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Flüchtlingssituation stellt die Gemeinde vor große Herausforderungen

Notunterkünfte werden vorbereitet

Nottuln

Die Gemeinde Nottuln bereitet sich auf steigende Flüchtlingszahlen vor. Es geht um Wohnraum, um Plätze für die Kinder in Schulen und in Kitas.

Von Ludger Warnke

Der freie Platz in den kommunalen Unterkünften – im Foto die Häuschen an der Westerhiege in Darup – wird immer weniger. Die Gemeinde bereitet sich auch auf Notunterkünfte vor. Foto: Ludger Warnke

Der Krieg in Afghanistan und die dadurch ausgelöste Fluchtbewegung sind aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Für die Gemeindeverwaltung ist das Thema aber weiter real und aktuell: „Im März sind der Gemeinde 19 afghanische Ortskräfte zugewiesen worden“, berichtet Fachbereichsleiter Benedikt Gellenbeck. Auch um diese Menschen habe sich die Gemeinde zu kümmern. Nun kommen die ukrainischen Flüchtlinge oben drauf.

Im Gemeinderat gab Gellenbeck der Politik einen ersten Überblick und nannte auch Zahlen, die aber täglichen Veränderungen unterworfen sind. Deutlich wurde: Die Gemeinde bereitet sich auf alles vor, auch auf Notunterkünfte in kommunalen Gebäuden. Dafür laufen bereits die Gespräche mit dem Deutschen Roten Kreuz, wie Gellenbeck am Freitag im WN-Gespräch noch einmal bestätigte.

68 registrierte Ukraine-Flüchtlinge in der Gemeinde

Was die Ukraine-Flüchtlinge angeht, sind der Gemeinde offiziell bislang 28 Personen zugewiesen worden, die bis Montag hier ankommen werden und zum Teil auch schon angekommen sind.

Beim Ausländeramt des Kreises Coesfeld sind bislang 68 ukrainische Flüchtlinge registriert (Stand Freitagvormittag), die sich in Nottuln aufhalten. Wie viele weitere Flüchtlinge sich privat und noch unregistriert in der Gemeinde befinden, ist schwer abzuschätzen.

Die Versorgung mit Wohnraum steht ganz oben auf der Agenda. „Wir als Kommune haben derzeit noch neun Wohnungen, die wir mit weiteren Personen belegen können“, erläutert Gellenbeck. Darüber hinaus sind der Gemeinde 90 private Unterkunftsmöglichkeiten gemeldet worden. „Das sind aber nicht alles Wohnungen, manchmal ist es auch nur eine einfache Schlafgelegenheit für eine einzelne Person“, schildert der Fachbereichsleiter. Ein Abgleich mit der privaten Ukraine-Hilfe Nottuln, die ebenfalls Wohnraum vermittelt, habe ergeben, dass von diesen 90 gelisteten Unterkunftsmöglichkeiten bereits 30 belegt seien, so der Stand am Freitag.

Freien Wohnraum melden

„Wir suchen daher weiter dringend nach Wohnraum und sind für jeden Hinweis und jedes Angebot dankbar“, betont Gellenbeck. Bewährt hat sich aus der Sicht der Gemeinde das Wohnungsformular, das auf der Gemeindehomepage (www.nottuln.de) hinterlegt ist. Die Verwaltung bittet darum, dieses Formular zu nutzen und auch mitzuteilen, wenn gemeldeter Wohnraum nicht mehr zur Verfügung steht. Zugleich bittet Gellenbeck die Bürger um Verständnis, wenn man nicht sogleich mit jedem Wohnungsanbieter persönlichen Kontakt aufnehme. Das sei keine Missachtung, sondern dem stark gestiegenen Arbeitsaufkommen geschuldet.

Die Gemeinde muss sich aber nicht nur mit Wohnraum, sondern auch mit der Schulpflicht der Flüchtlingskinder und der Notwendigkeit von Kita-Plätzen beschäftigen. Wenn die Flüchtlinge registriert sind und in ihrer jeweiligen Aufenthaltskommune Sozialleistungen beantragen, sind sie auch mit dem ersten Wohnsitz hier angemeldet. Damit greift dann automatisch eine Schulpflicht der Kinder, erläutert Gellenbeck. So besuchen die ersten sieben ukrainischen Kinder schon die Auffangklasse am Rupert-Neudeck-Gymnasium.

Mehr Kita-Plätze erforderlich

Die Flüchtlingsentwicklung lässt auch den Bedarf an Kita-Plätzen stark steigen. Im Rat informierte die Verwaltung, dass sie zu den zwei vorhandenen Kita-Modulen noch ein drittes auf der Gemeindeweise plane. Das DRK sei bereit, die Trägerschaft zu übernehmen. Welche Kosten dabei auf die Gemeinde zukommen werden und ob ein drittes Modul überhaupt am Markt verfügbar ist, sind Fragen, die allesamt noch zu klären sind.

Vom Rat gab es ein dickes Lob für die Arbeit der Verwaltung. Allen ist klar, dass die Folgen des Ukrainekrieges die Gemeinde noch lange beschäftigen werden.

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