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Erneuter Glasfaser-Ausfall

Der Marder hat zugebissen

Senden

Nager-Attacke setzt Netz schachmatt: Ein Marder soll eine angemietete Leitung beschädigt und zu dem Ausfall bei Telefon und Internet geführt haben. Auf diese Ursache führt die „Deutsche Glasfaser“ die Großstörung zurück. Für ihr Krisenmanagement kassierte das Unternehmen erhebliche Kritik.

Dietrich Harhues

Foto: dpa

Das Digitalzeitalter hat seine natürlichen Feinde. Buchstäblich. Denn den Datenhighway soll ein Marder schachmatt gesetzt haben. Die Deutsche Glasfaser teilt mit, dass die Beißerchen des kleinen Räubers zur Großstörung in Senden mit Ottmarsbocholt und Bösensell sowie in Ortsteilen von Dülmen und Rinkerode geführt haben. „Die Leitung wurde ursächlich vermutlich von einem Marder beschädigt“, heißt es in der Mitteilung des Infrastruktur-Investors und Providers.

Kommentar

Unseren Kommentar zum Thema finden Sie hier: Pleiten, Pech und Pannen

Angeknabbert wurde demnach eine gemietete Fremdleitung. Die Fehlerquelle lag in der Nähe von Dülmen und „führte zu ungewöhnlich langen Ausfällen“, wie die Deutsche Glasfaser einräumt. In ihrer eigenen Hardware habe eine intensive Überprüfung aber keine Ursache ergeben.

Bürgermeister Sebastian Täger

Auf WN-Anfrage beteuert Gerda Meppelink als Sprecherin der Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser (DG), dass die Leitungen „erheblich ummantelt“ und somit gegen die Attacken der Nager „entsprechend geschützt“ sind. Marder seien jedoch „sehr hartnäckig und könnten widerstandsfähigstes Material zerstören“.

Wohl für mehr Ärger als die bloße Beißattacke haben die Pannen beim Krisenmanagement und die Informationspolitik gesorgt. Denn die Reparatur schleppt sich hin. Das lag aber nicht nur daran, dass die Lösung des Problems nicht allein durch DG-Techniker möglich, sondern eine übergreifende Abstimmung nötig war. Der Fehler im eigenen Team, so Meppelink, bestand darin, dass „ein Stecker nicht korrekt gesteckt worden war“. Was, wie die Deutsche Glasfaser auf Anfrage gesteht, „zu einer weiteren Zeitverzögerung führte“.

Beim Netzausbau war die Welt noch in Ordnung: Peter König präsentierte Leerrohre, die in einem der PoP-Verteiler in Senden zusammenlaufen. Im Betrieb häufen sich aber Klagen. Foto: sff

Kunden monieren aber auch, dass Erreichbarkeit und Informationsfluss unzureichend organisiert gewesen seien. „Es ist einfach nur grausam“, klagt ein Bewohner von Siebestücken, der auch am Montag noch nicht telefonieren konnte. Er sei bei der Deutschen Glasfaser von einer Stelle an die nächste verwiesen worden – Hilfe oder nähere Hinweise zu den Ursachen gab es dabei nicht.

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Mängel bei der Problembewältigung, zumal an einem Wochenende, gibt auch Unternehmenssprecherin Meppelink zu: „Künftig werden wir besser vorbereitet sein“. Eine kulante Entschädigung der Kunden werde „derzeit geprüft“.

Gemeinde Senden reagiert verärgert

Bürgermeister Sebastian Täger ist mit dem Krisenmanagement bei der Deutschen Glasfaser nicht zufrieden. „Hier herrscht ein Riesenfrust“, fasst er die Stimmung im Rathaus und bei den Glasfaser-Nutzern zusammen. Die „Reaktionszeit“ des Unternehmens sei „zu langsam“ gewesen. Täger moniert unter anderem, dass er sich aktiv um nähere Hinweise zur Ursache bemüht habe, um die Sendener via Homepage des Rathauses und der Facebook-Seite der Gemeinde frühzeitig zu informieren – trotz des bestehenden Kontaktes sei aber keine Mitteilung gekommen. Dass nicht nur private Nutzer, sondern auch Mediziner in Bereitschaft und Geschäfte nicht erreichbar waren, sieht die Gemeinde als erhebliches Manko an. Der Verwaltungschef pocht darauf, dass Netz so zu „ertüchtigen“, dass sich ein Ausfall nicht wiederholen und derartige Folgen haben kann.

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