1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Nottuln
  6. >
  7. Trotz Abstandhalten nähergerückt

  8. >

Alltag im Pflegeheim in Zeiten von Corona

Trotz Abstandhalten nähergerückt

Appelhülsen

Die Beschränkungen wegen der Corona-Krise treffen die Pflegeeinrichtungen besonders hart. Aus den ARCA-Häusern berichtet deren Leiterin Martina Bosse.

wn

Müssen mit der ungewohnten Lage umgehen (v.l.): Pflegeassistent Vassif Aliyev, Bewohner und Heimbeiratsvorsitzender Siegfried Wagenknecht, Bewohnerin Ulrike Kleideiter, Einrichtungsleiterin Martina Bosse, Bewohner Dirk Kunsleben und Altenpflegerin Denise Lammerding. Das Foto ist vor den verschärften Beschränkungen entstanden, bei Spaziergängen tragen jetzt auch die Bewohner Masken. Foto: Haus Arca

Das allgegenwärtige Coronavirus hat auch in den Pflegeeinrichtungen in Nottuln das tägliche Leben verändert. In den ARCA-Häusern sind die Türen seit dem 13. März für Besucher geschlossen. Wie das Leben dort jetzt organisiert ist, beschreibt Einrichtungsleiterin Martina Bosse in einer Pressemitteilung.

Seit dem Besuchsverbot übernehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Einkauf für die Bewohner. Da werden lange Listen mit Wünschen nach der speziellen Schokolade, Zigaretten oder der TV-Zeitschrift entgegengenommen und abgearbeitet. Der gemeinschaftliche Wohnheimalltag findet in reduzierter Form statt. Es gibt keine Gemeinschaftsveranstaltungen mehr. So fallen etwa der wöchentliche Singkreis, das Kreativ- und Yogaangebot oder die „Schlaue Stunde“ ersatzlos aus. Und auch die Doppelkopf-Runde ruht zum großen Bedauern der Bewohner. Insbesondere den Senioren fehlt der wöchentliche hausinterne Gottesdienst.

„Auch wenn die Bewohner diese Maßnahmen verstehen und mittragen, fällt der Verzicht doch schwer“, weiß Martina Bosse. Dafür gibt es bei gutem Wetter Spaziergänge in 1:1-Begleitung und mit Mundschutz, den sowohl Bewohner wie auch Mitarbeiter tragen.

Am meisten fehlt den Bewohnern jedoch der Besuch ihrer Angehörigen. Besonders schlimm wird es an Geburtstagen. Gerade an diesem Tag hätte Siegfried Wagenknecht, Vorsitzender des Heimbeirates, gerne mit seiner Tochter und dem Enkelkind gefeiert. Diese waren zwar da, um ein Geschenk zu bringen, durften aber nur aus sicherer Entfernung winken. „Das war schon schwer“, sagt Siegfried Wagenknecht, er sei sehr traurig gewesen. Obwohl er zu den Mitarbeitenden aus dem Pflege- und Betreuungsteam einen sehr guten Kontakt habe, sei die emotionale Verbindung zur Familie nicht zu ersetzen.

Durch das Telefon oder auch per WhatsApp wird der Kontakt zwischen Bewohnern, Angehörigen und Freunden aufrecht gehalten. Viele Angehörige nutzen auch das Angebot, eine Mail zu schicken. Diese wird ausgedruckt und an den Bewohner weitergeleitet und bei Bedarf vorgelesen. Und auch der Postbote wird täglich sehnsüchtig erwartet. Im Moment erhalten die Bewohner sehr viel mehr Postkarten und Päckchen als in der Vergangenheit.

In vielen Fällen sind die Wohngemeinschaften trotz Abstandhalten näher zusammengerückt, berichtet Martina Bosse. „Das Miteinander bekommt eine ganz andere Qualität, weil das Leben im Hause dichter und intensiver geworden ist. Da werden untereinander wieder vermehrt Gespräche geführt, und auch die gemeinsamen Mahlzeiten werden zu täglichen wichtigen Fixpunkten im Alltag.“

Angelika Autering, Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin in den ARCA-Häusern, weiß um die Bedeutung von leckeren Mahlzeiten in angespannten Zeiten. Der Speiseplan enthält derzeit sehr viel Abwechslung, um die Stimmung im Hause gut aufrechtzuhalten. Der Grill wurde bereits aufgebaut, und die ersten Grillwürstchen fanden ihre Abnehmer. Zu den Osterfeiertagen gab es klassische Münsterländer Struwen und einen exquisiten Osterbrunch.

Für die Mitarbeitenden habe sich in der täglichen Arbeit nicht so viel geändert, dennoch sei die psychische Belastung groß, erzählt Martina Bosse. Zu den täglichen Hygienemaßnahmen ist seit dem 1. April das Tragen einer textilen Schutzmaske hinzugekommen. Diese erinnert auch daran, Abstand zu halten und sich nicht ins Gesicht zu fassen. „Einen 100-prozentigen Schutz vor der Infektion gibt es jedoch nicht“, erklärt Martina Bosse. Um den zu gewährleisten, müssten FFP2-Masken getragen werden. Diese sind derzeit jedoch nicht in ausreichender Anzahl zu bekommen und werden für Notfälle zurückgehalten.

Martina Bosse betont: „Alle Mitarbeitenden sind sich der besonderen Gefahr für ‚ihre‘ Bewohner bewusst und achten im Privatleben ganz besonders auf Abstand und Vermeidung von sozialen Kontakten.“

Startseite