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Bildstock der beiden Bruderschaften frisch gesäubert

Zeugnis der Ortsgeschichte

Nottuln

In vielen Stunden fleißiger Handarbeit hat Steinmetzin Sabine Feldmann ehrenamtlich den Bildstock am Niederstockumer Weg gereinigt. Der Bildstock, gestiftet von den beiden Nottulner Bruderschaften St. Antoni und St. Martini, erinnert an ein besonderes Wohnbauprojekt in Nottuln.

Von Ludger Warnke

In vielen Stunden fleißiger und ehrenamtlicher Handarbeit hat Steinmetzin Sabine Feldmann den Bildstock am Niederstockumer Weg von Schmutz, Grünspan und Moosbewuchs gesäubert. Foto: Marlies Jerber

Ihre Leidenschaft für das Steinmetz-Handwerk prägt sie schon ihr ganzes Leben lang. Schließlich stammt die Nottulnerin Sabine Feldmann aus einer Steinmetzfamilie und übt als frei tätige Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin diesen Beruf bereits in vierter Generation aus. In der Gemeinde Nottuln und in den Baumbergen sowie auch in Münster ist Sabine Feldmann gut bekannt. Die Steinmetzmeisterin war in den vergangenen Jahren oft mit ihrem Handkarren „Paula“ unterwegs, um die Menschen für die lange Tradition dieses Handwerks und dessen Beachtung zu sensibilisieren. „Ich möchte darauf aufmerksam machen, was unsere Kultur hier eigentlich ausmacht“, erklärt Sabine Feldmann. Die Arbeit von Bildhauern und Steinmetzen habe die Region sehr geprägt, doch nicht jedem falle das auf.

In Stein gehauene Kulturzeugnisse

Ihr aber fallen die in Stein gehauenen Kulturzeugnisse auf. Deshalb hat sie auch erkannt, dass an der Wegestation der beiden Bruderschaften St. Antoni und St. Martini am Niederstockumer Weg der Zahn der Zeit nagte. Rund 15 Jahre nach der letzten umfassenden Restaurierungsaktion, damals vollzogen durch die Firma Marmor Lenter (Johannes Lenter, der Großvater von Markus Lenter, hat den Bildstock in den 1950er-Jahren errichtet), hatte sich nun allerhand Schmutz auf dem Bildstock abgesetzt. Weshalb Sabine Feldmann mit Zustimmung der beiden Bruderschaften sich ehrenamtlich an die fachkundige und umfassende Säuberung der Wegestation machte. In vielen Stunden fleißiger Handarbeit säuberte sie Quadratzentimeter um Quadratzentimeter die Oberfläche des Steins. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Strahlend hell präsentiert sich der Bildstock nach dieser Reinigung. Beide Bruderschaften sind begeistert. „Wir möchten uns ganz herzlich bei Frau Feldmann für diesen tollen ehrenamtlichen Einsatz bedanken“, betont Georg Steinhoff, 1. Vorsteher der St.-Antoni-Bruderschaft, auch im Namen der St.-Martini-Bruderschaften.

Diesen Bildstock (Wegestation) haben einst die Nottulner Bruderschaften St. Martini und St. Antoni gestiftet. Nach einer umfassenden Reinigung durch Steinmetzin Sabine Feldmann präsentiert sich der Bildstock im frischen Glanz. Foto: Georg Steinhoff

Engagement der Bruderschaften

Beide Bruderschaften haben seinerzeit diese Wegestation gestiftet und erinnern damit an ein besonderes Kapitel der Nottulner Ortsgeschichte. Die Inschriften des aus Baumberger Sandstein gemeißelten Bildstocks verraten, worum es geht: „Baut nicht der Herr die Häuser, dann mühen sich umsonst die daran bauen. Nimmt nicht der Herr die Siedlung in Hut, dann ist umsonst euer Arbeiten“, steht auf der Vorderseite. Darüber die Abbildung des Hl. Antonius, der schützend seine Hand auf ein kleines Schwein legt, und darunter die Darstellung des Hl. Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt. „Baut nicht der Herr die Häuser, dann bauen die Bauleute vergebens“, heißt es auf der Rückseite. Der Bildstock erinnert an das Projekt „Bruderschaftssiedlung“ nach dem II. Weltkrieg.

„Bruderschaftssiedlung“

Acht Häuser mit insgesamt 16 Wohneinheiten entstanden auf dem Land, das von der damaligen St.-Martinus-Pfarre zur Verfügung gestellt worden war. Die beiden Bruderschaften St. Martini und St. Antoni gründeten 1948 einen eingetragenen Verein, der als Ziel die Errichtung der Wohnungen in Selbsthilfe für Bedürftige hatte. Federführend daran beteiligt waren der damalige Kaplan Pricking, der Unternehmer Franz Rhode und Amtsdirektor Franz Ballhorn.

Zu jener Zeit konnten Finanzmittel aus verschiedenen Töpfen des damaligen Kreises Münster und der Regierung abgerufen werden. In einem Auswahlverfahren wurden die unter der Wohnungsnot besonders Leidenden ausgewählt, die ihre Häuser dann in Eigenleistung mit Unterstützung des Trägervereins errichteten.

Der erste Bewilligungsbescheid im ganzen Regierungsbezirk Münster für die Finanzhilfe ging damals nach Nottuln. Nachdem mit dem Bau der Häuser im Mai 1948 begonnen worden war, erfolgte schließlich im Beisein des Regierungspräsidenten und des Landrates die Einweihung im November 1949.

An dieses wegweisende Wohnungsprojekt erinnert der Bildstock. Und nur zu gerne hat sich Sabine Feldmann an die Arbeit der Reinigung gemacht. Für die Nottulnerin ist klar: „Die Handwerkskunst, die sich im Bildstock widerspiegelt, und das damit verknüpfte Wohnungsprojekt – beides hat unsere Aufmerksamkeit verdient.“

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