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Hegering Nottuln-Havixbeck zieht positive Sommerbilanz

Zwölf Kitze vor dem Mähtod gerettet

Nottuln/Havixbeck

Rund 1200 Kilometer haben die Freiwilligen des Hegerings Nottuln-Havixbeck in diesem Sommer für eine sinnvolle Aktion zurückgelegt Sie haben Rehkitze vor dem Tod gerettet..

Hegeringleiter Karl Weckendorf (l.) bedankte sich bei allen Helfern des Kitzrettungsteams. Die Drohne durfte dabei natürlich nicht fehlen. Foto: Hegering Nottuln-Havixbeck

Den Dankeschön-Nachmittag des Hegerings Nottuln-Havixbeck haben sich die Freiwilligen redlich verdient. Denn im zurückliegenden Sommer haben sie sich an Kitz-Rettungsaktionen beteiligt. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer haben insgesamt zwölf Kitze bei zusammen 25 Einsätzen vor dem sicheren Mähtod bewahrt, berichtet der Hegering.

Der Einsatz als Kitz-Retter mache Sinn. „Jedes Jahr kommen bei der Grasernte junge Rehe zu Tode, weil sie keinen Fluchtreflex haben und sich bei Gefahr an Ort und Stelle an den Boden drücken. So werden Graserntemaschinen zur tödlichen Gefahr. Die Fahrer derselben haben kaum eine Chance, die Kitze im hohen Gras zu entdecken“, erläutert der Hegering.

Fliegende Wärmebildtechnik

Das von den Jägern bisher praktizierte, vorherige Absuchen der Flächen mit Hunden rettete bereits vielen Kitzen das Leben. Noch besser ist es jedoch, die Wiesen mit fliegender Wärmebildtechnik abzusuchen. Genau diese Technik in Form einer Drohne mit Wärmebildkamera hat der Hegering im Winter 2020/21 mit eigenen Geldern und unterstützt durch einige Landesfördermittel angeschafft. Für die laufenden Kosten kommen die Mitgliedsreviere und die beteiligten Jagdgenossenschaften selbst auf.

Mit der Anschaffung allein war es jedoch nicht getan, auch Drohnenpiloten wurden ausgebildet und mit den notwendigen Führerscheinen ausgestattet. Außerdem wurden aus den Reihen des Hegerings sowie aus der interessierten Bevölkerung freiwillige Helfer gesucht und gefunden.

Enge Zusammenarbeit unabdingbar

Zu den Landwirten und Lohnunternehmen, die Flächen auf dem Gebiet des Hegerings bewirtschaften, haben die Jäger vorab Kontakt aufgenommen und für ihr Anliegen der Kitzrettung geworben. „Denn eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ist für den Erfolg unabdingbar: Zu erntende Flächen sollten beispielsweise möglichst 24 Stunden vor dem Schnitt an die Koordinatoren des Hegerings gemeldet werden, um sie dann optimal und mit kurzen Wegen abzuarbeiten“, erläutert der Hegering.

Die geretteten Kitze deponierten die Helfer vorübergehend in Kisten, um sie sicher vom Feld zu tragen. Foto: Hegering Nottuln-Havixbeck

Zur Mäh-Saison waren schließlich alle Vorbereitungen getroffen und alle notwendigen Gespräche geführt. Insgesamt rückte das Kitzrettungsteam während der Saison zu 25 Einsätzen aus – dabei wurden rund 1200 Kilometer zurückgelegt. Pro Einsatz waren mindestens immer ein Pilot und rund vier Helfer dabei. Zum Suchen überfliegt der Pilot die Fläche mit der Drohne und späht mit einer Wärmebildkamera nach hellen Punkten – das sind dann in der Regel Kitze. Anschließend suchen die Helfer diese im Gras, legen sie vorsichtig in Kisten und tragen sie von der Fläche.

Dort warten die Tiere bis zum Abschluss der Mahd auf ihre Freilassung durch die Helfer. Ricken (Mutter-Rehe) und Kitz finden sich dann innerhalb von kürzester Zeit durch individuelle Fiep-Laute wieder. Je Einsatz hat das Team durchschnittlich 20 Hektar Fläche abgesucht.

Dickes Lob aus der Landwirtschaft

Viele Landwirtinnen und Landwirte waren begeistert von den Einsätzen. „Erstmals nach vielen Jahren kam nicht ein einziges Kitz während unserer Grasernte zu Schaden! Vielen Dank an alle Helferinnen und Helfer“, meinte zum Beispiel eine Landwirtin. Der Dank wurde oft aber auch ganz praktisch ausgedrückt, zum Beispiel mit frischem Kaffee und einem Frühstück für die Helferinnen und Helfer, die indes oft Zeitdruck hatten, weil schon der nächste Einsatz wartete. Zeit und Außentemperaturen waren stets der begrenzende Faktor, weil die Wärmebildtechnik umso besser arbeitet, je kälter es ist.

Während der Einsätze freute sich das Team auch häufig über Zuschauer, die frühmorgens schon zum Joggen oder mit ihrem Hund unterwegs waren. Hegeringleiter Karl Weckendorf: „Wir freuen uns über alle Zuschauer. Dafür schaffen wir voraussichtlich zur nächsten Saison noch einen größeren Bildschirm an, auf dem alle Zaungäste das Bild der Drohne sehen und den Einsatz des Teams verfolgen können. Noch mehr freuen wir uns aber über freiwillige Helfer – nicht nur aus den Reihen der Jägerinnen und Jäger. Wer interessiert ist, kann sich gerne an uns wenden.“

Dankeschön an die Helferinnen und Helfer

Um sich bei allen freiwilligen Helfern zu bedanken, gestaltete der Hegering nun einen Grillnachmittag in Schonebeck in Appelhülsen. Insbesondere bedankte sich Karl Weckendorf bei Adrian Vogts, der einer der Hauptpiloten der Drohne war, sowie bei Michael Bleister, dem Kassierer des Hegerings, der während fast aller Einsätze zugegen war. Der Hegeringleiter zog eine insgesamt sehr positive Bilanz: „Wir haben viele Einsätze gehabt und viele Kitze gerettet. Außerdem haben wir viel für die kommende Ernte gelernt. Diese Erkenntnisse setzen wir im Winter in die Praxis um, und sind dann zur kommenden Saison noch effizienter unterwegs.“

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