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Jubiläumsschützenfest des Junggesellenvereins

Entschlossenheit wird belohnt

Ottmarsbocholt

Gespürt war es wohl die komplette Rückkehr zur Normalität: Der Junggesellenverein Ottmarsbocholt feierte sein Jubiläumsschützenfest, zu dem das ganze Dorf und viele befreundete Vereine eingeladen worden waren. Geboten wurde Traditionspflege und echte Party.

Von Ulrich Reismann

Welch prächtiges Bild: Gastgeber und die befreundeten Vereine versammeln sich auf dem Kirchplatz. Foto: ure

„Mensch, sei helle – und bleibe Junggeselle“. Was war das für eine Begeisterung, mit der das Geburtstagskind am Wochenende – nach langer Corona-Abstinenz – endlich wieder seine Vereinshymne schmettern konnte! Jener Dauerbrenner, welcher die Freiheit ohne Bindung preist. Doch ungeachtet dieses Leitspruchs hatte sich Christopher Schulze vor zwei Wochen vom Junggesellendasein verabschiedet und war in den Hafen der Ehe eingelaufen.

Dieses ist in Bezug auf das Kaiserschießen deshalb von Bedeutung, weil der Kaisertitel nun in der Familie bleibt. Denn jene Weiblichkeit, mit der der 31-Jährige vor den Traualtar trat, war Anne Bertling, Tochter des bisherigen Kaisers Rudi Bertling. Dass der Schwiegersohn nun sein Nachfolger wurde, das gefiel dem abdankenden Monarchen natürlich nicht schlecht.

Fünfzehn ehemalige Könige des Junggesellenvereins hatten sich am Freitagabend zum Auftakt der 225-jährigen Jubiläumsfeierlichkeiten an der Vogelstange startklar gemacht, Senior unter ihnen war Franz-Josef Vorspohl. Der 82-Jährige hatte 1962 – also vor 59 Jahren – den Vogel von der Stange geholt. Hier und jetzt beteiligte er sich zunächst auch noch aktiv an dem Wettstreit und holte sich dabei mit dem 44. Schuss das Zepter. Fünf Minuten später gelang Manfred Tippkötter (König von 1987) der Apfel-Treffer, während die Krone nach einer weiteren halben Stunde an Andreas Trahe (König 2004) ging. Als nach zwei Schießpausen schließlich zum Endspurt angesetzt wurde, da waren es nur noch drei Schützen, die den von Klaus Wulfing gebauten Vogel ins Visier nahmen: Franz-Gerhard Kock (König 1992), Thimo Vennemann (2016) und eben jener Christopher Schulze, der 2018 König wurde und aufgrund von Corona noch immer amtiert. Wer von den Aspiranten das Rennen machen würde, das erwies sich als reines Lotteriespiel. So war es letztendlich der Zufall, welcher um 20.34 Uhr bei dem 232. Schuss die Entscheidung für den Kaiser brachte, der als Lagerist bei einem namhaften Farbenhersteller arbeitet. Seine helle Freude daran dürfte oben im Himmel auch Opa Werner Schulze gehabt haben, der vor 53 Jahren Ottmarsbocholter Schützenkönig gewesen ist. Zur Kaiserin erkor sich dessen Enkel nun Ehefrau Anne, den Hofstaat bilden Kristin Eckholt und Maximilian Hibbe, Jana und Michael Schulze Langenhorst, Melanie und Oliver Bertling sowie Katrin Czyka und Christopher Möllers.

„Endlich wieder Schützenfest!“, das war der Leitspruch. So, wie es auch ein Banner am Eingang zum Zeltplatz zum Ausdruck brachte. Eine Parole, die allen Mitfeiernden aus der Seele sprechen dürfte, wie Bürgermeister Sebastian Täger in seiner Ansprache am Samstagnachmittag anmerkte. Mit Mut und Entschlossenheit habe der Vorstand mit Sebastian Schemmer vorne an ein Ziel verfolgt: „Dass dieses Fest der Startschuss sein möge zurück in eine Zeit ohne große Einschränkungen und Verzicht“. Wie sehr sich die Menschen danach sehnen, zeigte der abendliche Kaiserball: Es gab kein Halten mehr – alle waren außer Rand und Band…

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