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Plattdeutsche Ortsnamen

Skepsis statt Begeisterung

Nottuln

Beim Treffen in Appelhülsen kam das Thema zur Sprache, nun gibt es ein Gesetz: Plattdeutsche Ortsnamen auf den Ortsschildern sind möglich. Doch die Heimatvereine zweifeln.

Frank Vogel

Nottuln – eine Gemeinde  mit vier Ortsteilen. Dass die plattdeutschen Ortsnamen ebenfalls auf den Ortsschildern erscheinen werden, ist unwahrscheinlich.Vier Ortsteile – eine Gemeinde. Dass der Ortsname in Plattdeutsch auf den Ortsschildern noch dazukommt, ist momentan eher unwahrscheinlich.          Foto: Martina Hindricksen

Ende Dezember ist im Düsseldorfer Landtag eine Entscheidung gefallen, die eine Welle der Begeisterung durchs Bundesland hätte schwappen lassen können. Was sie aber (noch) nicht getan hat. Die Fachstelle für niederdeutsche Sprachpflege des Westfälischen Heimatbunds hatte mit ihrem Wunsch, dass auf Ortsschildern die plattdeutschen Namen ergänzt werden dürfen, Erfolg. Der Wunsch ist jetzt Gesetz. Der Enthusiasmus bei den Heimatvereinen aber – sagen wir es mal vorsichtig – hält sich in Grenzen.

Denn wer sonst sollte einen Antrag an die Gemeinde stellen, dass die Ortsschilder einen heimatsprachlichen Akzent bekommen. Die Gemeinde jedenfalls wird es nicht tun. Beigeordnete Doris Block: „Die Initiative muss aus der Bevölkerung kommen. Das können wir nicht aus dem Rathaus heraus machen.“

In den Heimatvereinen ist man aber zurückhaltend. Die Aktiven haben zwar von der neuen Gesetzeslage gehört, aber sie haben andere Themen wichtiger gefunden. Wie übrigens mit ähnlichen Worten (aber komplett entgegengesetzter Stoßrichtung) auch die Heimatministerin reagiert haben soll, als sie Ende Oktober im Bürgerzentrum in Appelhülsen zu Gast war.

Dort hatte im Rahmen der Diskussion „Biste Westfale, haste Heimat“ ein Heimatfreund das Wort ergriffen und den Schilderwunsch vorgetragen. Die Ministerin soll dann – das berichtet die Süddeutsche Zeitung süffisant – dem Wunsch „spontan“ zugestimmt haben mit den Worten, sie habe schließlich „Wichtigeres zu tun, als die Ortsschilder mit plattdeutschen Namen zu verhindern.“ Spätestens seit dem Treffen in Appelhülsen hat sich die Ministerin jedenfalls für das Projekt eingesetzt. Mit Erfolg.

Ein Sinneswandel: Bei früheren Anläufen des Westfälischen Heimatbundes für die Plattdeutschbeschilderung waren die schwarz-gelbe und dann die rot-grüne Koalition nicht überzeugt und hatten den Vorstoß mehrheitlich abgelehnt. Grund war die Sorge, dass die Schilder schwerer zu lesen seien und Autofahrer ablenkten. Diesmal gab man dem Wunsch nach, der angeblich vermehrt vor Ort geäußert worden sei, wie es im Antragspapier heißt.

Auch wenn Appelhülsen die Ministerin animiert hat, hier ist man besonders skeptisch. Heimatvereinsvorsitzender Manfred Rickert sieht keinen Sinn in einer Erweiterung der Schilder. „Wir haben bei uns drauf stehen: Appelhülsen – Gemeinde Nottuln – Kreis Coesfeld. Das wäre dann noch ein Wort mehr, wer soll das denn im Vorbeifahren alles aufnehmen.“ Und außerdem: „Wie lautet eigentlich der plattdeutsche Name Appelhülsens?“

In Schapdetten ist Plattdeutschspezialist Hugo Sandmann ziemlich sicher, dass der plattdeutsche Name mit dem hochdeutschen identisch ist: „Schapdetten hieß früher Detten und hat irgendwann seinen neuen Namen bekommen – zur Unterscheidung von dem anderen Detten in unserer Gegend: Emsdetten.“ Also: Einen plattdeutscheren Namen als „Schapdetten“ könnte man wohl eh nicht aufs Schild schreiben.

Selbst Hanns Moormann, Vorsitzender des Heimatvereins Nottuln, und vor 50 Jahren aus Niedersachsen hierher gekommen, wo es die niederdeutsche Beschilderung schon lange gibt, ist skeptisch. „Dafür sehe ich hier nicht die richtige Mentalität.“ Außerdem wäre der plattdeutsche Name dann wohl auch „Notteln“, was eher wie ein Schreibfehler aussieht als dass es den Autofahrer heimatkundlich erleuchten würde.

Im Fall Darups könnte das schon was anderes sein. Da würde dann unter dem Ortsteilnamen „Darup“ in etwas kleinerer Schrift – so ist das grafisch vorgesehen – noch ein „Daorpm“ stehen. Diskutiert worden ist das allerdings im dortigen Heimatverein noch nicht, wie Vorstandsmitglied Richard Hanning weiß. „Ich werde mal anregen, dass wir darüber sprechen.“

So sagen das auch Hugo Sandmann, Manfred Rickert und Hanns Moormann. Man werde über das Thema bei Gelegenheit sprechen. Und das dann – so darf man vermuten – wahrscheinlich in Hochdeutsch.

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