1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Senden
  6. >
  7. Flagge von Kirchenmauer gerissen

  8. >

Symbolträchtiger Regenbogen an St.-Laurentius-Kirche

Flagge von Kirchenmauer gerissen

Senden

Mit der Regenbogen-Flagge wollte die Pfarrgemeinde St. Laurentius ein deutliches Zeichen des Protestes gegen eine Anordnung aus dem Vatikan setzen und für Vielfalt in Partnerschaften und Lebensformen werben. Die symbolträchtige Fahne ist nach wenigen Tagen schon wieder von den Mauern des Gotteshauses verschwunden.

Dietrich Harhues

Regenbogen als Zeichen der Vielfalt: Pfarrer Klemens Schneider ließ die Flagge beim Freiluftgottesdienst im Bürgerpark in den Altarraum hängen. Foto: di

Die Pfarrgemeinde St. Laurentius hat ein Zeichen gesetzt – ein buntes und ein sichtbares: Mit einer Regenbogenflagge, die am Donnerstag von Pfarrer Klemens Schneider vorgestellt wurde, beziehen er persönlich und die Sendener Kirchengemeinde mit allen Ortsteilen eine klare Position: Sie lautet „alle Menschen gleich wertschätzen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung“. Die Flagge ist als Reaktion auf eine Stellungnahme der vatikanischen Glaubenskongregation zu verstehen, wonach homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürfen. Das symbolische Statement der Solidarität mit schwulen, lesbischen, bisexuellen und transsexuellen Menschen ist aber schon wieder von den Mauern der Pfarrkirche verschwunden.

Seelsorge-Team reagiert mit „großem Unverständnis“

Am Samstagmorgen hatte Pfarrer Klemens Schneider seine Kollegen im Seelsorge-Team darüber informiert, dass die Regenbogen-Fahne heruntergerissen und beschädigt worden sei. Im Team ist dieser Akt des Vandalismus mit „großem Unverständnis aufgenommen worden“, heißt es in einer ersten Stellungnahme. Dass die Fahne einfach vom Wind weggeweht worden sein könnte, „können wir eindeutig ausschließen“, betonte die Kirchengemeinde. Denn der Stoff sei mit sechs Metallösen fest in der Kirchenfassade verankert gewesen, die Ösen seien gewaltsam rausgerissen worden.

Am Sonntag äußerte Schneider, es gebe Hinweise, dass die Fahne von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen am Freitagabend von der Kirchenfassade gewaltsam entfernt und danach in eine Mülltonne geworfen worden sei. Dass sich die Zerstörungswut auch gegen die inhaltliche Botschaft der Flagge gerichtet hat, hält Pfarrer Klemens Schneider allerdings für unwahrscheinlich. Im Palmsonntag-Freiluftgottesdienst schilderte er am Sonntag den Vorfall und kündigte an, einen neuen Regenbogen an St. Laurentius befestigen zu lassen – was die Gäste des gut besuchten Gottesdienstes im Bürgerpark mit Applaus beantworteten.

Die Regenbogen-Flagge, die an der St. Laurentius-Kirche befestigt worden war, ist nach wenigen Tagen schon wieder verschwunden. Foto: di

Mit der Flagge hatte die Pfarrgemeinde gezeigt, dass sie strikte Anweisung aus Rom nicht nur nicht akzeptiert, sondern erkennbar dagegen protestiert – wie viele andere Pfarren im Münsterland und ganz Deutschland auch. „In unserer Kirchengemeinde werden auch gleichgeschlechtliche Paare gesegnet. Das gilt schon seit Jahren. Mit der Fahne wollen wir unserer Haltung Ausdruck verleihen, dass wir alle Menschen gleich wertschätzen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung“, hatte Pfarrer Klemens Schneider am Donnerstag gegenüber der Presse betont.

Pfarrer erhält für Haltung viel Unterstützung

Diese Haltung hat ihm und dem ganzen Pfarr-Team eine enorme Zustimmung und Unterstützung verschafft. Auf persönlichem Wege und per E-Mail habe er viele ermunternde und dankbare Reaktionen erhalten, berichtet Schneider den WN. Auch Personen, die der Kirche als Institution eher distanziert gegenüber stünden, hätten sich positiv geäußert. Außerdem hätten ihm Menschen aus der Pfarrgemeinde von der eigenen Betroffenheit aus ihrem familiären Umfeld berichtet – und die Erleichterung darüber bekundet, wie die Pfarrgemeinde St. Laurentius mit diesem Thema umgehe. Es sei, als habe sich teils eine Blockade gelöst, beschreibt Schneider.

Die Haltung gegenüber dem Vatikan hat auch erheblichen Widerhall in sozialen Medien gefunden: Bis Sonntagmorgen waren 300 Likes und zahllose Kommentare auf zwei Posts zu der symbolträchtigen Initiative von St. Laurentius in der größten Sendener Facebook-Gruppe zu verzeichnen. Darunter auch von Bürgermeister Sebastian Täger und aus dem Kreis der Kommunalpolitiker.

Haltung von Pfarrer Schneider wird in Sozialen Medien unterstützt

Was bei den Reaktion in sozialen Netzwerken auffällt, ist, dass auch Menschen, die der Kirche wohl reservierter gegenüberstanden, ihren Respekt, ja oftmals Begeisterung für die Aktion bekundet haben. Deutliches und typisches Beispiel: „Ich bin stolz, Teil dieser Gemeinde zu sein! Danke für Ihr Zeichen, Herr Schneider!“, heißt es in einem Kommentar in der „Du bist Sendener, wenn“-Gruppe, in der bisher noch kaum ein Thema eine ähnlich hohe Anzahl von Reaktionen ausgelöst hat. Dieselbe Frau schreibt aber auch, dass sie es traurig findet, dass es heutzutage Mut verlange, für christliche Werte einzustehen.

Die neue Flagge an St. Laurentius soll höher aufgehängt werden. Damit wäre der Regenbogen schwerer anzugreifen – und noch besser zu erkennen.

Startseite
ANZEIGE