1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Nottuln
  6. >
  7. Nicht nur die Lichter bleiben aus

  8. >

Gasmangellage: Gemeinde ergreift erste Maßnahmen zur Energie-Einsparung

Nicht nur die Lichter bleiben aus

Nottuln

Wie kann man der Gasmangellage als Kommune begegnen. Die Gemeindeverwaltung hat jetzt einen Energiesparplan ins Leben gerufen. Und auch die Pfarrgemeinde St. Martin setzt Zeichen.

Die Gemeindeverwaltung erarbeitet einen Handlungsplan zum Thema Energie-Einsparen in den gemeindeeigenen Gebäuden und Einrichtungen. Erste Maßnahmen wurden festgezurrt. Foto: Gemeinde Nottuln

Die Preise für Erdgas explodieren – und ein Ende ist nicht in Sicht. Energiesparen ist deshalb angesagt. „Wir haben eine Gasmangellage“, so Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, „und die könnte sich in den nächsten Monaten noch weiter verschärfen.“ Die aktuelle Situation betreffe nicht nur die Bürgerschaft, sondern auch die Gemeindeverwaltung selbst, heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinde. Die Verwaltungsspitze bestehend aus dem Bürgermeister, der Beigeordneten Doris Block und Rechtsrat Stefan Kohaus traf sich am Freitag mit der Klimaschutzbeauftragten Martina Marquardt-Wißmann, dem Leiter der Gemeindewerke, Daniel Krüger, sowie Fabian Gröger und Lukas Neitsch vom Gebäudemanagement, um einen Handlungsplan für die Gebäude und Einrichtungen der Gemeinde ins Leben zu rufen.

Angefasst wird unter anderem die abendliche Beleuchtung der Kuriengebäude. „Das können wir uns in der aktuellen Situation nicht mehr leisten“, erklärt Dr. Thönnes. Für die Kuriengebäude bedeutet das, dass die Scheinwerfer ab sofort ausgeschaltet bleiben. In den anderen Nottulner Ortsteilen gehört diese Form der dekorativen Beleuchtung ebenfalls bis auf Weiteres der Vergangenheit an.

Abendliche Beleuchtung der Verwaltungsgebäude bleibt aus

Die Pfarrgemeinde St. Martin reiht sich mit ein: Die Kirchen und kirchlichen Gebäude in allen Ortsteilen bleiben ebenfalls ab sofort unbeleuchtet: „In Zeiten, in denen es für nicht wenige Menschen zu einem Problem wird, sich mit gesunden Nahrungsmitteln oder auch Energie zu versorgen, ist das Reduzieren des Energieverbrauches im Zusammenhang mit öffentlichen Gebäuden ein dringend gebotenes Zeichen“, erklärt Pfarrdechant Norbert Caßens, „und das nicht nur symbolisch am World-Earth-Day. Das kann nur ein erstes Zeichen sein. Im Blick auf die Tafeln, auf Aktionen wie ,Jedem Kind sein Mittagessen‘ und im Hinblick auf neue Ideen werden wir weiter überlegen müssen, wie wir solidarisch durch die nächste Zeit und besonders durch den nächsten Winter kommen.“

Energiesparen heißt auch, dass es Nottuln in diesem Jahr keine Weihnachtsbeleuchtung in den Bäumen des historischen Ortskerns, am Weihnachtsbaum auf dem Stiftsplatz und auf den Fensterbänken des Rathauses oder der Aschebergschen Kurie geben wird. In diesem Zusammenhang appelliert die Verwaltung an die anderen Ortsteile, ebenfalls auf eine Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten.

Auch die Pfarrgemeinde St. Martin verzichtet auf die Beleuchtung ihrer Kirchen und kircheneigenen Gebäude. Foto: Marion Fenner

Worauf auf keinen Fall verzichtet werden kann, sei die Straßenbeleuchtung. „Schon aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht sind wir gehalten, die Laternen eingeschaltet zu lassen“, sagt Daniel Krüger. Während die Beleuchtung in den neueren Baugebieten bereits mit LED ausgestattet ist und auch über eine Nachtabsenkung der Leuchtkraft verfügt, funktionieren die übrigen Straßenlaternen noch nach herkömmlicher Methode. „Ab 2024 werden wir sie sukzessive umrüsten“, gibt Krüger einen Ausblick.

Für die Mitarbeitenden der Verwaltung gibt es laut der aktuellen Pressemitteilung ebenfalls Konsequenzen: Klimageräte bleiben aus, und die Temperatur in ihren Büros wird zu Beginn der kommenden Heizperiode um etwa zwei Grad abgesenkt. „Für alle Fälle und wenn es so richtig kalt wird, planen wir sogar, wärmende Decken auszugeben“, sagt der Bürgermeister. Dasselbe gelte auch für Ausschuss- oder Ratssitzungen. Die Temperatur der Räume, in denen sie stattfinden, wird ebenfalls gesenkt. Wärmende Decken werden bereitgelegt.

Wärmende Decken für Verwaltung und Politik

Außerdem prüft die Verwaltung, ob es möglich ist, Gebäude wie die Aschebergsche Kurie komplett zu schließen. Für die Mitarbeitenden bedeutet das, dass sie auf andere Gebäude verteilt werden und/oder verstärkt das Homeoffice nutzen.

Die Sporthallen sind ebenfalls betroffen. Mit Beginn der Heizperiode werden die Sportlerinnen und Sportler mit rund zwei Grad weniger Hallentemperatur auskommen müssen. „Zudem wird das warme Wasser in den Sanitäranlagen abgestellt“, erklären Fabian Gröger und Lukas Neitsch. Diese Maßnahme gilt ab sofort. Wer nach dem Sport duschen möchte, dem steht bis auf Weiteres also nur noch kaltes Wasser zur Verfügung.

Auf dem Prüfstand stehen auch die Flutlichtanlagen der Sportplätze. Verschärfe sich die Gasmangellage weiter, müsse darüber nachgedacht werden, die Flutlichter ganz abzuschalten. Doch zunächst werde nachgesehen, ob sich die Masten vielleicht auch einzeln schalten lassen, um nicht die gesamte Anlage in Betrieb halten zu müssen.

Einsparpotenziale bei Sportanlagen und Sporthallen

Wenn das Hallenbad im September seine Türen für die Wintersaison öffnet, werden die Badegäste kälteres Wasser und eine kühlere Raumtemperatur hinnehmen müssen: „Auch hier sehen wir ein großes Energie- Einsparpotenzial“, sagt Thönnes und betont, dass eine Schließung des Bades nur das allerletzte Mittel sein könne: Das ist dann die dritte Stufe des Energiesparplans, von der niemand hoffe, dass sie jemals Wirklichkeit wird, heißt es in der Pressemitteilung.

Am 17. August (Mittwoch) lädt die Gemeinde alle Bürger zu einer Zoom-Konferenz ein. Themen sind die Gasmangellage und ihre Konsequenzen. Gäste sind Thilo Augustin, Geschäftsführer der Gelsenwasser Energienetze GmbH, und Reiner Tippkötter vom Energieberatungsunternehmen „energielenker“ aus Greven. Er wird Tipps zum Energiesparen für Privathaushalte geben. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr. Der Link zum Einwählen in die Konferenz wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Startseite
ANZEIGE