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Bankomat in Bösensell bleibt außer Betrieb

Bargeld beschaffen erfordert Wege

Bösensell

Der SB-Standort von Sparkasse Westmünsterland und Volksbank Münsterland Nord, der am 23. Juli durch Kriminelle gesprengt wurde, wird nicht wieder in Betrieb gehen. Diese Entscheidung der beiden Unternehmen stößt vor Ort auf Bedauern.

Von Dietrich Harhues

„Wir haben uns intensiv mit der Gefährdungslage befasst“: In der Nacht zum 23. Juli wurde der Bankomat in Bösensell zum zweiten Mal gesprengt. Jetzt haben die beiden Banken entschieden, dass kein Ersatz in dem Ortsteil geschaffen werden soll. Foto: di

Die beiden Banken haben lange über ihrer Entscheidung „gebrütet“. Wie sie ausfällt, das bestätigt die Befürchtungen vieler Bösenseller. Denn es kommt, wie geargwöhnt: Die gemeinsam betriebene SB-Filiale bleibt außer Betrieb. „Das Angebot fortzuführen, ist für uns nicht vertretbar“, sind sich Dietmar Dertwinkel, Generalbevollmächtigter der Volksbank Münsterland Nord, und Norbert Hypki, Vorstandsmitglied der Sparkasse Westmünsterland, einig.

Zu diesem Ergebnis gelangen die beiden Kreditinstitute laut Pressemitteilung im Hinblick auf Sicherheitsrisiken. Denn der Geldautomat in Bösensell ist bereits zwei Mal gesprengt worden – zuletzt am 23. Juli. In Luft aufgelöst haben sich damit auch die Hoffnungen der Bewohner des Ortsteils, einen wichtigen Bestandteil der Nahversorgung zu bewahren. Wer sich jetzt mit Bargeld eindecken, Auszüge drucken oder eine Überweisung auf die Reise schicken möchte, muss nach Senden oder Appelhülsen düsen beziehungsweise kann sich als Volksbank-Kunde auch in Albachten bedienen.

Banken führen Sicherheitsaspekte an

Der Standort Bösensell sei zu heikel, betonen die Banken. Nach dem ersten Angriff auf den Bankomaten an der Fassade des „Supermarktes nah & gut“ sei die SB-Filiale deutlich ertüchtigt worden. „Wir haben viel Investiert, um die Verfügung von Bargeld sicherzustellen“, beteuern Sparkasse Westmünsterland und Volksbank Münsterland Nord. Der Geldautomat sei nun sehr aufwendig mit Betonkern und Stahlkäfig gegen Explosionen gesichert worden. „Mehr geht nicht“, beteuern die Banken. Beim zweiten Anschlag seien die Täter mit äußerster Gewalt vorgegangen. Selbst das neue, alleinstehende und besonders gesicherte Gebäude und die verschlossene Zugangstür, konnten die Täter nicht abschrecken, die allerdings ohne Beute und bislang unerkannt flüchteten.

Die Täter, so die Verlautbarung der Banken, gehen inzwischen immer skrupelloser vor: Statt Gas nutzen sie Festsprengstoff. Dieser ist in seiner Wirkung noch gefährlicher, zündet mitunter nicht und muss dann gegebenenfalls vom Kampfmittelbeseitigungsdienst kontrolliert gesprengt werden.

„Vor dieser unberechenbaren Gefahr müssen wir unsere Kunden schützen“, so die Kreditinstitute. Das sehe auch das Landeskriminalamt so und fordert – insbesondere zur Vorbeugung – ein Sicherheitskonzept für die Standorte von Geldautomaten. Angesichts seiner Lage – nahe an der Autobahn – berge Bösensell „einfach ein zu hohes Risikopotenzial“, resümieren Dertwinkel und Hypki.

Für die Bösenseller bleibt es dabei, dass sie sich per ec-Karte im Lebensmittelmarkt „nah & gut“ mit bis zu 200 Euro Bargeld eindecken können, sofern sie für mindestes 20 Euro eingekauft haben. Doch eine SB-Filiale der Bank ersetzt dies nicht. Und selbst diese musste den Kunden schmackhaft gemacht werden, die sowohl für Sparkasse als auch Volksbank bis dato Niederlassungen wertgeschätzt hatten, die mit Mitarbeitern der Banken besetzt waren.

Besonders Senioren pochen auf Nähe

Den nicht selten zu hörenden Vorwurf, die weitere Detonation werde zum Anlass genommen, auch das Selbstbedienungsnetz auszudünnen, lässt Robert Klein, Sprecher der Sparkasse Westmünsterland, gegenüber der WN-Lokalredaktion nicht gelten. Es gehe nicht darum, laufende Kosten für Terminals und Co. zu sparen: „Das wäre eine falsche Wahrnehmung.“ Klein ergänzt, dass die Aufgabe der echten Filialen in Bösensell und – gerade erst – in Ottmarsbocholt nicht zu Personaleinsparungen geführt hätten. Denn die Kolleginnen und Kollegen seien jetzt in Senden anzutreffen, wo Beratungsangebote gebündelt verstärkt wurden.

Dass insbesondere ältere Kunden den Service vor Ort vermissen und weniger zugänglich seien für Online-Banking, machen einige Bösenseller geltend. Dass die Senioren ausgebootet werden, weist der Sparkassen-Sprecher zurück. Es weist auf ein „verändertes Nutzungsverhalten“ und viele Angebote der Beratung hin – bis hin zu Hausbesuchen, wenn auch diese in Corona-Zeiten schwierig seien.

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