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Livestream der Ratssitzung

Premiere geplatzt

Nottuln

Alles war vorbereitet, aber dann wurde es doch nichts: Der erste Livestream von einer Ratssitzung kam am Dienstagabend nicht zustande, weil zwei Personen ihr Einverständnis versagt hatten.

Ludger Warnke

Der Gemeinderat tagte am Dienstagabend zum letzten Mal in diesem Jahr. Einen Livestream aus dem Forum des Rupert-Neudeck-Gymnasiums gab es allerdings nicht, weil zwei Personen ihr Einverständnis versagt hatten. Foto: Ludger Warnke

Ganz am Anfang gab es ein paar Bilder zu sehen, dann wurde der Bildschirm plötzlich schwarz: Das von der Gemeindeverwaltung angekündigte Live-Streaming der Ratssitzung am Dienstagabend hat aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht stattgefunden. Unter den rund 50 Anwesenden im Forum – 32 Ratsmitglieder, der Bürgermeister und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sowie interessierte Bürger – waren zwei Personen, die ihr Einverständnis zur Liveübertragung der Sitzung via Internet nicht gegeben hatten. „Ich bin persönlich extrem enttäuscht“, sagte Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, als zum Abschluss der öffentlichen Sitzung CDU-Ratsmitglied Georg Schulze Bisping die geplatzte Streaming-Aktion ansprach.

Schulze Bisping bedauerte sehr, dass das Streaming nicht stattfinden konnte. Er wisse von einer Reihe von Bürgern, die sehr daran interessiert seien. Vergangene Woche beim Fest der Demokratie und Toleranz sei noch davon die Rede gewesen, mehr Demokratie zu wagen, erinnerte der Ratsherr. Das Streaming hätte dafür ein gutes Beispiel sein können. Er bat die Verwaltung zu prüfen, ob ein Streaming auch ohne Einwilligung der Anwesenden möglich ist.

Sowohl am Dienstagabend im Gemeinderat als auch in einer am Mittwochmorgen verbreiteten Erklärung bedauert der Bürgermeister sehr, dass dieses Angebot nicht stattfinden konnte. „Es wäre unsere Chance gewesen, mehr Demokratie, mehr Digitalisierung und mehr Bürgernähe zu praktizieren“, so Thönnes.

Im Verwaltungsvorstand der Gemeindeverwaltung sei man sich schnell einig gewesen: „Wir wollen das!“ Der Bürgermeister: „Die datenschutzrechtlichen Hürden hatten wir im Vorfeld geklärt, entsprechende Formulare entworfen und das Team von IT und Online-Redaktion hatte alles vorbereitet, eine neue Kamera gekauft, sich innerhalb kürzester Zeit in das neue Thema eingearbeitet und einen erfolgreichen Testlauf gemacht. Danke dafür!“ Die konkreten Kosten für das Projekt bezifferte Thönnes auf Nachfrage unserer Zeitung auf 120 Euro für die Streaminig-Plattform, die Kamera habe etwa 2000 Euro gekostet, und etwa 50 Arbeitsstunden (á circa 40 Euro pro Stunde) habe die Verwaltung investiert.

Ihm persönlich zeige das deutlich, dass die Verwaltung zukunftsfähig und aufgeschlossen sei. Bürgermeister Thönnes: „Und gerade deswegen schmerzt es mich umso mehr, dass wir zwar im Rat über neue Formen der digitalen Bürgerinformation und ein Fortschreiten der Digitalisierung sprechen, es selbst aber nicht hinbekommen und erwartungsvolle Bürgerinnen und Bürger enttäuscht haben.“ 190 Personen, so wusste Thönnes am Mittwoch im Nachgang zur Ratssitzung zu berichten, hätten versucht, auf das Streaming zuzugreifen.

Bis auf Weiteres werde man auf einen Livestream der Ratssitzungen nun verzichten müssen, so der Bürgermeister abschließend in der Ratssitzung. Ein weiterer erfolgloser Versuch würde niemandem helfen.

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