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Sendener bedroht Ehefrau und Polizeibeamte mit dem Tod

78-Jähriger benimmt sich wie „offene Hose“

Senden/Dülmen

In betrunkenen Zustand hat ein 78-jähriger Sendener seine Ehefrau und zwei junge Polizeibeamte mit dem Tod bedroht. Vom Amtsrichter bekam er jetzt die Quittung für sein ausschreitendes Verhalten: 40 Tagessätze Geldstrafe. Einsichtig zeigte sich der Senior allerdings nicht.

Von Jürgen Primus

Zu 40 Tagessätzen Geldstrafe hat das Amtsgericht einen 78-jährigen Sendener verurteilt, der zwei Polizisten und die Ehefrau mit dem Tod gedroht hat. Foto: Klaus Meyer

Auch Monate nach dem Vorfall ist der 26-jährige Polizeibeamte noch geschockt: „So ein Verhalten kenne ich eigentlich nur von einer jüngeren Klientel, die unter Drogen steht. Der Mann war absolut respektlos und hat sich wie eine offene Hose benommen.“ So etwas habe er in seiner fünfjährigen Dienstzeit bisher noch nie erlebt. Die Rede ist von einem 78-jährigen Sendener, einem Diplom-Bauingenieur, der sich jetzt vor dem Amtsgericht Dülmen wegen Bedrohung verantworten musste.

Die Polizei war am 1. August vergangenen Jahres wegen häuslicher Gewalt zwei Mal zu dem stark alkoholisierten Sendener ausgerückt. Beim zweiten Mal nahmen die Beamten den Mann in Polizeigewahrsam mit nach Dülmen. „Dort hat er weiter randaliert, gegen die Tür getreten, ständig geklingelt und den ganzen Trakt beschallt“, berichtete der Polizist im Zeugenstand weiter. Das gipfelte darin, dass, als zwei Polizisten die Tür öffneten, um nach dem Senior zu schauen, dieser sagte: „Du warst dabei und du warst dabei. Ich werde euch beide morgen töten.“

Verbot zum Führen von Waffen

Für die Polizisten war „das kein Scherz“. Zumal der Mann, der früher einen Waffenschein hatte, im Jahr 2000 ein Verbot zum Führen von Waffen und Munition auferlegt bekommen habe. „Und er hatte ja auch bei dem Streit mit seiner Frau dieser angedroht, er werde sie umbringen und den Köter an die Wand klatschen.“

Der Angeklagte fühlte sich damals bei der Polizei und auch im Gerichtssaal ungerecht behandelt. Er wiederholte: „Die Polizisten waren einfach nur dumm.“

Er habe schließlich die Polizei gerufen und die hätten sich um ihn kümmern müssen. Stattdessen hätten die Beamten sich nur um seine Frau und um deren Schwester gekümmert, zu der die Ehefrau geflüchtet war. Er sei grundsätzlich ein harmloser Mensch. Die vorgeworfene Bedrohung räumte er kleinlaut ein, eine Entschuldigung kam ihm aber nicht über die Lippen.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer wegen der Bedrohung eine Geldstrafe in Höhe von 20 Tagessätzen à zehn Euro, also 200 Euro. In seinem letzten Wort sagte der Angeklagte nur: „Ich finde das nicht gut, wie das hier abläuft.“

Geforderte Strafe verdoppelt

Richter Dr. Marc Büning verurteilte den 78-jährigen Sendener zu 40 Tagessätzen à zehn Euro, verdoppelte also die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe. „Und damit fahren sie noch sehr gut. Denn es ist ein absolut schockierendes Bild, was hier gezeigt wurde. Sie haben ohne jeden Respekt gegen junge Polizeibeamte gehandelt.“ Auch vor Gericht habe der Angeklagte kein Unrechtsbewusstsein erkennen lassen. „Sie haben null Einsicht.“ Der fehlende Respekt gegen Polizei und andere Einsatzkräfte breche immer mehr in der Gesellschaft durch, aber es sei auch Aufgabe der Gerichte, dem Einhalt zu gebieten.

Das hat der Richter mit seinem Urteil getan, denn der 78-Jährige bekommt nur 209 Euro monatlich an Rente und muss auch heute immer noch dazuverdienen, um über die Runden zu kommen.

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