Wechsel im Team von Schloss Senden

Arbeitsplatz mit Aussichten

Senden

Mit Dr. Lennart Pieper verlässt der erste Volontär als wissenschaftlicher Mitarbeiter den Schloss Senden e.V. – ein Abschied von einer vielfältigen Tätigkeit, bei der die Früchte der Arbeit zu erkennen gewesen seien. Der Schloss-Verein hat weitere Sanierungsabschnitte vor der Brust und schmiedet derweil auch schon an Nutzungskonzepten.

Dietrich Harhues

Dr. Franz Waldmann (l.), erster Vorstandsvorsitzender des Vereins Schloss Senden, verabschiedet den ersten wissenschaftlichen Volontär, Dr. Lennart Pieper, und stellt seine Nachfolgerin Insa Ahrens vor. Foto: di

Je kleiner der Betrieb, desto mehr zählt jeder einzelne Mitarbeiter. Der Schloss Senden e.V. ist eine kleine „Firma“ mit einem großen Anspruch. Das Unternehmensziel lautet, das Denkmal zu erhalten und zu nutzen. Im vierköpfigen Team mit dem Vorstand wurde jetzt mit Dr. Lennart Pieper der erste wissenschaftliche Volontär verabschiedet, den der Schloss-Verein beschäftigt hat. Es bleibt aber nicht bei der Premiere. Die Nachfolgerin auf dieser Stelle, Insa Ahrens, hat bereits ihren Schreibtisch bezogen.

Ein Arbeitsplatz im Schloss, von dem Pieper betont: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Und sie begleitete ihn an jedem Arbeitstag, an dem er über die Allee auf das Denkmal hinter der Gräfte zusteuerte. „Immer wieder denke ich, wie gut es ist, dass es mich hierher verschlagen hat“, resümiert der Wissenschaftler, der die Praxis suchte und den Ort seines Einsatzes bis zur Bewerbung auf eine öffentliche Ausschreibung nicht mal kannte.

Spannenden Wandel mitgestaltet

Den Historiker aus dem Osnabrücker Raum, der in Bielefeld studiert hatte, führte die Promotion nach Münster. Mit dem Doktortitel heuerte Pieper als Volontär an. Er suchte einen Job mit gesellschaftlicher Relevanz und Bedeutung. Und bekam ihn in Senden. „Man weiß, wofür man es macht“, fasst der Absolvent des Volontariates die zweijährige Ausbildung zusammen. Ein Stück weit sowohl „Schloss-Herr“ als auch „dienstbarer Geist“. Das Spektrum reichte weit: von Veranstaltungsmanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung und Fundraising bis zur Forschung. Von Beginn an voll eingebunden zu sein, „herzlich auf- und ernst genommen“ worden zu sein – das habe die Zeit in Senden geprägt. Eine Team-Arbeit „auf Augenhöhe“, bestätigt Dr. Franz Waldmann, erster Vorstandsvorsitzender des Schloss-Vereins.

Die Früchte waren sichtbar. Schloss Senden habe sich stark gewandelt: Die Dachsanierung mit selbstbewusster Turmspitze am Romberg-Trakt und Balkon-Sanierung bildeten erfolgreiche Etappen. Einen Wendepunkt in der Wahrnehmung habe aber die Musterachse mit dem restaurierten Giebel des Herrenhauses markiert.

Dr. Franz Waldmann

Die Fortschritte bestätigt Waldmann: „Wir sind auf einem sehr guten Weg.“ Pieper habe „wichtige Bausteine auf diesem Weg beigetragen“, würdigt Waldmann die Leistungen des Volontärs, der jetzt im Bereich der Wissenschaftskommunikation an der Uni Münster eine neue berufliche Herausforderung sucht.

Er hatte sich, ebenso wie seine Nachfolgerin Insa Ahrens, unter rund 50 Bewerbungen durchgesetzt. Es habe eine Reihe guter Kandidaten gegeben, lautet das Fazit von Vorstand Waldmann. Doch nicht nur die Qualifikation, sondern auch die Persönlichkeit falle ins Gewicht. „Sie passt gut ins Team“, sagt Waldmann über Ahrens. Die 25-Jährige, die aus Bremen stammt und ihren Master in Geschichte und Politikwissenschaft in Kiel erlangt hat, bringt Verständnis für ein kulturelles Erbe und die Historie mit, das sie vermitteln möchte. Ebenso wie Pieper muss sie sich in Fragen des Denkmalschutzes, von handwerklichen Belangen bis zur Fördermittel-Bürokratie hineinarbeiten. Waldmann und der Vorstand sind der Überzeugung, dass Ahrens das voll gelingen und sie ihre Aufgaben bestens meistern wird. „Sie ist eine gute Botschafterin für Schloss Senden.“

Die Waterkant fehlt der Historikerin, die für mindestens zwei Jahre in der münsterländischen Bucht gestrandet ist, übrigens nicht. „Die Gegend ist wunderschön.“ Was sie auch mit Blick auf ihr direktes Arbeitsumfeld betont.

Workshops für Schüler, Café und Hochzeiten

Bei der zukünftigen Nutzung des Denkmals nimmt der Schloss Senden e.V. die junge Generation besonders in den Blick. Schülerinnen und Schüler aller Schulformen sollen dort in Workshops praktische Erfahrungen sammeln im Umgang mit Materialien, die sonst nicht auf dem Unterrichtsplan stehen. Die Schlossbauwerkstätten könnten aber auch beispielsweise als Ferienworkshops besucht werden. Die Arbeit des Schlossvereins an entsprechenden Konzepten, bei denen es auch um das Nachvollziehen von Produktionsketten beispielsweise vom Flachs oder Hanf bis zum Kleidungsstück gehen kann, läuft derzeit.Daneben besteht das Ziel, das Schloss auch gastronomisch zu nutzen. Der Schloss Senden e.V. hofft, dass es 2022 gelingt, ein Café im Mannenhaus anzubieten.Der Schloss-Verein kann sich auch vorstellen, dass Hochzeiten auf dem historischen Anwesen möglich sein werden. -di-

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