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Pfarre zeigt Flagge für Vielfalt und Toleranz

Der Regenbogen kehrt zurück

Senden

Nach nur zwei Tagen war die Regenbogen-Flagge wieder von der Fassade der Pfarrkirche St. Laurentius verschwunden. Doch sofort, nachdem das Symbol für Vielfalt und Toleranz abgerissen wurde, war klar, dass die Farbenpracht mit Botschaft unübersehbar an die Kirchenmauer zurückkehren sollte.

Dietrich Harhues

Gemeinsam ein Zeichen setzen: Monika Wellermann (Pastoralassistentin), Pfarrer Klemens Schneider, Ute Albrecht und Rosalia Rodrigues (beide Pastoralreferentinnen), Andreas Sydlik (Gemeindeausschuss Senden) und Ulla Büssing-Markert (Pastoralreferentin) unter der Regenbogen-Flagge. Foto: di

Die Regenbogen-Flagge leuchtet bunt, vereinigt die Vielfalt der Farben gleichrangig auf ihrer Fläche. Doch manche sehen angesichts der symbolträchtigen Fahne einfach nur rot. In Senden jedenfalls hing die Botschaft, die zu Toleranz aufruft, nur zwei Tage. Dann wurde sie (wie berichtet) abgerissen und in eine Mülltonne gestopft. Die Motivation – gezielte Attacke gegen ihre Aussage oder beliebiger Vandalismus – bleibt weiterhin ungeklärt. „Wir können beides nicht ausschließen“, fassten Vertreter des Seelsorgeteams der Pfarrgemeinde St. Laurentius am Donnerstag zusammen. Als sie gemeinsam die frisch aufgehängte Flagge Nummer zwei präsentierten.

Denn wenn die Umstände ihres Verschwindens am Abend des 26. März auch im Unklaren verharren, so war sofort klar, dass die Pfarrgemeinde reagieren würde. „Wir konnten das nicht so stehen lassen“, betont Andreas Sydlik, Mitglied des Gemeindeausschusses Senden.

Pastoralreferentin Rosália Rodrigues über die Reaktion auf die Nachricht von der abgerissenen Flagge

Pastoralreferentin Rosália Rodrigues pflichtet bei, dass das Seelsorge-Team – das die Entscheidung, die Flagge aufzuhängen, gemeinsam getroffen hatte – auf das Abreißen des Symbols von der Kirchenmauer betroffen reagiert habe. „Wir waren sehr aufgebracht“, erinnert sich Rodrigues.

Hausmeister Heinz Aundrup befestigte die Regenbogen-Flagge diesmal etwas höher an der Fassade von St. Laurentius. Foto: di

Die bunte Flagge ist eine als Reaktion auf eine Stellungnahme der vatikanischen Glaubenskongregation zu verstehen, wonach homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürfen. Das unübersehbare Zeichen des Protests gegen die Vorgaben aus Rom war in vielen Pfarren, auch im Münsterland, gehisst worden. Dass das symbolische Statement der Solidarität mit schwulen, lesbischen, bisexuellen und transsexuellen Menschen angegriffen und entfernt wurde, sei auch in einzelnen anderen Kirchengemeinden in der Diözese vorgekommen, berichtet Pastoralreferentin Ute Albrecht.

Symbolischen Anspruch mit Leben erfüllen

Mit der Flagge bekennt St. Laurentius Senden nicht nur Farbe. Sondern erfüllt diesen Anspruch auch mit Leben. So seien etwa bei den Segnungsgottesdiensten zum Valentinstag (die in diesem Jahr ausfielen) immer „alle Menschen, die sich lieben, eingeladen gewesen – unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung“, erklärt Pastoralreferentin Ulla Büssing-Markert. Am 10. Mai (Montag) bietet die Laurentius-Gemeinde um 19 Uhr einen Gottesdienst im Bürgerpark an, mit dem die bundesweite Initiative zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare aufgegriffen wird.

Ute Albrecht, die auch als Geistliche Leiterin des KFD-Diözesanverbandes fungiert, ergänzt, dass insbesondere die katholische Frauengemeinschaft das Statement der Vielfalt und Solidarität unterstütze. Es gebe aber auch Vorbehalte gegen diese Haltung, räumt das Seelsorgeteam beim Pressetermin ein. Doch dies sei eine Minderheit, hieß es.

Er habe „sehr viele positive Reaktionen“ erhalten, bekräftigt Pfarrer Klemens Schneider. Und zwar über ganz unterschiedliche Kanäle: von sozialen Medien bis zum persönlichen Gespräch. „Die Aktion hat viele Menschen deutlich berührt“, so Schneider. Zu einem oftmals mit Tabu belegten Thema offiziell als Pfarre und Pfarrer Stellung zu beziehen, sei als Unterstützung und befreiend wahrgenommen worden.

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