Verein Kunst und Kultur

Kritik am „Streichkonzert“

Nottuln

Die jüngsten Beschlüsse des Ausschusses für Kultur, Sport und Ehrenamt zur Förderung von Kulturprojekten haben den Vorstand des Vereins „Kunst und Kultur“ zu einer massiven Kritik veranlasst. Man sei „fassungslos“ und „stinksauer“.

Ludger Warnke

Der Vorstand des Vereins Kunst und Kultur kritisiert das Verfahren bei der Kulturförderung (v.l.): Vorsitzende Ulla Wolanewitz, Beisitzer Markus Schürkötter, stellvertretende Vorsitzende Bernhild Kunstleben, Beisitzer Ulli Lindemann, Schriftführerin Ulrike Saure und Schatzmeister Bernhard Schöppner. Foto: Thomas Sprenger

Das ist weitaus mehr als nur eine Verärgerung. Die Vorstandsmitglieder von „Kunst & Kultur Nottuln“ sind nach eigenen Angaben „fassungslos“ und „stocksauer“. In einer geharnischten Pressemitteilung nahm der Vorstand am Freitag äußerst kritisch Stellung zur jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Sport und Ehrenamt und insbesondere zu dem Beschluss, die Förderung des Qi-Gong-Angebots im Rhodepark deutlich zu reduzieren (wir berichteten). Wie groß das Zerwürfnis ist, zeigt diese Äußerung: „Man muss sich für die unausgegorene Nottulner Kulturpolitik schämen! Null Kommunikation! Entscheidungen werden von oben herab und vorbei an Ehrenamtlichen gefällt“, wird die stellvertretende Vorsitzende Bernhild Kunstleben in der Pressemitteilung zitiert.

Gerne würde der Verein, so teilt er mit, im Sommer zum dritten Mal „Qi Gong im Rhodepark“ kostenfrei für alle Interessierten organisieren. Zu den zwei morgendlichen Terminen war aufgrund der großen Nachfrage ein weiterer am Abend angedacht. Für keineswegs gerechtfertigt hält der Verein die Empfehlung des Kulturbeirates, dieses Angebot nur zu 21 Prozent zu fördern und das Defizit über eine Teilnahmegebühr von jeweils 2 Euro pro Teilnehmenden zu finanzieren. „Das ist kein großes Kino. Das ist ein peinlich falscher Film!“, so Ulla Wolanewitz, Vorsitzende des Vereins.

„Kunst & Kultur Nottuln“ sieht in dem Qi-Gong-Angebot ein Leuchtturmprojekt mit Alleinstellungsmerkmal, das seinesgleichen sucht in der Region, das auch in Corona-Zeiten durchgeführt werden kann, das den Rhodepark endlich belebt und auch den Teilnehmenden beste Gelegenheit gibt, sich und ihre eigene Lebenskraft zu stärken. Auch weil Nottuln sich künftig unter der Marke „Natur, Kultur & Genuss“ vermarkten möchte, sei dies ein richtiges Angebot. Der Vorstand sieht sich nun schon morgens mit dem Klingelbeutel durch die Reihen laufen, um das Geld einzusammeln oder Strichlisten zu führen. „Der Zahlungseingang muss dann zusätzlich verwaltet werden, am besten müssen darüber noch Zuwendungsnachweise angefertigt und diese noch persönlich zugestellt werden“, stellt Schatzmeister Bernhard Schöppner mit bissiger Ironie fest. Und er betont: „Es kann doch nicht sein, dass wir für ein Angebot, das Nottuln belebt, noch mehr Verwaltungsaufwand aufgedrückt bekommen, nur weil der Beirat diesbezüglich keine Kreativität und andere Lösungen anzubieten hat.“

Auch wenn der Kulturbeirat ein politisch gewolltes Gremium ist, „sagt das gar nichts über die Qualität von dessen Arbeit aus“, bemerkt Ulla Wolanewitz. „Wenn wenig Mittel vorhanden sind, sollten Beirat und Kulturkoordinatorin schauen, wo es welche gibt, und nicht der Einfachheit halber Förderungen streichen!“ Entsprechende Vorschläge seien von „Kunst & Kultur Nottuln“ zuvor eingebracht worden.

Kritisch beurteilt der Vorstand, wie mit den Anregungen der Grünen umgegangen wurde. Beirat, Bürgermeister und Ausschuss hätten kein Problem darin gesehen, aus dem Kulturetat eine Privatperson zu begünstigen, die ihr Angebot gewerblich betreibt. Die Antwort, warum für Kinder- und Jugendlichekurse nicht das langjährig bekannte Landesprogramm „Kulturrucksack“ oder Vergleichbares genutzt werden, sei offen geblieben.

Überhaupt sei der Eindruck entstanden, „dass außer den Vertretern der Grünen und der UBG niemand Interesse hatte, sich mit der Komplexität der Kulturförderung und ihren Möglichkeiten auseinanderzusetzen“. Der Vorstand beklagt: „Im Vorfeld hat niemand mit uns gesprochen, um gemeinsam Finanzierungsmöglichkeiten zu entwickeln. Stellungnahmen im Kulturausschuss wurden mit Redeverbot ausgehebelt und Verbesserungsvorschläge der Grünen in Ermangelung von Bereitschaft, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, abgewimmelt.“

Stellvertretende Vorsitzende Bernhild Kunstleben urteilt: „Man muss sich für die unausgegorene Nottulner Kulturpolitik schämen!“

In der Pressemitteilung des Vereins heißt es abschließend: „Eine Kulturpolitik, die es sich leisten kann, ihre langjährig zuverlässig und ehrenamtlich Kulturschaffenden so zu behandeln, weiß sicherlich auch die Lücke zu schließen, die diese hinterlässt, wenn die Initiatoren die Bühne verlassen – auch für alle weiteren etablierten Events!“

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