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Führung für die FI

„Setzen wir ein lautes Zeichen“

Nottuln

Der 8. Mai – Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges – nahm die Friedensinitiative Nottuln zum Anlass, sich die ehemaligen Bunkeranlagen in den Baumbergen zeigen zu lassen. Heinz Böwing wusste sehr viel über die Geschichte zu erzählen, hatte aber auch die Gegenwart im Blick.

Mitglieder der Friedensinitiative Nottuln ließen sich von Heinz Böwing am 8. Mai die Reste der Lager- und Bunkeranlagen in den Baumbergen zeigen. Foto: FI Nottuln

Passend zum 8. Mai, an dem sich in diesem Jahr das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 77. Mal jährte, besichtigten Mitglieder der Friedensinitiative Nottuln (FI) am Sonntag alte Fundamente und verschüttete Stolleneingänge in den Baumbergen. Geführt wurden sie dabei durch den Steveraner Heinz Böwing, der mit seinem Buch „Bomber, Bunker und Baracken“ schon vor Jahren auf diesen historischen Ort aufmerksam machte und der bisher über 1000 Bürgerinnen und Bürger schon diese Anlagen erklärt hat, wie die FI in einer Pressemitteilung schreibt.

Zwei Stunden lange spazierten die FI-Mitglieder zusammen mit Böwing durch einen begrenzten Abschnitt der Baumberge – hinter der alten Jugendherberge. Anschaulich erzählte Heinz Böwing die Geschichte der letzten Kriegsjahre und die Monate nach dem 8. Mai 1945.

Die letzten Kriegstage in den Baumbergen

Noch 1944 wurde in den Baumbergen an dieser Stelle ein großes Lager errichtet mit dem Tarnnamen „Herbstwald“. Unterirdische Stollen wurden in den Berg getrieben. Die Gesamtanlage sollte als Ausweichquartier des „Generalkommandos des VI. Armeekorps“ der Wehrmacht, in Münster ansässig, dienen, berichtet die FI.

50.000 Soldaten waren diesem Kommando im Zweiten Weltkrieg untergeordnet, Soldaten aus Westfalen, Ostwestfalen und dem Rheinland, die im Mittelabschnitt der Ostfront eingesetzt waren, vor allem in der heutigen Ukraine, und dort Verwüstung und Tod brachten.

Zum Einsatz kam die Ausweichanlage in den Baumbergen nicht mehr. Mit dem Einmarsch der britischen und amerikanischen Truppen in der Karwoche 1945 endete für die Baumberge-Gemeinden der Zweite Weltkrieg, heißt es weiter. Nicht nur die Deutschen seien damit befreit gewesen, auch die vielen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und die vielen Kriegsgefangenen aus der Region seien frei gewesen, sogenannte „Displaced Persons“ (DPs).

Displaced Persons wurden zusammengepfercht

Ohne Orientierung zogen diese umher, mit dem Willen möglichst bald nach Hause zu kommen. Schnell wurde von den Alliierten das „Lager Herbstwald“ in ein „Russenlager“ umgewandelt. Über 1000 DPs wurden schon in den ersten Apriltagen 1945 in den acht Großbaracken zusammengepfercht, so Heinz Böwing laut Pressemitteilung. Die überwältigende Mehrheit (95 %) habe sich dieser Internierung still gebeugt. Dennoch kam es auch zu Plünderungen und Diebstahl in der Umgebung: Heinz Böwing: „Die Leute in den Baracken waren anfangs sich selbst überlassen, hatten nichts zu essen und wurden nicht versorgt. Essbares haben sie sich dann auf den Höfen in der Umgebung besorgt. Wer will es ihnen verdenken. Dabei kam es auch zu Übergriffen. Die lange Jahre festgehalten Menschen aus einer Vielzahl von Nationen nahmen auch Rache für ihre zum Teil unmenschliche Behandlung.“ FI und Böwing waren sich einig: Der Krieg verroht die Menschen, macht sie zu Opfern und Tätern. Udo Hegemann, der für die FI die Begegnung mit Heinz Böwing organisiert hatte: „Das ist leider heute auch noch so!“

„Der Krieg verroht die Menschen.“

Heinz Böwing appellierte zum Schluss: „Treten wir daher für Toleranz und Völkerverständigung ein, wehren wir uns gegen Rassismus und Nationalismus. Erinnern wir uns bei der nächsten Stammtischparole an dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte und setzen ein lautes Zeichen.“ Das sei gerade in diesen Krisen- und Kriegszeiten besonders notwendig.

„Buch und Führung“ – so Udo Hegemann – „können wir allen sehr empfehlen.“ Mit einer Spende bedankte sich Hegemann für die FI. Diese wird Heinz Böwing direkt an die Nottulner Tafel weitergeben, heißt es abschließend.

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