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„Swinging December“

Köstlich-spannendes Experiment

Nottuln

Die Hale-Bopp-Big-Band begeisterte ihr Publikum einmal mehr mit dem „Swinging December“. Und diesmal mit einem ganz besonderen Gast.

Iris Bergmann

Cembalo und Bigband: Eine ungewöhnliche Kombination präsentierten die Hale-Bopp-Big-Band unter der Leitung von Josef Gebker und ihr musikalischer Gast Lisa Schäfer (vorne). Foto: Iris Bergmann

Das „Orange Sherbet“ besteht aus O-Saft, Milch, Wasser und Zucker und ist eigentlich ein Dessert. Die Hale-Bopp-Big-Band servierte es jedoch als musikalisches Appetithäppchen am Samstagabend im Forum des Rupert-Neudeck-Gymnasiums und nahm damit Anlauf zum „Swinging December“. Die eigentliche Köstlichkeit indes bewahrten die Musiker bis zum Schluss auf: das Zusammenspiel der Nottulner Band mit der Cembalistin Lisa Schäfer. Jazz goes Cembalo – Temperament traf Zartheit. Ungewohnt für die Ohren, aber spannend zu erleben.

Die Musikerinnen und Musiker waren noch ganz beseelt von ihrer Südamerikareise im Sommer. Sie waren drei Wochen in Ecuador unterwegs, gaben sechs Konzerte und machten eine Workshop-Woche. Und dass es ihnen Land und Leute angetan hatten, kam im temperamentvollen „Cubano Shant“ oder beim bekannten „Cantaloupe Island“ deutlich zutage.

Für Verschnaufpausen sorgte Norbert Gebker, Bruder des Band-Dirigenten Josef Gebker. Er las, ob nachdenklich über Sinn und Unsinn, lustig über das Hühnchen Sabrinchen oder auch mal laut von Konstantin Weckers „Frieden im Land“ – er regte immer wieder den Appetit des Publikums an mit seinen Lesehäppchen.

Kein Häppchen, sondern schon eine richtig große Portion bot dann die junge Cembalistin Lisa Schäfer. Die gebürtige Göttingerin begann bereits mit 16 Jahren ihr Studium am Cembalo, beherrscht das Instrument vorzüglich. Sie war in der Mitte des Programms der gewollte „Break“, wie Josef Gebker erklärte. Hier wurde das Publikum hineingeworfen ins Barock.

Georg Friedrich Händel, seinerzeit der Virtuose auf dem Cembalo, schrieb unter anderem die Suite F-Dur. In den vier Sätzen demonstrierte Lisa Schäfer die Bandbreite des Instruments. Etwas mehr „nach Klavier“ klang dann die Sonate F-Dur von Muzio Clementi.

Nach der Darbietung der 26-jährigen Solistin fragte sich so mancher Zuhörer, wie das wohl gehen solle, die recht zart-besaiteten Töne des Cembalos mit dem Temperament der Trompeten oder Saxofone. Es ging! Mit „Cerulean Blue“, Himmelblau, wie Thomas Brieden, der wieder gewohnt souverän und locker moderierte, übersetzte, und mit „Early Morning“ fanden die Musikinstrumente zueinander. Zunächst kam das Cembalo nur zart durch, doch dann, bei der Improvisation, wurde Lisa Schäfer mutiger, kräftiger und launiger auf ihrem Instrument.

Ein köstlich-spannendes Experiment, das die Nottulner Band da gewagt hatte.

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