1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Nottuln
  6. >
  7. Tathergang gibt Rätsel auf

  8. >

Verhandlung wegen Raubes

Tathergang gibt Rätsel auf

Nottuln

Ein Vorfall, zwei komplett gegenteilige Schilderungen. Der Fall eines 28-Jährigen, der laut Anklage in Appelhülsen einen Raub begangen haben soll, ist ziemlich undurchsichtig.

Vor dem Amtsgericht Coesfeld muss sich ein 28-Jähriger wegen Raubes verantworten. Foto: Dieter Klein

Das Gerichtsverfahren gegen einen 28-Jährigen, dem ein in Appelhülsen begangener Raub vorgeworfen wird, geht in die Verlängerung. Weil ein Zeuge nicht erschienen war und neue Zeugen gehört werden sollen, setzte das Amtsgericht Coesfeld einen weiteren Sitzungstermin an. Der Sachverhalt ist verworren:

Er habe „Gras“ gekauft und 500 Euro Schulden bei dem Zeugen gehabt, schilderte der Angeklagte, der zurzeit in der Justizvollzugsanstalt Münster einsitzt. Um darüber zu reden und die Sache aus der Welt zu schaffen, habe dieser ihn zu sich nach Hause in Appelhülsen gebeten, erzählte der Angeklagte. Dort sei er von der Mutter des Zeugen in die Wohnung gelassen worden. Als er hörte, wie diese flüsternd telefonierte, habe er Angst bekommen, „sie würde die Russen anrufen, die ihn fertigmachen sollen“, und sei daher schnell wieder abgehauen.

Verhandlung vor dem Amtsgericht Coesfeld

Diese Aussage des Angeklagten klang ganz anders als die Anklage, in der dem jungen Mann Raub vorgeworfen wird. Laut Anklage soll der 28-Jährige zusammen mit einem bisher unbekannten Mann im Mai vergangenen Jahres in die Wohnung in Appelhülsen eingedrungen sein, in der der Zeuge zusammen mit seinen beiden Brüdern und der 47-jährigen Mutter lebt. Der Angeklagte soll diese bedrängt und dabei Verletzungen der Frau billigend in Kauf genommen, zudem aus dem Zimmer des Zeugen, dem mittleren der drei Söhne, 200 Euro gestohlen haben.

Als Zeugen waren die Frau sowie der bestohlene Sohn geladen worden. Letzterer jedoch erschien nicht zur Verhandlung, weshalb der Amtsrichter wegen unentschuldigten Fehlens 150 Euro Ordnungsgeld, ersatzweise drei Tage Ordnungshaft, verhängte. Nicht die erste gerichtliche Strafe für den Sohn. Das Jugendstrafenregister listete mehrere Verurteilungen auf, unter anderem wegen Drogendelikten.

Gegenteilige Schilderungen

Die Mutter als Zeugin schilderte nicht nur die Vorkommnisse des Mai-Abends, sondern auch die Panik, die sie ergriffen habe. Sie sei schwer krank, deshalb arbeitsunfähig und in engmaschiger ärztlicher Behandlung. Dass ihr mittlerer Sohn überhaupt etwas mit dem Angeklagten zu tun habe, sei ihr bis dahin nicht bekannt gewesen. Sie habe den Angeklagten zwar schon zwei- oder dreimal bei sich zu Hause gesehen, aber da sei er bei ihrem ältesten Sohn zu Besuch gewesen. Dieser kenne den Angeklagten bereits seit vielen Jahren, sie hätten zusammen in der Justizvollzugsanstalt Herford gesessen.

Die Aussagen der Frau kommentierte der Angeklagte mehrmals mit Zwischenrufen, bezeichnete sie als Lügnerin.

Weiterer Vorfall am Beisenbusch

Abgesehen von den Vorkommnissen im Mai gab es noch einen Vorfall im Juni an der Tankstelle im Gewerbegebiet Beisenbusch. Auch dazu gab es unterschiedliche Schilderungen. Laut dem Angeklagten habe der jüngste Sohn der Frau ihn massiv verbal bedroht. Sein Vater sowie seine Schwester seien ebenfalls im Auto gewesen und hätten das gehört. Überhaupt sei er immer wieder auch per Whats­app vom mittleren der drei Söhne bedroht worden, er solle bezahlen, sonst würden sie „die Russen schicken“. Mutter und Sohn indes fühlten sich wiederum vom Angeklagten bedroht, der sich ihrem an der Ampel wartenden Auto genähert haben soll. Das bezeugte der jüngste Sohn der 47-Jährigen.

Da ein wichtiger Zeuge fehlte und im Prozessverlauf drei weitere Zeugen benannt wurden, unterbrach der Richter die Verhandlung. Fortsetzung folgt.

Startseite
ANZEIGE