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Schützenverein Schapdetten

„Vernunft vor Tradition“

Schapdetten

Eigentlich wollten die Schapdettener vom 17. bis 19. Juli Schützenfest feiern. Corona-bedingt wird daraus aber nichts. Dennoch: Der Vorstand hat sich viele Gedanken gemacht über den Verein. Und darüber, wie am eigentlichen Festwochenende in Schapdetten ein Zeichen der Gemeinschaft gesetzt werden kann.

wn

Das Schapdettener Königspaar Louisa Kötter und Nils Appelhans verlängern ihre Regentschaft um ein Jahr. Für das Königspaar kein Problem, erst recht nicht für König Nils. Er kommt aus einer Schützenfamilie. Sein Vater Theo Appelhans (r.) war vor nunmehr 41 Jahren König in Schapdetten. Foto: Helmut Brandes

Die Vogelstange in der Detterheide ist hergerichtet. Sie entspricht den sicherheitstechnischen Anforderungen an Schießstätten. „Gutachterlich festgestellt“, betont der Schützenverein Schapdetten. Auch Durchführungserlaubnis, Schankerlaubnis, Schießerlaubnis, Umzugserlaubnis und was sonst noch alles für die Durchführung eines zünftigen Schützenfestes benötigt wird – liegt vorbereitet in der Schublade. Vorgespräche mit dem Festwirt, Spielmannszügen und der Unterhaltungsband haben stattgefunden. Beim Schapdettener Schützenverein war man frühzeitig bestens gerüstet für das Schützenfestwochenende vom 17. bis 19. Juli.

So war der Plan. Doch wegen der Corona-Pandemie fällt auch das Schapdettener Schützenfest – wie viele andere Schützenfeste in der Umgebung – aus. „Vernunft geht vor Tradition“, betont der Vorstand, der den ursprünglichen Schützenfesttermin am nächsten Wochenende zum Anlass nimmt, einen Blick zurück auf den Schützenverein zu werfen, auf seine Anfänge und seine Aktivitäten, aber auch auf die kommenden Zeiten.

„Den Schapdettener Schützenvereins gibt es nachweislich seit 1876. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Verein schon wesentlich länger existiert, ist hoch. Der Zweck des Vereins ist ausschließlich und unmittelbar gemeinnützig. Er hegt aufgrund alter Traditionen die Heimatpflege und den Heimatgedanken. Er pflegt alte Sitten und Gebräuche, er fördert den Familiensinn und soll nachbarliche Beziehungen stärken und vertiefen. Eine Tradition, der man über Generationen seit 144 Jahren in Schapdetten nachkommt“, erklärt der Vorstand in einer Pressemitteilung.

Noch bis zum 31. August sind Großveranstaltungen, und darunter fallen auch die Schützenfeste, in NRW untersagt. „Es gab immer wieder Krisenzeiten, in denen Essen knapp, eine Schützenstange nicht vorhanden oder das Schießen mit Waffen verboten war. Die beiden Weltkriege sowie Wirtschaftskrisen haben uns gezeigt, dass man diesen Herausforderungen innovativ und inspiriert begegnen kann und muss. Auch in dieser Zeit mussten Schützenfeste abgesagt werden, weil es um essenziellere Dinge ging“, betont der Vorstand.

Wie in der heutigen Zeit Krisen begegnet werden könne, hätten die begeisternden Aktionen und Aktivitäten der umliegenden und befreundeten Nachbarvereine gezeigt. Gerade auch in der jetzigen Zeit erfahren viele Menschen, wie wichtig Gemeinschaftserlebnisse, Schützenfeste ebenso wie andere Volksfeste, sind und welche große Bedeutung sie haben für das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Solidarität untereinander. „Schützenverein und Schützenfest sind eben mehr als ein Umzug, ein Vogelschießen oder die Feier auf einem Festzelt“, betont der Vorstand.

Besprochen hat der Vorstand, wie es nun weitergehen wird. Der Schützenverein wird die Eingangsstraßen zum Dorf und den Kirchplatz schmücken. „Als Zeichen, dass wir gemeinsam der Krise trotzen und als Gemeinschaft zusammenstehen, bitten wir alle Schapdettener am Schützenfestwochenende ihre Fahnen zu hissen“, heißt es weiter.

Die Ehrungen für langjährige Vereins- und Vorstandstreue sowie für besondere Verdienste sollen beim Schützenfest 2021 stattfinden. Jubilare für Vereinszugehörigkeit wären in diesem Jahr gewesen Felix Aldenborg (90 Jahre), Helmut Kemper (70 Jahre), Heinz Benning, Helmut Giering und Reinhold Storp (alle 50 Jahre) sowie Christopher Cauvet, Bernd Hanning, Hartmut Kintrup, Matthias Klesy, Florian Lengers, Reinhard Schriever und Andre Storp (alle 25 Jahre).

Die Jubelkönigspaare Alwine und Paul Offer (60 Jahre), Renate und Heinrich Hartz (50 Jahre) und Gabriele und Helmut Göcke (25 Jahre) sind eingeladen, ihr Jubiläum im kommenden Jahr zu feiern.

Das amtierende Königspaar 2019 Louisa Kötter und Nils Appelhans hat sich gerne dazu bereit erklärt, seine Amtszeit um ein weiteres Jahr zu verlängern. Somit bleiben sie bis zum Schützenfest 2021 das amtierende Königspaar.

So mancher mag sich fragen, warum wird man, wenn man noch so jung ist, Schützenkönig? Aus Sicht von Nils Appelhans spielen Familie, Tradition und Dorfgemeinschaft eine wichtige Rolle. Theo Appelhans, der Vater von Nils, war 1979 Schützenkönig und hatte sein 40-jähriges Jubiläum.

Sohn Nils ist seit frühester Jugend im Schützenverein und identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem Verein und seinen Werten. In Bezug auf sein Dorf habe er wohl einen „Knall“, meint er selbst mit einem Augenzwinkern. Das dörfliche Leben sei genau richtig für ihn. Man kenne und schätze sich eben. Aus diesen Gründen habe Louisa Kötter auch von Anfang an mit Begeisterung mitgemacht.

Der Vorstand des Schützenvereins weist darauf hin, dass alternative Veranstaltungen wie ein Herbst- oder Weihnachtsbasar unter den bisherigen Vorgaben und Auflagen in einem vertretbaren Rahmen nicht leistbar seien. Aber: „Wir werden ein Auge auf die weitere Entwicklung haben und sollte sich an der aktuellen Situation etwas ändern, wird der Verein mit Freude in Überlegungen einsteigen.“

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