1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Senden
  6. >
  7. Gerade jetzt wäre Singen in Gemeinschaft so wichtig

  8. >

Chöre verzichten auf Proben und Gemeinschaftsleben

Gerade jetzt wäre Singen in Gemeinschaft so wichtig

Senden

Die Mitglieder der Sendener Chöre leiden unter Entzugserscheinungen. Denn wegen der Corona-Zwangspause entfallen Proben und Konzerten sowie das gesellige Miteinander komplett. Und dabei wäre das gemeinschaftliche Singen eigentlich eine gute Medizin gegen soziale Distanz und Sorge um die Gesundheit.

Dietrich Harhues

Der Chor VielStimmig wäre auch in diesem Jahr wieder in Münster bei der „Grünflächenunterhaltung“ mit von der Partie gewesen. Und der Kirchenchor St. Laurentius hätte gerne das Osterfest musikalisch mitgestaltet. Foto: privat

Unter der Dusche ist es einsam. Für Chormitglieder bieten deshalb das Trällern im Bad, das Gesumme im Garten oder Singen beim Schnibbeln nur einen faden Ersatz. Wer seine Stimme einem Ensemble leiht, der muss in Corona-Zeiten ziemlich darben – hat eine WN-Stichprobe bei drei musikalischen Akteuren in Senden bestätigt.

Bernd Gövert, zweiter Vorsitzender der Sendener Chorgemeinschaft, zählt zum Sänger-Urgestein. Seit 51 Jahren gehört er dem MGV Cäcilia Bösensell an, über drei Jahrzehnte singen seine Frau Renate und er bei der „Sendener Chorgemeinschaft“. An eine so lange Zwangspause wie jetzt kann sich Gövert nicht erinnern. Und für „sein“ Ensemble kommt es besonders „dicke“. Denn die Sendener Chorgemeinschaft hatte gerade zahlreiche neue Stimmen für einen Projektchor gewonnen, der beim Konzert am 28. März sein Können zeigen sollte – mit einem Repertoire von Phantom der Oper bis Udo Jürgens. Der Auftritt wird verschoben. Denn weder auf einen Zuschuss für die Vereinskasse noch auf den Ansporn durch das Betreten der Bühne wollen die Sängerinnen und Sänger verzichten. „Wenn man kein Ziel hat, macht es keinen Spaß“, so Gövert. Der auch gesteht: „Der Applaus geht runter wie Öl.“

Der Kirchenchor St. Laurentius muss ebenfalls darauf verzichten, Präsenz zu zeigen: Ostern sollte er in der Pfarrkirche St. Laurentius die Orgelsolomesse von Mozart (KV 259) singen. Die gemeinsamen Proben und das Konzert – „das fehlt auf jeden Fall“, betont Werner Sechelmann, langjähriger Vorsitzender und jetzt Schriftführer des Kirchenchores. Der trifft sich eigentlich jeden Montag zum Proben. Statt dessen erhalten die 54 Chormitglieder von Chorleiterin Uta-Maria Gennert-Stöcker eine Mail. Nicht nur um den Kontakt zu halten, sondern auch um Hinweise zu geben oder an diese zu erinnern, wie die stimmliche und körperliche Fitness über die Abstinenz-Phase bewahrt werden kann. Die Tipps reichen von Gymnastik bis zu Stimmübungen – ein Training, das Sechelmann einmal pro Woche auf der Agenda hat. Doch auch das Gemeinschaftsgefühl werde gepflegt, unterstreicht er einen Aspekt, der allen Chören ein Herzensanliegen ist. Zum Mutmachen in Corona-Zeiten hat Sechelmann beispielsweise ein Gedicht in den Verteiler gestellt.

Der Teamgeist wird auch bei „StimmEcht“ groß geschrieben. „Wir sind eine Gemeinschaft – und passen aufeinander auf“, unterstreicht Chorleiterin Andrea Paschke. Sie rührt in vielen musikalischen und Töpfen des ehrenamtlichen Engagements. Aufs gemeinsame Singen kann sie nur schwer verzichten: „Ich habe schon Entzugserscheinungen.“ Bei aller Technik-Affinität – Ersatz für das kollektive und Gemeinschaft-stiftende Proben und Auftreten biete kein Tool im Internet-Zeitalter, fasst Paschke ihre Erfahrungen zusammen. Sobald die Auflagen gelockert werden, könne sie sich vorstellen, die Proben wieder aufzunehmen – und sei es im Bürgerpark mit großzügigem Abstand zwischen den Akteuren. Dass beim Singen – Stichwort fliegende Tröpfchen – Vorsicht walten sollte, kann die Chorleiterin aber – ebenso wie ihre Kollegen der anderen Ensembles nachvollziehen: „Wir haben auch eine Fürsorgepflicht für unsere Mitglieder.“ Allerdings, so Paschke, wäre gerade in Zeiten von sozialer Distanz sowie Sorgen um Gesundheit und Wohlstand gemeinsames Singen die richtige Medizin. Nach dem Motto: Nie war eine Gemeinschaft von Sängerinnen und Sängern so wichtig wie heute.

Startseite