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Die 50er-Jahre in Nottuln

„Künstlers, de veschmacht doch all“

Nottuln

In der Ortschronik hat Josef Thorwesten, der 2016 im Alter verstarb, einen festen Platz als fantasiereicher Bildhauer. Für viele Skulpturen, Figuren und vor allem Krippen zeichnete der Nottulner verantwortlich.

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In der Ruhe liegt die Kraft: Der Nottulner Josef Thorwesten in jungen Jahren mit Konzentration und Fingerspitzengefühl beim Schnitzen einer Marienfigur. Foto: Sammlung Wolanewitz

Gerne wäre er von Anfang an Bildhauer geworden, aber für diese Berufsvorstellung erhielt Josef Thorwesten von seinen Eltern erstmal keine Unterstützung. „De Künstlers, de veschmacht doch all“, argumentierte sein Vater dagegen, sodass der junge Altenberger zunächst Tischler wurde. Als nach der Währungsreform 1948 in der Möbelindustrie Ornamenten-Bildhauer gesucht wurden, sah er seine Chance und ließ sich in Münster entsprechend weiterbilden.

In der Ortschronik hat Josef Thorwesten, der 2016 im Alter von 89 Jahren verstarb, einen festen Platz als fantasiereicher Bildhauer, der viele Skulpturen, Figuren und vor allem Krippen baute und sich für ihren Aufbau in der Kirche immer sehr engagierte. Seine Fähigkeiten gab er auch gerne weiter. So leitete er bereits in den 1970er-Jahren im katholischen Jugendheim Schnitzkurse für Jugendliche.

Als waschechter Münsterländer war er selbstverständlich der plattdeutschen Mundart mächtig und von dem dazugehörigen Humor beseelt. Auch verbirgt sich hinter dem „He wass gued tempereert“ eine besonders angenehme Gelassenheit, die ihm zweifelsohne zugeordnet werden kann.

In dem interkommunalen DVD-Projekt „Muckefuck & Möppkenbraut“, das 2012 mit Vertretern der Kommunen Nottuln, Billerbeck, Coesfeld und Rosendahl und der Autorin Ulla Wolanewitz realisiert wurde, brachte sich neben weiteren elf Zeitzeugen aus dem Kreis Coesfeld auch der engagierte Heimat- und Naturfreund Josef Thorwesten ein. „Damals ging es nur darum, diese Zeitzeugnisse zu dokumentieren, um eben auch die plattdeutsche Sprache noch ein Stück weit zu retten“, erklärt Ulla Wolanewitz. Aus diesem Material ist seinerzeit ein Kurzfilm entstanden, an dem sich fünf Protagonisten beteiligten. Da alle anderen Interviews seitdem in der Schublade, beziehungsweise auf der Festplatte schlummerten, „drängten sie quasi auf eine Veröffentlichung als Buch“, macht die Autorin deutlich, die unter gleichem Titel nun die Printversion vorlegt. Mit der Resonanz darauf ist sie bestens zufrieden, gibt es doch einen sehr treuen Fankreis, der gerne Plattdeutsch liest, hört und spricht, denn für viele sei das „wie eine amüsante, herzlich vertraute Heimatmelodie“.

Der Nottulner Zeitzeuge erzählt in dem Buch von „Balkenbrand“ und „Stemkokenwater“, dem minderwertigen Bier der Nachkriegszeit, das Lakritzwasser glich. In der Lehre, so erinnert er sich, wurde er auch schon mal mit dem Rad ins 14 Kilometer entfernte Münster geschickt, wo er für ein ordentliches Stück Speck Eisenbeschläge und Material einkaufen musste.

Seine Frau Rosemarie lernte Josef Thorwesten in Rheda kennen, wo beide Anfang der 50er-Jahre arbeiteten. Doch die Zukünftige zog es 1955 zunächst nach Cincinnati/Ohio, wo ihre Tante Maria lebte. Die Überfahrt von Bremerhaven nach New York mit der MS Berlin dauerte seinerzeit zwölf – unglückselige – Tage, weil sie während dieser Zeit nichts essen und nichts bei sich halten konnte. Die Rückreise, so hatte sie sich damals geschworen, wollte sie mit dem Flugzeug antreten. Nach ihrem zweijährigen Aufenthalt entschied sie sich - in Anbetracht der Kosten – allerdings doch dagegen und nahm nochmal acht Tage (die Rückfahrt dauert nicht so lange) Unwohlsein in Kauf, schmunzelt Ulla Wolanewitz.

Weitere interessante und heitere Geschichten – in Plattdeutsch - gibt es in „Muckefuck & Möppkenbraut“ zu lesen. Das Buch ist für 13,80 Euro in Nottuln bei Schreibwaren Feldkamp und beim Landhandel Wübken erhältlich.

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