Teilhabebeauftragter und Teilhabebeirat

Mehr Barrierefreiheit notwendig

Nottuln

Die Arbeit des Teilhabebeauftragten und des Teilhabebeirates ist wichtig. Das zeigte sich auch wieder in den Rechenschaftsberichten von Heinz Rütering und Ulli Messing.

Ludger Warnke

In der Zukunft wird es deutlich mehr ältere Menschen in der Gemeinde Nottuln geben. Damit sie unkompliziert und selbstständig am Leben in der Gemeinde teilhaben können, ist es wichtig, die Gemeinde barrierefrei zu gestalten. Foto: Oliver Hengst

Kräftiger Beifall in der letzten Sitzung des Sozialausschusses in dieser Ratsperiode. Er galt dem Schapdettener Heinz Rütering, der als ehrenamtlicher Teilhabebeauftragter der Gemeinde Nottuln (früher Behinderten- und Seniorenbeauftragter) seinen Rechenschaftsbericht für das vergangene Jahr vorlegte. „Danke für Ihr Engagement. Ihr Bericht hat deutlich gemacht, wie wichtig Ihre Arbeit und diese Position sind“, betonte Ausschussvorsitzende Claudia Jürgens. „Mein Respekt für das, was Sie leisten“, dankte auch Jutta Tiefenbach (UBG).

Heinz Rütering, der sich seit Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert, scheute sich auch diesmal nicht, mahnende Worte zu sprechen. Vor dem Hintergrund aktueller Bevölkerungsprognosen sei auch in Nottuln damit zu rechnen, dass die Zahl der Einwohner in der Altersgruppe 25 bis 60 abnehmen werde, während die Gruppe der über 60-Jährigen stark steigen werde. „Im Vergleich zu heute werden wir bis 2040 in Nottuln die doppelte Anzahl von Senioren haben“, betonte Rütering. Deshalb sei es zwingend erforderlich, die Barrierefreiheit in der Gemeinde weiter voranzutreiben. „Wir haben ja noch nicht so viel erreicht“, kommentierte er die bisherigen Bemühungen. Zwingend erforderlich sei es, den Ratssaal barrierefrei zu machen.

Rütering wies auch auf eine Änderung der nordrhein-westfälischen Bauordnung hin, wonach bei allen öffentlichen Gebäudevorhaben der Teilhabebeauftragte bzw. der Teilhabebeirat zwingend angehört werden müsse. Das sei am sinnvollsten, wenn dies im Vorfeld geschehe. Auch das Thema Digitalisierung sprach Rütering an. Ältere Menschen dürften bei der fortschreitenden Digitalisierung nicht abgehängt werden. Notwendig seien praxisgerechte Bildungsangebote für ältere Menschen. Die Gemeinde bat er, ihre Einflussmöglichkeiten bei der VHS in dieser Hinsicht zu nutzen.

Auch berichtete Rütering über seine regelmäßigen Sprechstunden. Die Resonanz darauf sei unterschiedlich. Manchmal gehe es um Anliegen, für die nicht die Gemeinde zuständig sei. Da versuche er zu helfen, indem er Kontakte zu anderen Hilfsangeboten vermittele. Oft genug geht es aber auch um ganz konkrete örtliche Probleme. So vermissen beispielsweise Menschen mit Handicap einen Behinderten-Parkplatz direkt am Joseph-Moehlen-Platz. Nach wie vor ein Thema sei die ungenügende Ausschilderung der Behinderten-WCs im Ortskern.

Schließlich sprach Heinz Rütering das Thema eines „inklusiven Spielplatzes“ in der Gemeinde an. Wenn eine Mutter mit einem Kind im Rollstuhl heute einen Spielplatz in der Gemeinde aufsuche, könne das Kind nur zuschauen, aber nicht wirklich mitspielen. „Warum sollten wir eigentlich nicht einen Spielplatz mit einer Rolli-Schaukel oder einem Rolli-Karussell ausstatten“, regte Rütering an. Ein Vorschlag, für den Jutta Tiefenbach große Sympathie hegte: „Gut, dass Sie das angesprochen haben.“

Einen ausführlichen Bericht über die Arbeit des Teilhabebeirates legte dessen Vorsitzender Ulli Messing vor. Erstmals habe der Teilhabebeirat im vergangenen Jahr in allen vier Ortsteilen der Gemeinde getagt. Dem großen Ziel, eine Anlaufstelle zu haben für Bürger, die ehrenamtlich tätig werden möchten, und für Gruppen, die Ehrenamtliche suchen, sei man leider noch nicht näher gekommen.

Ein positives Fazit zog Messing bezüglich der zum dritten Mal durchgeführten Aktion „Gaumenschmaus von Haus zu Haus“. Unter anderem dafür sei der Teilhabebeirat mit dem Ehrenamtspreis der Sparkasse Westmünsterland ausgezeichnet worden. Ausführlich schilderte Messing auch die Arbeit in den einzelnen Arbeitsgruppen. „Danke für diese gute Arbeit“, betonte Ausschussvorsitzende Claudia Jürgens unter dem Beifall der Ausschussmitglieder.

Das Thema Teilhabe beschäftigte den Ausschuss auch noch bei einem anderen Tagesordnungspunkt. Vorsitzende Jürgens hatte Wert darauf gelegt, dass über die bisherigen Ergebnisse aus der letzten Zusammenkunft mit dem Lokalen Teilhabekreis in Form einer Sitzungsvorlage berichtet wird. Sobald die Corona-Pandemie es wieder zulässt, sei auch ein Besuch des Lokalen Teilhabekreises im Ausschuss geplant. Marianne Klan, als Fachbereichsleiterin Wohnen und Teilhabe im Stift Tilbeck zuständig für die Häuser in Nottuln und Bösensell, schilderte dem Ausschuss, dass sich der Teilhabekreis von der Gemeinde ernstgenommen fühle. Marianne Klan hatte die Ergebnisse aus der Besprechung des Ausschusses mit dem Teilhabekreis für die Bewohner der Stift-Tilbeck-Wohnheime in einfache Sprache übersetzt. Eine Arbeit, für die es vom Ausschuss viel Lob gab. Auch für das Versprechen des Teilhabekreises: „Wir bleiben am Ball.“

Ausschussmitglied Arnd Rutenbeck dankte der Vorsitzenden Claudia Jürgens, dass sie das Thema Teilhabekreis auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Das Thema müsse man weiter wachhalten. Rutenbecks konkreter Vorschlag: So wie jetzt bei Beschlüssen die Folgen für den Klimaschutz benannt werden, sollten künftig auch die Auswirkungen auf die Teilhabe der Menschen benannt werden.

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