugendlichen der Steverschule setzen sich ein Jahr lang mit dem Judentum, aber auch anderen ihnen fremden Religionen und Kulturen auseinander. Auslöser für das Projekt war ein Hinweis von Pfarrdechant Norbert Caßens.

Von Marita Strothe

Lehrerin Regina Theopold (hinten links) freut sich über die Kreativität der Schüler, die unter Anleitung von Ursula Sprakel (hinten rechts) unter anderem an Skulpturen arbeiten. Foto: Marita Strothe

„Die Schüler erleben und entdecken die Spuren jüdischen Lebens handlungsorientiert, fassbar, hörbar und erlebbar“, erklärt Regina Theopold. Die Idee, das Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ in Form eines Projektes an der Steverschule aufzugreifen, sei bereits Anfang Dezember 2020 auf dem Kastanienplatz entstanden, erinnert sich die Lehrerin. Dort hatte Pfarrdechant Norbert Caßens im Rahmen einer Kundgebung gegen die AfD darauf hingewiesen, dass in der Gemeinde Nottuln im September 2021 das Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ begangen werde.

„Wie kann Begegnung und Erinnerung an unserer Schule gestaltet werden?“, habe sie sich gefragt, so die Sonderschulpädagogin. Gemeinsam mit Künstlerin Ursula Sprakel und Musikerin Natsumi Sue wurde daraufhin an der Steverschule im Rahmen des Landesprogramms „Kultur und Schule“ ein Projekt entwickelt, das sich über das Schuljahr 2021/22 erstreckt.

Landesprogramm „Kultur und Schule“

Schülerinnen und Schüler der 6. und 7. Klassen erleben und entdecken in dieser Zeit die Spuren jüdischen Lebens. So gestaltet die japanische Pianistin Natsumi Sue mit den 13-Jährigen die Begegnung mit ihnen fremden Kulturen am Beispiel der japanischen Kultur. Durch das Ausprobieren japanischer Schriftzeichen oder das Essen mit Stäbchen wurden die Jugendlichen aufgefordert, sich mit dem Anderssein auseinanderzusetzen.

„Die Schüler erfahren und erleben, dass es heute und auch schon vor 1700 Jahren Menschen in Deutschland gibt und gab, die fremde Sprachen sprechen, ihre Religionen und anderes Brauchtum leben und lebten“, verdeutlicht Regina Theopold. Wöchentlich stellt Natsumi Sue den Jugendlichen außerdem Musik jüdischer Komponisten vor.

Die japanische Pianistin Natsumi Sue (l.) stellt den Jugendlichen ihre heimatliche Kultur vor. Außerdem spielt sie jüdische Musik. Foto: Steverschule

Ursula Sprakel ist für den kreativen und gestalterischen Teil zuständig und für die Umsetzung des Projektes als Buch und Film. Zudem möchte die Planungsgruppe im Sommer 2022 an der Steverschule eine Aktionskunstausstellung realisieren. Ursula Sprakel arbeitet dafür wöchentlich mit den Schülern an Figuren, Plakaten und Leinwänden.

In Form einer Lernwerkstatt eignen sich die jungen Menschen Kenntnisse zu den Themen Religion, Christentum und Judentum an. Auch historische Aspekte, wie die Zeit des Nationalsozialismus und deren Bedeutung für das Leben jüdischer Menschen, wird mit den Schülern altersgerecht erarbeitet. Die Ergebnisse werden auf einer Lernplattform umgesetzt und festgehalten: https://padlet.com/usprakel/2andq9sqzc8pjuaa

Ergebnisse im Internet zu sehen

Eine besondere Begegnung mit dem Judentum fand bereits beim Besuch des jüdischen Museums Westfalen in Dorsten statt, berichtet Regina Theopold. In Form eines Workshops konnten die Jugendlichen sich Aspekten jüdischen Lebens nähern, wie zum Beispiel der Religion, den Essensregeln und auch der Geschichte jüdischer Menschen in Deutschland.

In Nottuln selbst fand die Spurensuche durch den Besuch der Stolpersteine am Kirchplatz statt. „Eine Führung von Pfarrdechant Norbert Caßens in der Martinuskirche war für die Schüler ein echtes Highlight“, weiß Regina Theopold. Besucht werden sollen auch der jüdische und der christliche Friedhof in Nottuln. Geplant sind unter anderem noch der Besuch der Synagoge in Münster und ein Interview mit einem jüdischen Mitbürger über die Vermittlungsplattform www.meetajew.de

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