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Interview mit Bezirksbrandmeister Niehues

Lange Trockenperioden machen Sorge

Nottuln/Dülmen

Schlagzeilen über die Waldbrände in Australien haben die Nachrichten dominiert. Wir sprachen mit Bezirksbrandmeister Donald Niehues über die verheerenden Feuer und die Arbeit der Feuerwehr.

Markus Michalak

Seit Monaten wüten in Australien verheerende Waldbrände. Foto: dpa

Bezirksbrandmeister Donald Niehues aus Dülmen beobachtet die Buschfeuer in Australien mit wachsender Sorge. Er selbst war bei Großeinsätzen, zum Beispiel beim Moorbrand im Amtsvenn oder beim Elbehochwasser, aber auch bei lokalen Großereignissen wie den Hochwassern in Buldern als Einsatzleiter dabei und kennt daher die Anforderungen und Probleme der Wehrleute aus erster Hand. Unser Redakteur Markus Michalak sprach mit ihm über die Feuer in Australien.

Seit Monaten sind die verheerenden Buschfeuer in Australien nicht unter Kontrolle zu bekommen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die Kameraden vor Ort denken?

Donald Niehues: Zu aller erst denkt man immer an die Gesundheit und das Leben der eingesetzten Kräfte und der betroffenen Bevölkerung. Jeder Feuerwehrangehörige weiß über die Gefährlichkeit des eigenen Einsatzes. Dennoch nehmen sie bewusst in Kauf, sich in gefährliche Situationen für Gesundheit und Leben zu begeben. Bei allen Entscheidungen der örtlichen Einsatzleiter muss aber die Sicherheit der Kameraden und Kameradinnen vor Ort an erster Stelle stehen, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten oder erhebliche Sachwerte zu schützen. Eine zumeist sehr schwere Entscheidung, um die keiner zu beneiden ist.

Wäre es nicht längst an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft sich an der Bekämpfung dieser Buschbrände beteiligt?

Niehues: Entsprechende Angebote der Europäischen Union gibt es. Letztlich liegt es in der Verantwortung des betroffenen Landes, internationale Hilfe anzufordern. Insbesondere die EU befindet sich in umfangreichen Planungen, um Hilfsmaßnahmen innerhalb der Union und darüber hinaus sicherstellen zu können. Diese Planungen laufen aber unabhängig von der Australien-Lage seit Jahren. Innerhalb der EU kommt es immer wieder zu internationaler Unterstützung durch Einheiten des Katastrophenschutzes beziehungsweise der Feuerwehr, wie zum Beispiel bei den Waldbränden in Mittelschweden im Jahr 2018.

Was macht die Waldbrände so tückisch, und was müssen Rettungskräfte bei der Bekämpfung besonders beachten?

Niehues: Das Tückische an den Waldbränden ist zu einem großen Teil die Geschwindigkeit, mit der sich ein Waldbrand ausbreitet. Starke Winde treiben das Feuer mit großer Geschwindigkeit voran. Den Einsatzkräften wird es so schwer gemacht, das Feuer einzugrenzen. Vielen Älteren sind die Niedersachsen-Waldbrände im Jahr 1975 in guter Erinnerung. Neben dem Einsatz von Feuerwehren aus ganz Deutschland hat hier damals die Bundeswehr mit Panzern zum Erfolg beigetragen. Hier wurden breite Schneisen, weit vor dem Feuer, in die Wälder geräumt. Eine weitere Ausbreitung der Waldbrände wurde somit verhindert.

Immer wieder werden die aktuellen Feuer mit der Erderwärmung in Verbindung gebracht. Muss sich auch Deutschland darauf einstellen, dass es heißere Sommer geben wird und das Risiko von Waldbränden dadurch steigt?

Niehues: Die Jahre 2018 und 2019 haben gezeigt, was lange Trockenperioden in Deutschland anrichten können. Hiervon war auch Nordrhein-Westfalen und das Münsterland nicht verschont. Trockenperioden hat es auch in der Vergangenheit gegeben. Aber die Häufung von Trockenperioden, Hitzewellen, Starkregen, Orkanen oder Tornados, auch lokal begrenzt, lassen schon befürchten, dass hier die Erderwärmung eine gewichtige Rolle spielt.

Was wünschen Sie sich als Sofortmaßnahmen für die Brandbekämpfung in Australien?

Niehues: Zuerst einmal das, worauf wir leider keinen Einfluss haben. Nämlich das richtige Wetter. Für Australien eine windstille Phase und gleichzeitig ein paar Wochen beständigen und nicht zu starken Regen. Das wären wohl die erfolgreichsten Feuerwehrmänner in der australischen Brandbekämpfung. Eine geringere Ausbreitungsgeschwindigkeit und der Regen geben nämlich den Einsatzkräften vor Ort mehr Möglichkeiten, die Schadenfeuer gezielt zu bekämpfen.

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