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Kreuzbund in Senden unter neuer Leitung

Gemeinsam die Sucht bezwingen

Senden

Ob Abhängigkeit von Alkohol oder Tabletten,die Sucht nach dem Kick beim Glücksspiel oder das Kleben vor dem Internet: Die Kreuzbund-Gruppe Senden, die unter neuer Leitung steht, begleitet Menschen mit allen Formen der Abhängigkeit. Auch die Angehörigen sind willkommen.

Dietrich Harhues

Stabwechsel: Als neuer Gruppenleiter übernimmt Guido Eiker die Kreuzbundgruppe Senden von Anton Hülsbusch (r.). Als Stellvertreterin fungiert Verena Krotoszynski. Für den ehrenamtlichen Einsatz dankt Pfarrer Klemens Schneider (l.). Foto: di

Die perfekte Idylle – sie trügt: Im lauschigen Garten des Pfarrhauses sitzen vier Personen am Tisch, genießen die Unterhaltung, den Schatten, das Mineralwasser – ihr Leben. Was kein flüchtiger Beobachter ahnt: Bei drei von ihnen ist das keineswegs selbstverständlich. Denn ihre Existenz stand an der Kippe, jetzt stehen sie wieder fest auf dem Boden. Mit neuem Halt und neuer Haltung: Ihre eigene Sucht-Geschichte haben sie überwunden und helfen jetzt anderen dabei, ebenfalls eine Abhängigkeit von Alkohol oder anderen Drogen zu beherrschen.

Dank für ehrenamtlichen Einsatz

Pfarrer Klemens Schneider zollt diesem Einsatz besondere Anerkennung: Er dankte für den ehrenamtlichen Einsatz des Kreuzbund-Teams und besonders für die Gründungsarbeit in Senden, die Anton Hülschbusch geleistet hat. „Alle Achtung vor diesem Mann!“, betonte Pfarrer Schneider.

Was Hülschbusch, sein Nachfolger als Leiter der Kreuzbundgruppe in Senden, Guido Eiker, und dessen Stellvertreterin, Verena Krotoszynski, gemeinsam haben, ist, was auf den Plakaten „Erfahrungen aus erster Hand“ heißt. Sie gehen, nicht nur innerhalb der Gruppe, offen mit ihrer „Karriere“ um. „Das ist ein Teil von mir, der auch dazu gehört“, unterstreicht Krotoszynski.

Eiker, ein „trockener“ Alkoholiker, schloss sich vor sieben Jahren dem Kreuzbund an, erlitt gleichwohl vor vier Jahren einen Rückfall. Er weiß deshalb, dass auch für ihn als Leiter Frustrationen und Rückschläge dazu gehören. Das Prinzip der Selbsthilfegruppe steuere der Sucht trotzdem wirksam entgegen: durch das gegenseitige Stabilisieren. Das bestätigt Krotoszynski aus eigener Erfahrung: „Eine Selbsthilfegruppe ist eine starke Unterstützung auf dem Weg der Genesung.“

Guido Eiker über die Voraussetzung für einen Ausweg aus der Sucht

Damit der Weg in ein suchtfreies Leben funktioniert, ist das Wichtigste jedoch erst einmal die Selbsteinsicht. „Das Eingeständnis ist der schwerste Schritt“, hieß es vor der Presse. Alleine aus dem Teufelskreis einer Sucht herauszukommen ist enorm schwer. Daher ist Unterstützung wichtig. „Vor allem die stationäre Langzeittherapie 2015 nach dem Entzug war für mich eine sehr wichtige Zeit, in der ich viel über mich gelernt habe“, resümiert die 35-Jährige. Sie habe sich direkt im Anschluss eine Selbsthilfegruppe gesucht und sei seitdem rückfallfrei „trocken“.

In den Gruppentreffen sind aber nicht nur an einer Sucht Erkrankte, sondern auch Angehörige willkommen. „Ich weiß heute erst, was ich meiner Familie angetan habe“, gesteht Eiker. Die Sucht habe einen anderen Menschen aus ihm gemacht. Und das Suchtmittel ging über alles – „auch über Ehefrau und Kinder“, bedauert der 52-Jährige.

Corona-Pause erhöhte Rückfall-Risiko

Für das Kreuzbund-Team in Senden ist es wichtig, dass die Treffen wieder stattfinden können. Denn die Corona-bedingte Unterbrechung könnte dazu geführt haben, dass die Zahl der Rückfälle gestiegen ist.

Als Gruppenleiter hat Eiker zwar Seminare durchlaufen, um sich vorzubereiten. Doch vor allem gilt: Das Einfühlen und die eigene Erfahrung sind entscheidend: „Wir sprechen hier alle auf Augenhöhe miteinander.“

Der Kreuzbund – Deutschlands mitgliederstärkste Sucht-Selbsthilfeverband – ist offen für alle Suchtarten: von Alkohol, Drogen oder Medikamenten bis zu stoffungebundenen Suchtarten wie Glücksspiel oder Mediensucht. Die Treffen finden mittwochs von 19.30 bis 21 Uhr im Pfarrheim St. Laurentius statt. Anmeldung vor Erstbesuch und Infos bei Guido Eiker,  0151/ 20 79 48 84, info@kreuzbund-­senden.de; Anton Hülsbusch, der weiterhin eine Gruppe in Lüdinghausen betreut, ist unter  0 25 98/92 99 081 erreichbar. Eine Online-Selbsthilfegruppe wird unter www.kreuzbund.de/chat angeboten..

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