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Mini-Regenrückhaltebecken helfen

Nottuln

Die Nottulner Firma Humberg hat ein innovatives Bewässerungssystem für Straßenbäume entwickelt, das nun mit wissenschaftlicher Begleitung getestet und weiterentwickelt wird. Anlässlich einer Baubesprechung betonte Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, wie sehr er sich freue, dass die Gemeinde Nottuln Teil des auf drei Jahre angelegten Forschungsprojektes ist.

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L Foto: Gemeinde Nottuln

Von oben betrachtet sieht man nichts außer der Baumscheibenabdeckung, in deren Mitte der Straßenbaum steht. Unter dem Baum und unter den Gehwegplatten aber versteckt sich ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, das den Baum mit Wasser versorgt und ihm dabei hilft, längere Trockenzeiten gut zu überstehen. Gleichzeitig wirkt es mit Hilfe eines besonderen Substrates der Verdichtung des Bodens entgegen und belüftet den Wurzelballen der Pflanze.

Kern des Systems namens ALVEUS, das von der Humberg Baumschutz GmbH aus Nottuln und der Fachhochschule Münster in einem Forschungsprojekt gemeinsam entwickelt wird, sind unterirdische Bewässerungsspeicher: Der kleinere von ihnen fasst 400 Liter und sammelt Niederschlagswasser. Ergänzt wird er durch darunterliegende Retentionsbehälter, die bis zu 2400 Liter Wasser fassen können. Diese Mini-Regenrückhaltebecken sorgen dafür, dass das Wasser bei intensiven Niederschlägen zurückgehalten wird. Auf diese Weise landet das Oberflächenwasser da, wo es gebraucht wird – nämlich an den Wurzeln des Baumes.

„Mit dem Effekt, dass sich so die Gefahr einer Überflutung mindert und die Kanalisation entlastet wird“, erklärt Firmeninhaber Franz Humberg, der in dieser Woche zusammen mit seinen beiden Projektverantwortlichen René Schnelle und Marius Ernst sowie Prof. Dr. Helmut Grüning von der FH Münster zur Baubesprechung einlud.

„Durch die vermehrt auftretenden Trockenperioden leidet das urbane Grün. Hinzu kommen häufiger auftretende Starkregenereignisse, die das Kanalnetz belasten“, erklärt Grüning, Experte für Wasserversorgung und Entwässerungstechnik bei der FH Münster. Da soll ALVEUS Abhilfe schaffen.

Eine kleinere Ausgabe des Bewässerungssystems sei bereits am Markt, berichtete Humberg, dessen Firma es zuletzt in Erfurt installierte. In den nächsten zwei Wochen soll der große Bruder im Rahmen des Forschungsprojektes, an dem auch die Gemeinde Nottuln beteiligt ist, an zwei Stellen im Pastorskamp in Appelhülsen eingebaut werden. Dabei soll die Praktikabilität des Systems getestet und weiterentwickelt werden.

„Hinzu kommen zwei Referenzbäume, um zu sehen, wie sie sich ohne das Bewässerungssystem entwickeln“, erklärt Jörg Vestring von den Gemeindewerken. Gepflanzt werden Bäume, „die den klimatischen Ansprüchen gewachsen sind wie Ahorn oder den Lederhülsenbaum“, erläutert Friederike Marwede, die das Forschungsprojekt als Landschaftsarchitektin begleitet.

Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, der ebenfalls der Vorstellung des innovativen Bewässerungssystems beiwohnte, freut sich darüber, dass Nottuln Teil des auf drei Jahre angelegten Forschungsprojektes ist: „Klimaschutz wird immer wichtiger. Dazu tragen auch unsere Straßenbäume bei“, erklärt Thönnes und verweist darauf, dass in den vergangenen drei Wochen rund 30 neue Bäume im Gemeindegebiet gepflanzt wurden. Es sei wichtig, dass die Straßenbäume vor allem im Sommer gut versorgt sind, ist der Verwaltungschef davon überzeugt, dass der Verlauf des Projektes mit dem Namen „BeGrüKlim“ (Entwicklung eines Bewässerungskonzeptes von urbanem Grün während klimatisch bedingter Trockenphasen) von Erfolg gekrönt sein wird.

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