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Louise Brown: Lesung über Trauer

Mehr als nur Traurigkeit

Nottuln

Der Tod kennt keine Gerechtigkeit, und auf die Frage nach dem Warum gibt es keine Antwort. Klare Worte fand Autorin Louise Brown bei ihrer Lesung in der Stiftsbuchhandlung. Aber es gibt auch Tröstendes.

Von Ulla Wolanewitz

Buchhändlerin Jacqueline Esplör (l.) freute sich sehr, die Autorin Louise Brown zur Lesung in der Stiftsbuchhandlung begrüßen zu dürfen. Foto: Ulla Wolanewitz

Seit 18 Monaten führt Jacqueline Esplör die Stiftsbuchhandlung in Nottuln. Am Donnerstagabend veranstaltete sie bereits die fünfte Autorenlesung. Dass sie immer goldrichtig liegt, mit ihrer Auswahl der Autoren und Themen, war mit den 50 besetzten Plätzen wieder bewiesen. „Ich habe das Buch von Louise Brown gelesen und sie in einem Online-Talk gehört. Da war mir klar, dass wir sie nach Nottuln holen“, so die Buchhändlerin.

Vor einem Abgrund

Louise Brown war gerade mal Mitte 30, als sie innerhalb von nur drei Monaten von ihrer Mutter und ihrem Vater Abschied nehmen musste. „Ich habe mich gefühlt wie betäubt, wie vor einem Abgrund stehend“, erzählte die Hamburgerin. Danach reifte in ihr der Wunsch, den Schmerz nach dem Verlust der Eltern in etwas Positives, etwas Sinnstiftendes zu verwandeln. „Das hat mich Trauerrednerin werden lassen.“

In ihrem Buch „Was bleibt, wenn wir sterben“ hat sie einige ihrer beeindruckendsten Trauerreden und ihre Erfahrungen damit zusammengefasst. „Trauer bedeutet nicht nur Traurigkeit. Sie setzt sich aus vielen Emotionen zusammen, und Humor hilft oftmals, dunkle Stunden zu ertragen“, gab die Autorin zu bedenken und erzählte die Geschichte einer Frau, die mit 93 Jahren ihren Führerschein abgab und als 94-Jährige ihren Rollator gegen einen Tretroller eintauschte. Für 70 Jahre unfallfreies Fahren erhielt die Frau eine Urkunde, dabei ließ sie bei der Verleihung nicht unerwähnt, dass ihr statt der Urkunde ein Auto lieber gewesen wäre . . . „Dahinter steht eine resolute und humorvolle Lebenshaltung“, kommentierte Louise Brown diese Begebenheit.

Trauer ist eine Narbe, die immer zwickt.

Nein, der Tod kenne keine Gerechtigkeit, und auf die Frage nach dem Warum gebe es keine Antwort, denn „Trauer hinterlässt eine innere Narbe, die immer zwickt, mal mehr, mal weniger. Danach gibt es keinen Neubeginn, sondern immer ein Weitergehen.“

Es ist wahrlich keine einfache Aufgabe, sich mit dem Leid anderer Menschen auseinanderzusetzen. Bei ausgiebigen Spaziergängen und Wanderungen mit dem Hund lädt Louise Brown den eigenen Akku immer wieder auf. „Wenn ich mich für eine Religion entscheiden müsste, dann wäre es die Natur“, versicherte die Autorin. „Sie nimmt mich bedingungslos auf, wie ich bin. Und mit ihrer positiven Energie schenkt sie mir Entspannung und Entlastung.“

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