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Begegnung auf und am Fahrrad

„Beispielhafte Idee, Inklusion von unten zu leben“

Senden/Ottmarsboc...

Am bundesweiten Aktionstag für die Gleichstellung von Behinderten lieferte eine Sternfahrt mit Zweirädern ein Beispiel dafür, wie Inklusion gelebt und Begegnung ermöglicht werden kann.

Ulrich Reismann

Menschen mit Handicaps und Betreuer unternahmen mit Rikschas, Tandems, Dreirädern und gewöhnlichen Fahrrädern eine Sternfahrt, bei der Haus Davert in Ottmarsbocholt das Ziel war. Foto: ure

Um Inklusion wirklich zu leben, ist es erforderlich, eine gewisse Offenheit füreinander zu entwickeln. Und das kann sich nur in Begegnungen vollziehen. Diesen von Johannes-Wilhelm Feller, Einrichtungsleiter von Haus Davert in Ottmarsbocholt, skizzierten Leitgedanken setzte der Inklusionsbeirat der Gemeinde Senden am Samstag, dem bundesweiten Aktionstag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, praktisch um. Mit eigener Stärke und Tatkraft, mit Unterstützung durch weitere aufgeschlossene Bürger und mit der Begeisterung jener Menschen, die geistig oder körperlich gehandicapt sind, wurde ein Fahrrad-Fest auf die Beine gestellt, „bei dem Begegnungen geschaffen wurden, zu denen es sonst nicht gekommen wäre“, was für Feller der entscheidende Punkt war.

Van Husen: „Tolle Botschaft“

Petra van Husen vom Sprecherrat des Inklusionsbeirates sah dies genauso. Dabei sprach sie von „einer ganz tollen Botschaft“, welche von diesem Tag ausgehe. Besonders angetan war sie davon, dass sich acht Personen des Fahrradteams von „Roter Keil“ angeboten hatten, bei der Sternfahrt jene Behinderten gewissermaßen unter ihre Fittiche zu nehmen, die nicht alleine fahren konnten und sonst nicht dabei gewesen wären. Wie „unkompliziert“ sich die Profis („Die fahren ja mal eben 100 Kilometer zum Warmwerden“) eingebracht hätten, sei aller Ehren wert. Dazu habe es dann selbstverständlich auch gehört, hierbei einige Gänge runterzuschalten und sich auf das nicht ganz so hohe Tempo der in ihrer Mobilität eingeschränkten Mitmenschen einzustellen. Auf dem Weg vom Joseph-Haydn-Gymnasium, wo zuvor der Europatag der KFD den Rahmen für ein Zusammenkommen in Gemeinschaft gegeben hatte, nach Ottmarsbocholt zum Wohnheim Haus Davert bot sich eine ausgezeichnete Atmosphäre für rege Gespräche. „Auf den Rädern war alles locker und entspannt“, nennt Van Husen die bedeutsamen Vorteile dieses Fortbewegungsmittels.

Ansatzpunkte für einen Austausch

Wo die Menschen mit Einschränkungen wohnen, was sie machen, wie ihr Tagesablauf aussieht, was ihre Hobbys sind: Ansatzpunkte gab es genug, worüber man sich unterwegs austauschen konnte. Und diese Unterhaltungen – auf Rikschas, Tandems und Dreirädern mit der Möglichkeit des Nebeneinandersitzens und auch auf ganz normalen Fahrrädern – seien von beiden Seiten gerne angenommen worden. Oft habe sie den Eindruck gewonnen, dass die Leute „happy“ gewesen seien, schilderte Petra van Husen, Sprecherin des Inklusionsbeirates, ihre Empfindungen. Dabei müsse man bedenken, so ergänzte Heimleiter Feller, „dass das ja auch für die Behinderten nicht selbstverständlich ist, wenn die jetzt in das – ich sag das mal so – normale Umfeld rein kommen.“ Einer der Faktoren für den Erfolg dieser Veranstaltung liege für ihn darin, dass es gelungen sei, „sehr viele Menschen mit den unterschiedlichsten Handicaps überhaupt mitnehmen zu können und es alle dann auch geschafft haben trotz der widrigen Umstände“. Wozu etwa das Wetter gehörte. Zwischendurch habe es einmal „unheimlich gegossen“, aber da war man zum Glück gerade auf dem Europafest.

In einem Fazit sprach Feller von einer beispielhaften Idee, „Inklusion von unten zu leben und umzusetzen“. Und war überzeugt davon, dass der Sendener Inklusionsbeirat hierbei besser agiere als die große Schulpolitik. Anerkennende Worte für den Inklusionsbeirat kamen auch von Bürgermeister Sebastian Täger. Ideen zu haben, sei das eine. Sie dann aber auch umzusetzen, das erfordere sehr viel Organisationstalent. Dass er sich anschließend – ebenso wie die ganze Schar des offiziellen Sendener Anradelns – an fester wie an flüssiger Nahrung laben konnte – verdient ein Extralob an eine motivierte Catering-Crew von Haus Davert.

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