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800 Gäste erleben grandiosen Urban Priol in der Steverhalle

Erstklassiger politische Satire-Marathon

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Einen wahren Kabarettmarathon der Extraklasse mit Urban Priol erlebten am Sonntagabend rund 800 Gäste in der Steverhalle. Der Augsburger in witzigem Fisch-Print-Oberhemd und wilder Siegerkranz-Frisur, war besten „im Fluss“ (so der Name seines Programms) und wusste sämtliche Krisen durch zu deklinieren.

Auch gestisch und mimisch präsentierte sich Urban Priol höchst engagiert. Foto: Ulla Wollanewitz

Was könnte das Kabarettistenherz besser auf Touren bringen als ein Saal mit 800 gespannten Gästen, die ihren Bühnenstar mit großem Applaus empfangen? „Dieses Geräusch ist herrlich. Das ist das Brot des Künstlers“, freute sich Urban Priol am Sonntagabend über die voll besetzte Steverhalle in der sein Programm „Im Fluss“ präsentierte.

Keine Frage, der Augsburger im witzigen Fisch-Print-Oberhemd und wilder Siegerkranz-Frisur, war besten im Fluss und wusste sämtliche Krisen durch zu deklinieren: Banken, Euro, Flüchtlinge, Klima, Corona, Ukraine, Energie, Halbleiter. Priol lieferte einen erstklassigen, kurzweiligen politischen Kabarettmarathon. Denn nach der hochakuten Corona-Phase genießen – so scheint es - die Künstler jede Minute der Bühnenpräsenz und lassen ihr Publikum nur ungern wieder ziehen. Daher hatte die erste Halbzeit auch gleich satte 90 Minuten. Nach der Pause ging es – in bester Betriebstemperatur – eine Stunde, locker, flockig und heiter weiter.

Wie Popeye durch die Welt

„Da heißt es immer: Wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen“, amüsierte er sich über halbgare Politiker-Weisheiten. „Wenn das wahr wäre, müssten wir alle wie Popeye durch die Welt spazieren. Und dann? Wird plötzlich der Spinat rar.“ Klar, dass er die zur Krise gehörigen, überall aufpoppenden Experten in den Fokus zunehmen wusste: „Kaum hat einer in der Eisdiele zum ersten Mal ein Zitronensorbet verkonsumiert, ist er schon Experte für Polarforschung.“ Und überhaupt klinge Roderich Kiesewetter (einst Präsident des Reservistenverbandes) fast so wie Attila, der Hunnenkönig. Sicher war er sich, dass „das Virus im Moment ruht. Es sammelt Kraft für die sechs Millionen Besucher aus aller Welt, die da kommen, wenn es heißt „O zapft is…“.

Kesseltreiben gegen die Ampel

Klar, selbstgefällige Gesellen wie Lindner, Söder und Altmaier bekamen ihr Fett weg. Und Scholz? Der lasse sich halt schlecht parodieren, da müsse jemand schon gut sein in Pantomime. Ansonsten rechnete er mehr mit den Angst und schlechte Stimmung machenden Medien ab. Allen voran, die „Bildzeitung“ in die „kein anständiger Fisch auf dem Fischmarkt eingewickelt werden möchte.“ Das Kesseltreiben gegen die Ampel gehe ihm auf die Lenden. „Da bin ich vogue, da bin ich save“, versuchte er sich im Gendering. Tja, im Moment sei es eben Harbeck, der durch die Arena getrieben werde, weil er sich mit Selbstzweifeln präsentierte. Priol ironisch: „Ja, wo kommen wir denn damit hin? Politiker haben mit sicherem Auftreten zu trumpfen, auch bei gleichzeitiger Ahnungslosigkeit!“. Dem allseits verbreiteten Meckern auf „die da oben“ hielt er entgegen: „Das sind doch auch welche von uns hier unten. Wir sind deren Aufsichtsrat. Nur viele haben vergessen, diese Aufgabe wahrzunehmen.

Der Applaus, inklusive zustimmendem Fußtrappeln und Pfeifen, für 150 Minuten bester politischer Satire und Unterhaltung fiel dann auch entsprechend großzügig aus. Gegen 22 Uhr verabschiedete sich der Unterfranke mit einem Zitat des Schweizer Schriftstellers Kurt Marti: Wo kämen wir denn hin, wenn alle nur fragen würden: Wo kämen wir denn hin? Und keiner ginge los, um zu schauen, wohin wir dann kämen, wenn wir denn gingen? In diesem Sinne – kommen Sie gut nach Hause.“

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