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21 Flak-Maiden aus Süddeutschland im Winter 1944/45 im Münsterland

„Morgen werden sie wieder aufeinander schießen“

Nottuln

Der Nottulner Historiker Hans-Peter Boer hat die Zeitzeugin Annegret Maisack, geborene Hammeley, noch persönlich kennengelernt. Das Tagebuch über ihre Nottulner Zeit hat er ausführlich studiert. 1999 schrieb er für die WN einen Beitrag über dieses Tagebuch, den wir an dieser Stelle noch einmal veröffentlichen (Achtung: Angaben zu Orten, Personen und Gebäuden der Gegenwart beziehen sich auf das Jahr 1999).

Hans-Peter Boer

Die St.-Martinus-Kirche war für die Flakhelferinnen damals ein Ort des Trostes und der Stärkung. Foto: Ludger Warnke

„Wir sitzen alle ums brennende Bäumchen, haben ein bißchen gesungen, haben ein bißchen geheult, und jetzt essen wir Pfefferkuchen und lesen zum sechsten Male die Briefe von Zuhause (von Vati kam, unter anderem, zur Feier des Tages, Nr. 1 vom 25. Oktober!). Ein paar fangen zu rauchen an, die drei Zigaretten, die uns die deutsche Wehrmacht als Weihnachtsgabe schenkte, und ich bin froh, daß ich gleich zur Wache aufgerufen wurde und ein bißchen allein sein kann. Nachher wollen wir noch ein Stückchen übers Feld gehen und Weih-nachtslieder singen; als Lilo anfragte, wer mitgehen wolle, melden sich vier von 46 . . . . Heiliger Abend 1944 . . . draußen ist alles still, kein Alarm, kein Telefon, kein Bomber, kein Nachtjäger, selbst das ferne Wummern, das der Westwind manchmal leise und drohend herüberträgt, ist verstummt. Alle feiern sie Weihnachten, Friede auf Erden . . . und morgen wer-den sie wieder aufeinander schießen.“

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