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Zum 100. Jahrestag von Professor Harry Höfer

Musikalische Bildung lag ihm am Herzen

Appelhülsen

Er ist ein bekannter Lehrender und Komponist gewesen – und er hat die ehemalige Appelhülsener Musikschule mit ins Leben gerufen: Prof. Harry Höfer wäre am Mittwoch (28. Juli) 100 Jahre alt geworden.

Von Ludger Warnke

Harry Höfer am Cembalo im Wohnhaus in Appelhülsen. Der Musikprofessor, Komponist und Gründer der früheren Musikschule Appelhülsen wäre heute (28. Juli) 100 Jahre alt geworden. Sein musikalischer Nachlass umfasst mehr als 100 Werke. Foto: Ludger Warnke

Die Corona-Pandemie hat den Kulturbetrieb über lange Zeit lahmgelegt. Das hat auch dem Verein zur Pflege der Musik von Harry Höfer zu schaffen gemacht. Dabei gibt es nun einen guten Anlass, an den am 9. November 2007 verstorbenen Appelhülsener Komponisten mit der Aufführung einiger seiner Werke zu erinnern: Am heutigen Mittwoch (28. Juli) jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag von Harry Höfer.

In Appelhülsen ist der Name Höfer gut bekannt, und dies nicht nur, weil Witwe Helga Höfer weiter im Ort wohnt und nach wie vor mit großer Begeisterung das Ensemble „Corona Musica“ leitet. Viele Männer und Frauen aus Appelhülsen, die heute beruflich oder ehrenamtlich in der Musik zu Hause sind, unternahmen ihre ersten musikalischen Schritte unter Anleitung von Harry und Helga Höfer.

Vater war Hornist im münsterischen Sinfonieorchester

Harry Höfer wurde am 28. Juli 1921 in Leipzig geboren. Nur wenige Jahre später zog die Familie nach Münster, wo der Vater seit 1923 als erster Hornist im Sinfonieorchester der Stadt tätig war. Von seinem Vater in die Welt der Musik eingeführt, widmete sich Harry Höfer in den Folgejahren ganz seiner großen Leidenschaft – der Musik. Auch im Militärdienst. Zunächst als Hornist im Musikkorps eingesetzt, kam Höfer dann als Freiwilliger mit einer Fallschirmjägereinheit nach Russland. Dort erlebte er das Kriegsende in sibirischer Gefangenschaft.

Nach der Rückkehr setzte Harry Höfer das Studium der Komposition bei dem Regerschüler Franz Ludwig fort. In dieser Zeit legte er auch staatliche Musiklehrerprüfungen ab, 1948 im Fach Horn und 1950 im Fach Musiktheorie. Bei Günter Bialas in Detmold vertiefte er anschließend seine kompositorischen Studien.

1962 trat Höfer als Dozent in das Lehrerkollegium der Westfälischen Schule für Musik in Münster ein. Und als die Staatliche Hochschule für Musik Westfalen-Lippe gegründet wurde, nahm Höfer den Ruf als Professor für Musiktheorie und Komposition sowie als Leiter des Fachbereichs Musiktheorie am Institut Münster an. 1986 wurde Höfer emeritiert.

Musiktheorie und Komposition gelehrt

Als er mit seiner Frau Helga 1964 nach Appelhülsen zog, wurde ihm die kleine Gemeinde zur neuen Heimat. Hier gründete das Ehepaar 1967 die Musikschule Appelhülsen und leistete wertvolle Basisarbeit. Unzählige Kinder und Jugendliche wurden mit großem Engagement mit den Grundlagen der Musik vertraut gemacht. Eine fundierte musikalische Bildung – dafür setzte sich Harry Höfer stets ein. Sei es als Professor an der Musikhochschule oder als Gründer der Musikschule Appelhülsen, in der er sich über 20 Jahre engagierte.

Voller Schaffenskraft und Kreativität widmete sich Höfer nach dem Hochschuldienst der Komposition. Insgesamt mehr als 100 Werke entstanden, darunter zum Beispiel die „Zwölf Gesänge gegen den Krieg“. Das breite Repertoire reicht von Sololiteratur bis hin zu Orchesterwerken. Kontrapunktik, alte und neue Techniken, klassische Formen und zum Teil vielschichtige Rhythmen kennzeichnen seine Musik.

Ein Schwerpunkt bildet die Musik für Bläser, besonders für das Horn. So ist etwa die Hälfte seiner Instrumentalwerke diesem Instrument gewidmet. Unter anderem komponierte Höfer, der auch das Ensemble „Westfälische Naturhornisten“ leitete, vier Messen für Naturhornbläser.

Mehr als 100 Werke hinterlassen

Mit seinem Kompositionen und der Materialiensammlung für den Hornunterricht füllte Harry Höfer eine Lücke der Musikliteratur. Sein Werk wird unter anderem durch Wilhelm Bruns (Meckenheim), Leiter der Naturhornakademie, gefördert. So ist aktuell die Veröffentlichung der Höferschen Messe Nr. 2 für Naturhorn auf CD geplant.

Werke von Harry Höfer gehören auch bei der „Corona Musica“ zum Repertoire. Das Ensemble kann auf ein besonderes Jubiläum blicken: Seit 50 Jahren leitet Helga Höfer die „Corona Musica“. Aus diesem Anlass ist für den 10. Oktober ein besonderes Konzert geplant – natürlich auch mit Werken von Harry Höfer.

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