1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Nottuln
  6. >
  7. Schlaun prägt das Stiftsdorf

  8. >

Historiker Hans-Peter Boer stellt westfälischen Baumeister vor

Schlaun prägt das Stiftsdorf

Nottuln

Wie sehr Johann Conrad Schlaun als Baumeister in der Barockzeit das Stiftsdorf Nottuln geprägt hat, zeigte der Historiker Hans-Peter Boer in einem Vortrag auf. Im Rahmen des Festprogramms 400 Jahre Martinimarkt hatte der Schlaun Cirkel dazu eingeladen.

Von Marita Strothe

Der Historiker Hans-Peter Boer (r.) erläuterte in seinem Vortrag über Johann Conrad Schlaun, wie sehr der bekannte westfälische Baumeister die Architektur des Stiftsdorfes im 18. Jahrhundert geprägt hat. Foto: Marita Strothe

„Wir freuen uns, Teil des Festprogramms 400 Jahre Martinimarkt zu sein“, sagte Thorsten Runge vom Vorstand des Schlaun Cirkels am Mittwochabend. 25 Besucherinnen und Besucher, die sich zum Thema „Johann Conrad Schlaun und sein Wirken in Nottuln“ informieren lassen wollten, durfte er in der Stiftsbuchhandlung begrüßen.

„Ganz besonders freuen wir uns, dass Herr Boer heute unser Gast ist“, übergab Runge nach einer kurzen Beschreibung der Ziele des Schlaun Circels das Wort an den Historiker Hans-Peter Boer. Mit Zitaten unterschiedlicher Jahrzehnte machte der Schlaun-Kenner zu Beginn seines Vortrags deutlich, welche Gefühlswerte an Bauten hängen, ehe er sich dem berühmten westfälischen Baumeister zuwandte.

Als 20-Jähriger die erste Kirche gebaut

Schlaun sei 1695 in Nörde, in einer abgelegenen Gegend als Johann Conrad Schluen geboren und in einem westfälischen Bauernhaus groß geworden. Als 20-Jähriger baute er bereits seine erste Kirche in Rheder, wusste Boer zu berichten. Eigentlich machte Schlaun eine militärische Karriere, während der er sich aber immer mehr als Architekt betätigte. So schickte ihn sein Dienstherr, der Bischof von Münster, im Jahr 1720 auf Ausbildungsreise zu einem Baumeister.

„Mit vollgepackten Koffern kam er im Frühjahr 1723 wieder in Münster an“, erzählte Hans-Peter Boer, das Johann Conrad Schlauns Studium eine unheimliche Breite gehabt habe. Kurz darauf änderte der Architekt seinen plattdeutschen Namen von Schluen zu Schlaun und übernahm dazu noch das Wappen der ausgestorbenen hessischen Adelsfamilie Schlaun.

Brandkatastrophe im Jahr 1748

Als er 1748 auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, brach am 3. Mai die Brandkatastrophe über Nottuln herein. 240 Objekte fielen den Flammen zum Opfer, darunter alle Stiftshäuser und die Kirche. „Schlaun war als Oberlandingenieur für den Wiederaufbau Nottulns zuständig“, verdeutlichte Hans-Peter Boer.

Am 9. Mai habe seine erste Besprechung vor Ort stattgefunden, in der es um die Absicherung der stark beschädigten Kirche ging. „Schlaun hat für die Entwürfe nur elf Tage gebraucht“, berichtete der Referent. Neben der Wiederherstellung der Kirche ist der Baumeister nachweislich auch am Wiederaufbau acht großer Kurienhäuser beteiligt gewesen.

„Man sieht, was Schlaun gemacht hat“, zeigte Boer anhand von Zeichnungen. „Diese Struktur ist leider nie ganz fertig geworden“, schränkte er ein, da durch den Ausbruch des Siebenjährigen Krieges das Bauen zu teuer geworden sei.

Dass die Struktur des bedeutenden Baumeisters des Barocks auch weiterhin im Nottulner Ortskern berücksichtigt werden sollte, liegt nicht nur dem Vortragenden, sondern auch anderen Nottulnern am Herzen, wie sich bei der abschließenden Diskussion zeigte.

Startseite