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Brisante Nachbarschaft

Dietrich Harhues

Senden - Die Brisanz war bekannt. Als das Baugebiet Wienkamp ausgewiesen wurde, waren Ferdinand Leonard und sein Sägewerk schon da. Ein Familienbetrieb - seit Generationen. Die Nachbarschaft funktioniert tadellos - rein menschlich gesehen: „Wir verstehen uns sehr gut.“ Weniger Verständnis bringen zumindest einige Nachbarn dafür auf, dass sie seit Jahren auf Lärm- und Sichtschutz zwischen Wohnen und Werk warten. Schnelle Hilfe ist auch jetzt nicht in Sicht. Beigeordneter Klaus Stephan kennt die Situation und die Vorgeschichte ganz genau: „Die Lage ist rechtlich und tatsächlich vertrakt.“

Dass sich der Nachbarschaftskonflikt inzwischen gelegt habe, diese Vermutung könnte angesichts des langen Wartens auf eine Abschirmung aufkommen. Doch der Ärger sei nicht verpufft, betont ein Anlieger: „Der Frust ist groß.“ Ihn stören fliegende Späne, eine getrübte Aussicht und kreischende Maschinen. Zeitweise sei es „wahnsinnig laut“ macht der Mann geltend, der vor vier Jahren ein Doppelhaus bezogen hat. Nicht zuletzt geht es aber wohl ums Prinzip. Denn von Anfang an sei den Häuslebauern versprochen worden, dass „das Sägewerk abgeschirmt wird“.

Die ursprüngliche Planung, so die heutigen Schilderungen, sah einen Garagenhof vor, der mit einer Erhöhung ausgestattet werden sollte, die die Emissionen abhält. Dieses Konzept sei bei Hauskäufern nicht auf ausreichend Akzeptanz gestoßen, weshalb bei der Vermarktung auf Stellplätze umgeschwenkt worden sei.

Auch die sind noch nicht erstellt worden - geschweige denn eine Lärmschutzwand, die 3,50 Meter hoch und rund 60 Meter lang sein müsste, um eine Schutzwirkung zu entfalten.

Wer dieses Projekt jetzt noch stemmen und bezahlen soll, steht in den Sternen. Der Gemeinde fehlt ein Grundstückssaum, auf dem eine Wand gebaut werden könnte. Offen wäre auch, wer die Kosten übernehmen müsste.

Die Gemeinde schreit nicht gerade „hier“, wie Nachfragen der WN ergaben. Im Gegenteil, im Rathaus wurde die Frage gestellt, ob an dieser Maßnahme nicht die Anlieger finanziell beteiligt werden müssten.

Unter den Eigentümern der Häuser, denen zugleich Anteile an der Fläche gehören, die für einen Schutzgürtel benötigt würde, herrscht offenbar aber auch noch keine Einigkeit darüber, wie mit dem Areal umgegangen werden soll.

Ursprünglich sollte der Hauptinvestor des Baugebietes den Lärmschutz übernehmen. Die Baufirma, die zunächst alle Grundstücke vermarktet und als Erschließungsträger des Wienkamp fungiert hatte, geriet in die Pleite. Für den Bau der Straßen und des Spielplatzes hatte eine Bürgschaft vorgelegen, so dass dieser Teil der Abmachung erfüllt werden konnte.

Den Knoten mit einem Hieb durchzuhauen - das sei unmöglich, hieß es im Rathaus. „Es gibt nicht einen Knoten, sondern viele.“

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