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Christophorus-Kliniken

Wissensreise durch den Darm

Coesfeld/Nottuln

Darmkrebs ist eine weit verbreitete Krankheit. Aber man kann vorbeugen und helfen, wenn man sie rechtzeitig erkennt. Die Christophorus-Kliniken gaben viele Informationen.

Florian Schütte

Beim Aktionstag Darmkrebs an den Christophorus-Kliniken in Coesfeld war Europas größtes begehbares Darm-Modell der Felix-Burda-Stiftung zu erleben. Foto: Florian Schütte

Die rötlich verfärbten Wucherungen haben sich schon tief in das Gewebe gefressen. Die Diagnose: Darmkrebs. Eine Hiobsbotschaft, die jährlich 62 000 Menschen in Deutschland ereilt. „Mein Mann hat kürzlich die Diagnose bekommen. Da denke ich mir, dass ich jetzt auch wieder eine Darmspiegelung machen lasse“, erzählt eine ältere Dame, die sich beim Aktionstag gegen Darmkrebs der Christophorus-Kliniken am Samstag informiert und gerade Europas größtes begehbares Darm-Modell im Schlosspark betreten hat. Vorsorge ist das A und O - das wird an den Infoständen und in mehreren Vorträgen immer wieder deutlich.

Am Ausgang des Darm-Modells der Felix-Burda-Stiftung stehen die Assistenzärzte Marc Sühling und Thomas Lütke-Twenhöven. Sie freuen sich, die Menschen ausführlich über das Thema zu informieren, wofür „im Stationsalltag oft wenig Zeit bleibt“, sagt Sühling.

Viele Interessierte gehen auf eigene Faust durch das Modell, das auf den ersten Blick an die Reise zum Mittelpunkt der Erde erinnert. Ein Gang durch die überdimensionale Nachbildung des Verdauungsorgans entpuppt sich jedoch eher als wahre Wissensreise.

Und wenn gewünscht, gehen Sühling und Lütke-Twenhöven mit und erklären den Menschen die Thematik ganz praktisch am Modell - so wie der Gruppe um Gisela und Roland Maas sowie Theresa und Anja Gerleve. Vorbei an Colitis ulcerosa und Morbus Crohn geht es zu einem „gestielten Adenom“, das wie ein Lampion an der oberen Darmwand hängt. „Da kann schon mal Krebs drin sein“, sagt Sühling. „Aber wenn man es bei einer Darmspiegelung entfernt, ist man schon geheilt.“ Anders sieht das bei den Polypen aus, die sich bereits in die Darmwand hineingefressen haben. Daher sei eine Darmspiegelung so wichtig - da sie sowohl präventiv, diagnostisch als auch therapeutisch arbeite.

Wie das genau funktioniert, zeigt Dr. Markus Dreck im Foyer der Christophorus-Kliniken an einem Infostand. „Die Menschen haben Sorge, dass so etwas wehtut“, weiß der Gastroenterologe. „Aber sie bekommen ein Medikament und fallen währenddessen in einen schönen Schlaf.“ Auch Blähungen seien im Anschluss selten, „da der Darm nicht mehr mit Luft, sondern mit COaufgeplustert und dieses über die Lunge abgeatmet wird“, erklärt Dr. Markus Dreck. Jeden Quadratmillimeter des acht Meter langen Organs zu sehen, dauert 30 bis 40 Minuten. Werden nun Polypen gefunden, können diese sofort mit einer Schlinge mittels Wärme abgetragen werden.

Doch was, wenn die Vorsorge zu spät kommt? Hierzu informieren die Krankenhaus-Seelsorge und das Brückenteam an ihren Infoständen. Schwester Barbara berichtet derweil von der Wirkungsweise der Aromatherapien, die „zwar kein Medikament ersetzen können, aber unterstützend wirken, damit sich die Betroffenen besser fühlen“.

„Wir versuchen Menschen, die in diese Situation hineinkommen, eine Starthilfe zu geben“, sagt Gerd Goebel von der Deutschen ilco, der Selbsthilfevereinigung für Stomaträger, an seinem Stand. Das Stoma, der künstliche Darmausgang, verändert das Leben, aber leben kann man mit ihm.

Im Haus E lassen Gläschen mit Falafeln, Bircher Müsli und Gemüse mit Dip bereits erahnen, worum es im nächsten Vortrag geht. Diätassistentin Christiane Wedding klärt die Zuhörer über eine darmgesunde Ernährung auf. Sie betont vor allem die Bedeutung der Ballaststoffe. 30 Gramm sollten es pro Tag sein. „Eine Handvoll Nüsse am Tag und höchstens 500 Gramm rotes Fleisch pro Woche“, rät sie. Besser seien Fisch und Geflügel. Doch auch hier sollte das Kilogramm pro Woche nicht überschritten werden, antwortet Wedding auf die Nachfrage eines Zuhörers. „Und welches Obst ist das beste?“, will ein Mädchen wissen. Wedding: „Am besten regionales, aber ansonsten soll man den ganzen Regenbogen essen.“

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