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Initiative Deutschstunde

„Wir sind für alle Nationen offen“

Nottuln

Trotz ihrer unterschiedlichen Muttersprachen führten rund 20 Frauen, die aus verschiedensten Ländern nach Nottuln gekommen sind, beim Eisessen intensive Gespräche miteinander – und zwar auf Deutsch. Die Basis dafür legte der Sprachunterricht die „Initiative Deutschstunde“.

Von Ludger Warnke

Geselliges Eisessen: Die Teilnehmerinnen der Sprachkurse der Initiative Deutstunde tauschten sich angeregt aus. Foto: Ludger Warnke

Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern. Aus der Ukraine beispielsweise, aus Afghanistan oder aus Syrien. Trotz der verschiedenen Muttersprachen führten die rund 20 Frauen, die sich am Donnerstag zum Eisessen im Eiscafé Venezia trafen, ganz intensive Gespräche miteinander. Denn alle Frauen sind Teilnehmerinnen der Kurse „Deutsch als Fremdsprache“, die die ehrenamtliche Initiative Deutschstunde in Nottuln anbietet, und sie haben erfolgreich ihre ersten Schritte in der deutschen Sprache unternommen.

20 Ehrenamtliche vermitteln Deutschkenntnisse

Da demnächst einige Teilnehmerinnen die Sprachkurse verlassen, weil sie in die Integrationskurse wechseln, entstand die Idee eines gemeinsamen Ausfluges in das Eiscafé. Bei der „Initiative Deutschstunde” handelt es sich um eine Gruppe von knapp 20 ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus der Gemeinde, die Flüchtlingen Deutschunterricht geben. Aktuell gibt es drei Gruppen mit jeweils rund zehn Teilnehmern, wie Margot Ortbach, Sprecherin der Initiative, im WN-Gespräch berichtet. Der Deutschunterricht findet seit langem im Pfarrheim Nottuln statt. Dafür sei man der Kirchengemeinde St. Martin sehr dankbar, betonte Ortbach.

Entweder durch Mundpropaganda oder durch Vermittlung der Gemeinde stoßen die Flüchtlinge auf die Deutschkurse. „Wir sind für alle Nationen offen“, betont Margot Ortbach. Aufgrund des russischen Invasionskrieges gegen die Ukraine stoßen nun auch ukrainische Frauen zu den Kursen.

Lateinisches Alphabet ist eine Herausforderung

Die Gruppengröße ist bewusst überschaubar gehalten, denn die ehrenamtlichen Sprachlehrer stehen manchmal vor großen Herausforderungen. Vor allem dann, wenn Englisch als Brückensprache nicht zur Verfügung steht. In vielen Fällen müssen auch Alphabetisierungsmaßnahmen durchgeführt werden, weil zum Beispiel in den Herkunftsländern ein anderes Alphabet mitsamt anderer Schrift gilt. Die Umstellung auf das lateinische Alphabet ist für viele Flüchtlinge nicht einfach.

Um nachvollziehen zu können, wie schwer für manche das Erlernen der deutschen Sprache ist, hat Margot Ortbach damit begonnen, arabisch zu lernen. Eine echt große Herausforderung, wie sie nun angesichts der vielen fremden Schriftzeichen und deren Bedeutung feststellt. Weshalb klar ist: „Wir als Lehrende brauchen sehr viel Geduld und Nachsicht.“

Umso motivierender sind Treffen wie das im Eiscafé. Wenn so viele Frauen unterschiedlicher Herkunft sich angeregt unterhalten und dabei immer mehr die deutsche Sprache nutzen, dann hat sich der ehrenamtliche Einsatz wirklich gelohnt.

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