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Drogenfahrten häufen sich

Nötiges Unrechtsbewusstsein fehlt

Nottuln

Mit Drogen am Steuer. Das ist kein Kavaliersdelikt, sagt die Polizei. Den erwischten Autofahrern fehlt allerdings oft das Unrechtsbewusstsein.

Von Theo Heitbaum

Im Bereich der Wache Dülmen, zuständig für Nottuln und Dülmen, wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 29 Fälle notiert, darunter acht in Nottuln. Foto: dpa/Jens Schierenbeck

Polizei stoppt Drogenfahrt! Britta Venker, Pressesprecherin der Polizei im Kreis Coesfeld, teilt das Gefühl, dass Meldungen mit diesem Inhalt in den vergangenen Monaten zugenommen haben. Im Bereich der Wache Dülmen, zuständig für Nottuln und Dülmen, wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 29 Fälle notiert, darunter acht in Nottuln.

Beim Alkohol ist die Situation klar: Fahranfänger lassen den Griff zur Flasche besser ganz sein. Für ältere Verkehrsteilnehmer gilt die 0,5-Promille-Grenze. In den Fahrschulen wird zwar auch über Drogen aufgeklärt, doch vermisst Venker das nötige Unrechtsbewusstsein. Dabei hätten ihre Kollegen ein gutes Gespür, wenn ihnen Verkehrsteilnehmer begegnen, die Drogen konsumiert haben: „An der Pupillenreaktion oder der Sprache können geübte Menschen das leicht erkennen.“

„Drogenkonsum ist leicht zu erkennen“

Seit einigen Jahren gebe es auch einen Schnelltest, der sehr präzise Ergebnisse liefere: „Wenn der positiv ist, kann man fast sicher sein, dass Drogen genommen worden sind“, erklärt Venker. In der Folge lassen die Beamten eine Blutprobe entnehmen, damit das Geschehen beweissicher ist. Die Sprecherin erklärt, dass vielen Betroffenen nicht klar sei, dass Drogen länger im Blut nachweisbar sind als Alkohol: „Bis zu zwei Wochen nach dem Drogenkonsum lässt sich das noch ermitteln.“

Einen einheitlichen Umgang mit Drogenfahrten gibt es in der Folge nicht, weil Droge nicht gleich Droge ist. Am Ende, so Venker, entscheide die Straßenverkehrsbehörde über den Fortgang des Verfahrens. In schweren Fällen könne neben dem Führerscheinentzug die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) folgen. „Die ist nicht einfach zu bestehen“, sagt Venker. Zudem müsse nachgewiesen werden, dass man keine Drogen mehr konsumiert habe.

Führerscheinentzug und Untersuchung drohen

Der Umgang mit den polizeilichen Daten durch das Straßenverkehrsamt ist nach Angaben des Amtes kompliziert. Das lasse sich in einem auch längeren Telefonat nicht korrekt vermitteln, erklärt Stephan-Matthias Hoffmann, Leiter der Straßenverkehrsbehörde, auf Anfrage.

Der ADAC steckt den Rahmen auf Anfrage so ab: Im Gegensatz zum Alkohol gebe es bei illegalen Drogen keine gesetzlichen Grenzwerte, die eine relative oder absolute Fahruntüchtigkeit markieren. Ein Grund: Die Wirkung von Drogen sei unterschiedlich und könne je nach Konsument variieren. Der Gesetzgeber habe bei Konsum harter Drogen „null“ Toleranz. Das heißt: Der Führerschein ist weg. Harte Drogen sind solche nach dem Betäubungsmittelgesetz.

Cannabis werde im Hinblick auf die Fahreignung anders beurteilt. Hier komme es auf das konkrete Konsumverhalten an, erklärt der ADAC. Er weist – wie die Polizeisprecherin – darauf hin, dass vor der Rückgabe des entzogenen Führerscheins eine erfolgreich bestandene Medizinisch-Psychologische Untersuchung, die Zeit und Geld kostet, vorgelegt werden muss. Betroffene sollten sich früh darum kümmern.

Konsequenzen können hart sein

Das Spektrum der möglichen Konsequenzen ist breit gefächert: Es beginnt mit einer Ordnungswidrigkeit, die ein Bußgeld für Ersttäter von 500 Euro, zwei Punkte im Fahreignungsregister und einen Monat Fahrverbot beinhalten kann. Werden allerdings Fahrauffälligkeiten und Ausfallerscheinungen festgestellt, schließt sich ein Strafverfahren an, das durchaus mit Freiheitsstrafen enden kann.

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