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Ausschuss berät Fortsetzung des Klimaschutzkonzeptes

„Die Bevölkerung muss mitziehen“

Senden

213 Seiten umfasst das aktualisierte Klimaschutzkonzept der Gemeinde Senden. Ein wesentlicher Bestandteil des Maßnahmenpaket ist es, die Bevölkerung stärker zu aktivieren. Insbesondere der Bau von privaten Photovoltaikanlagen sowie der Umstieg auf Elektromobilität und ÖPNV stehen hier im Fokus.

Von Ulrich Reismann

Der weitere Ausbau der Sonnenenergienutzung gehört ebenso zu dem von dem Umweltbüro vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog wie Wärme- und Energieeinsparungen bei Wohnhäusern und im Wirtschaftssektor. Auch mit einem verstärkten Umstieg auf Elektroautos oder den ÖPNV ließen sich erhebliche Mengen von schädlichen Treibhausgasen vermeiden. Foto: Marlies Grüter

Die Diskussion um die Treibhausgase und insbesondere um deren Reduzierung – sie wird von den Sendener Kommunalpolitikern weiter vorangetrieben. Der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Fortschreibung und Aktualisierung des aus dem Jahre 2012 stammenden Klimaschutzkonzeptes. Andreas Hübner, Leiter des Planungsbüros Gertec aus Essen, stellte das Gesamtkonzept vor. „Rein Technisch ist es möglich, bis zu 95 Prozent der CO2-Emmissionen zu vermeiden“ stellte er fest, „aber wir scheitern schlichtweg an der Umsetzbarkeit“. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Josef Schulze Mönking (CDU) kommentierte das 213-seitige Papier: „Das Allerwichtigste ist jetzt, dass die Bevölkerung mitzieht. Denn Klimaschutz kann auch Einschränkungen bedeuten“.

Anreize für private Haushalte schaffen

„Im direkten Zugriffsbereich“ der Politik liegt nur ein verschwindend geringer Teil, nämlich die kommunalen Liegenschaften. Auf sie entfallen lediglich zwei Prozent der Emissionen. Neben dem Verkehr sind es die privaten Haushalte, welche den größten CO2 -Ausstoß verursachen, worauf Wolfgang Dropmann (Grüne) hinwies. Vor diesem Hintergrund müssten Mitmenschen „angestoßen, unterstützt und beraten werden“, so führte es der Gertec-Geschäftsführer aus. Und die große Herausforderung dabei ist: „Wie erzeugt man Motivation?“ Indirekten Einflussmöglichkeiten in Form von Beratungsangeboten für die Bevölkerung und der Schaffung von (finanziellen) Anreizen komme eine große Bedeutung zu, erklärte der Referent weiter. Dieser Punkt wurde von Dropmann mit Verweis auf die immense Inanspruchnahme der Photovoltaik-Förderung der Gemeinde aufgegriffen. „Mit ein bisschen Geld und wenig Personalaufwand ist da eine Menge passiert“. Das sei ein Paradebeispiel für dezentrale Energieversorgung gewesen, für die keine teuren Stromtrassen und „keine riesengroßen Netze gebraucht werden“.

350 Pkw pro Jahr „stilllegen“

Grundsätzliches Lob an dem Papier kam von Roland Wieging (CDU): „Wir haben etwas Substanzielles vorgelegt bekommen“. Als „Riesenstellschrauben“ bezeichnete er an erster Stelle die Windkraft, gefolgt von Photovoltaik. Zu dieser Einschätzung des Politikers nahm Gertec-Geschäftsführer Hübner wie folgt Stellung: „Die Windkraft hat in dem Maßnahmenkatalog zwar eine hohe Bedeutung“ - sie sei aber „nicht die Lösung aller Probleme“. Vielmehr sei es erforderlich, „auch all die anderen Handlungsfelder fest im Blick zu behalten“. Die da lauten:

Weiterer Ausbau der Sonnenenergienutzung auf Wohngebäuden und im Wirtschaftssektor.

Wärme- und Energieeinsparungen bei Wohngebäuden und im Wirtschaftssektor.

„Stilllegung“ von 350 Pkw (Benziner und Diesel) auf Gemeindegebiet im Jahr (2,75 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge) und Ersatz durch Elektroautos oder Umstieg auf ÖPNV.

Bis 2030 sollen auf diese Weise die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent (bezogen auf das Bilanzjahr 2018) gemindert werden, so lautet das Ziel. Hierbei wird davon ausgegangen, dass sich von dem von technischer Seite her eigentlich möglichen Potenzial nur ein Viertel in der Praxis auch tatsächlich umsetzen lässt.

Das komplette Klimaschutzkonzept ist auf der Homepage der Gemeinde Senden im Ratsinfosystem einsehbar. Im Ausschuss gab es jetzt eine erste Vorberatung, ein Beschluss soll im Dezember durch den Gemeinderat gefasst werden.

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