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Namen der Opfer in Kriegen

Ehrenmal bringt Schicksale näher

Senden

150 Jahre liegt der Deutsch-Französische Krieg zurück, in dem auch Söhne der Gemeinde ihr Leben gelassen haben. Das das von Wilhelm Haverkamp geschaffene Ehrenmal erinnert an deren Schicksale. Bürger verhinderten im Zweiten Weltkrieg, dass das bronzene Denkmal eingeschmolzen wird.

Von Dirk Ziesing

Statuen des Erzengels Michael, wie die in Senden geschaffene Arbeit des Bildhauer Wilhelm Haverkamp,sind relativ selten. Foto: Lütkemann

Vor 150 Jahren fand der Deutsch-Französische Krieg statt. Er dauerte von August 1870 bis Januar 1871. Während dieser Zeit löste sich das zweite französische Kaiserreich auf, und das Deutsche Reich entstand. Denkmäler für die Opfer des Krieges sind deutschlandweit noch häufig zu finden. Oftmals handelt es sich dabei um Steinsockel mit Inschriften und darauf stehenden Obelisken oder Statuen der siegreichen Germania. Monumentale, aus Bronze gegossene Statuen des Erzengels Michael, dem Schutzpatron der Soldaten, sind dagegen eine Seltenheit.

Das 1909 von dem gebürtigen Sendener Bildhauer Wilhelm Haverkamp (1864 – 1929) für seinen Heimatort geschaffene Denkmal existiert noch dank des Einsatzes der Bürger, die verhinderten, dass die Figur im Zweiten Weltkrieg als Metallspende diente. Der ebenfalls von Haverkamp stammende Erzengel in Lüdinghausen wurde dagegen 1945 eingeschmolzen.

Das Denkmal trägt auf einer Sockelfläche die Namen von fünf Söhnen des Ortes, die den Kriegen des 19. Jahrhunderts zum Opfer fielen, drei davon dem Deutsch-Französischen. Anton Dange, der 1844 in Senden geborene Sohn des Schusters Johann Heinrich Dange und der Maria Catharina Temme, gehörte zum Niederrheinischen Füsilier-Regiment, Regiment Nr. 39 innerhalb der preußischen Armee. Er wurde nach den Kämpfen bei Saarbrücken am 6. August 1870 zunächst vermisst. Dann stellte sich heraus, dass man ihn aufgrund einer Verwundung nach Boppard am Rhein in ein Lazarett gebracht hatte. Er kehrte in die Heimat zurück, starb dort aber am 11. Juni 1872 an der Schwindsucht. Die Familie verlor damit den zweiten Sohn, denn der 1842 geborene Georg Henrich war 1866 im Preußisch-Österreichischen Krieg Gefreiter im 6. Rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 68 und starb am 23. August 1866 in Pardubice in Böhmen an einer unbekannten Krankheit. Auch seinen Namen findet man auf dem Denkmal.

Johann Bernard Schwienhorst, geboren 1841, ein Sohn des Tagelöhners Johann Theodor Schwienhorst und der Elisabeth Schäfer, fiel als Soldat des 7. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 56 in der Schlacht bei Mars-la-Tour am 16. August 1870.

Bernard Wilhelm Gehltomholt wurde 1843 als Sohn des Bauern Wilhelm Anton Gehltomholt und dessen Ehefrau Bernardina Froning geboren. Er war 1870 Grenadier im 4. Garde-Grenadier-Regiment, das man nach der preußischen Königin und späteren Kaiserin Augusta benannt hatte. Gehltomholt infizierte sich mit Typhus und kam in Krefeld in ein Lazarett. Dort starb er am 21. September 1870 und wurde zwei Tage später bestattet. So geht es aus einer Eintragung im Kirchenbuch der Gemeinde St. Laurentius in Senden hervor.

Das Ehrenmal ist darüber hinaus auch einem Opfer der Befreiungskriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewidmet. Johann Bernard Ewald genannt Grothues, geboren 1795 in Senden als Sohn eines Ackersmanns, war Soldat im 4. Westfälischen (Münsterländer) Landwehr-Infanterie-Regiment. Er fiel bei Ligny, im heutigen Belgien, am 16. Juni 1815, zwei Tage vor der berühmten Schlacht bei Waterloo, die das Ende der napoleonischen Herrschaft bedeutete.

1958 ergänzte man außerdem eine Umfassungsmauer mit 16 Tafeln, welche die Namen der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege tragen. Zum Deutsch-Französischen Krieg ist noch zu ergänzen, dass die Schicksale vieler verwundeter Kriegsteilnehmer, die überlebten, ebenfalls dokumentiert sind. Namen wie Aertken, Brüning, Gosselmann, Mengelkamp und Schlinge gibt es heute noch in Senden.

Der Autor, Dirk Ziesing, ist promovierter Ingenieur, befasst sich aber schon seit vielen Jahren mit geschichtlichen Themen, speziell der Militärgeschichte in Westfalen. Dabei spannt sich der Bogen von der napoleonischen Zeit über die Befreiungskriege hin zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Neben zahlreichen anderen Veröffentlichungen ist eine Buchreihe über die westfälischen Landwehr-Regimenter im Kampf gegen Napoleon I. hervorzuheben. Der vierte Band enthält mehrere hundert Einzelschicksale aus vielen Orten des Münsterlandes, quer durch alle Bevölkerungsschichten: Das Münsterländer Landwehr-Infanterie-Regiment (4. Westfälisches) in den Befreiungskriegen 1813-1815, agenda Verlag, ISBN: 973-3-89688-639-2.

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