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Florian Schröders wagt „Neustart“

Die Welt verrückt, um nicht verrückt zu werden

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Als Kabarettist, Comedian und Schauspieler brillierte Florian Schröder am Freitagabend in der Steverhalle. Zur Überraschung des Publikums gab er seinen Rücktritt von der Bühne bekannt, um sich als Kanzlerkandidat zu präsentieren.

Ulla Wolanewitz

Als Kanzlerkandidat seiner fiktiven Partei „Neustart“ präsentierte sich Florian Schröder als „Chirurg“ der Demokratie“ Foto: Ulla Wolanewitz

„Der Messias wird erst kommen, wenn er nicht mehr nötig sein wird“: Noch bevor Florian Schröder die Bühne der Steverhalle betrat, stimmte er seinen Publikum – via Leinwand-Projektion – mit einem Kafka-Zitat ein. „Ich bin ihre Ein-Mann-Lichterkette in der Krise“, versprach der Kabarettist, der in seinem Programm „Neustart“ reichlich „Erlösungsvorschläge“ präsentierte und selbst dem Verzicht auf eine Pause etwas Positives abgewinnen konnte: „Da infizieren Sie sich sowieso nur mit anderen Meinungen.“

Gehirnzellen in Wallung gebracht

Keine Frage: Wenn Schröder durchstartet, kommen die grauen Gehirnzellen heftig Wallungen. Da ist flottes Mitdenken angesagt, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Schließlich bietet der Triathlet – „Kabarettist, Comedian und Schauspieler“ – erstklassiger Unterhaltung keine leichte Kost. In recht sportlichem Tempo nahm der Berliner seine Gäste mit auf einen Spaß-Marathon, führte sie dabei durch sämtliche Wogen und Wellen, die die aktuelle Politik und gesellschaftliche Strömungen gerade bieten. So ganz unvermittelt hielt er seinen Gästen dabei zwischendurch auch mal den Spiegel vor. Er selbst bekannte sich als Wähler der Grünen, denn „zwei Stimmen für die Grünen ist ein CO2-Ausgleich auf vier Jahre“ und persiflierte weiter, dass er dreimal im Jahr nach Malle fliege, um dort in einer Finca im Naturschutzgebiet runter kommen zu können. „Ich habe auch kein schlechtes Gewissen, schließlich fährt dahin ja kein Zug“, kalauerte er ironisch.

Bratwürste und Schokolade hielt er als Anreiz zur Impfung für keine gute Idee, anders als der Einsatz von Ritter-Sport gegen die Pegida: „Da hätte man sagen können: Zack, die ist brauner als du und ab nach Hause!“

Chirurg der Demokratie

Und dann plötzlich? Kündigte er – nach 15 Jahren – seinen Rücktritt an: „Kabarett ist der evangelische Kirchentag der Unterhaltungsindustrie. Ich möchte künftig zu denen predigen, die bekehrt werden müssen.“ Seine neue Partei heiße „Neustart“ und beinhalte alle nur erdenklichen heilsbringenden Komponenten für Gesundheit, Umwelt, Bildung und sowieso alles andere. Dabei verkaufte er sich erstklassig als „Chirurg der Demokratie“ und skizzierte dabei exzellent den legalen Weg in die Diktatur, hin zur Volksrepublik Deutschland: „Dafür braucht es nicht viel. Lediglich so Opportunisten wie mich und ein Publikum wie sie“.

Genial auch seine Version der Markus-Lanz-Show bei der er nicht nur den Moderator vom Feinsten imitierte, sondern ebenso die Gäste Söder, Lauterbach und Merkel. Letztere ließ er sagen: „Wenn ich Merz höre, denke ich, dass sie mich alle noch einmal in einem Maß vermissen werden, das sie nie für möglich gehalten haben!“

Als Zugabe lieferte Schröder spontan auf Zuruf ein Bündel an Stimm-Parodien zu Helmut Schmidt, Strauß, Steinbrück, Schwarzer und Baerbock, bevor er sich gänzlich augenzwinkernd verabschiedete mit den Worten: „Die Welt muss immer wieder etwas verrückt werden, um nicht an ihr verrückt zu werden!“ 

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