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Wirtschaftsförderung bekommt selbst in Krisenzeiten viele Anfragen

Gewerbeflächen weiterhin begehrt

Senden

Die Gewerbesteuer zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen der Gemeinde, die ihre Wirtschaftsförderung schon vor Jahren intensiviert hat. Krisen und die ungewisse konjunkturelle Entwicklung ändern nichts daran, dass die Nachfrage nach Gewerbeflächen weiterhin hoch ist.

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Der Wandel im Brocker Feld und auf der gegenüberliegenden Seite der B 23, wo das Stroetmann Logistik-Center entsteht, schreitet voran. Foto: Dirk Frerichmann

Die Gemeindekassen stehen womöglich vor kargen Zeiten, die Rahmenbedingungen für die Unternehmen könnten schwieriger werden. Was bedeutet das für die Gewerbepolitik der Kommune und welche Optionen hat die Gemeinde noch. Darüber sprach WN-Redakteur Dietrich Harhues mit Niklas Esser, Leiter der Sendener Wirtschaftsförderung, und Bürgermeister Sebastian Täger.

Die Kommunalfinanzen stehen perspektivisch unter Druck, richtet sich da vermerkt das Auge auf die Wirtschaftsförderung und Gewerbesteuereinnahmen oder haben die neuen Vorzeichen die Arbeit nicht verändert?

Täger: Nach den Anteilen an der Einkommenssteuer (2021: 11,9 Millionen Euro) ist die Gewerbesteuer (2021): 11,4 Millionen Euro) die zweithöchste Ertragsquelle der Gemeinde Senden. Auch vor diesem Hintergrund hat die Gemeinde vor einigen Jahren die Wirtschaftsförderung personell aufgestockt und als Stabsstelle des Bürgermeisters strukturell neu aufgestellt. Insofern haben wir schon seit einigen Jahren einen besonderen Fokus auf dieses Themenfeld gerichtet.

Ist die Nachfrage nach Flächen weiterhin hoch oder schrecken Unternehmen derzeit vor Standortentscheidungen und Investitionen zurück? Gibt es noch einen Flächenpuffer für Ansiedlungen oder Erweiterungen?

Esser: Die Nachfrage nach Gewerbeflächen ist weiterhin sehr hoch, so dass nicht allen anfragenden Unternehmen ein entsprechendes Gewerbegrundstück angeboten werden kann. Auch für mögliche Erweiterungen stehen nur noch kleinere Flächenkontingente zur Verfügung.

(Wo) kann die Gemeinde neue Areale erschließen, um weitere Betriebe in Senden zu akquirieren?

Täger: Perspektivisch sollen in allen Ortsteilen – mit Ausnahme der Venne – neue Gewerbeflächen geschaffen werden. Wann und wo neue Gewerbeflächen entstehen, hängt im Wesentlichen von der Flächenverfügbarkeit, der baurechtlichen Realisierbarkeit und dem politischen Beratungsprozess ab. Im Kreuzungsbereich L 550/L 551 in Bösensell soll – wie berichtet – über einen sechs-armigen Kreisverkehr auch eine Fläche erschlossen werden, welche die Gemeinde vor vielen Jahren für eine gewerbliche Entwicklung erworben hat.

Am heutigen Donnerstag legt die Bauunternehmung Gieseke den Grundstein für ihre Niederlassung. Ist damit die Entwicklung des Brocker Feldes abgeschlossen? Entspricht der Branchenmix den Erwartungen/Planungen für dieses Gebiet?

Esser: Im Brocker Feld steht aktuell noch ein Grundstück mit circa 5000 Quadratmetern für Neuansiedlungen zur Verfügung. Die restlichen Flächen sind bereits verkauft. Im Zuge des Vergabe- und Verkaufsprozesses wird über jede Ansiedlungsanfrage individuell politisch beraten. Wir können so sicherstellen, dass ein bedarfsgerechter Flächenzuschnitt erfolgt und die politischen Erwartungen erfüllt werden. Insgesamt verfügen wir in der Gemeinde über einen breiten Branchenmix, der uns auch weniger krisenanfällig macht.

Mit Meypack hat ein Unternehmen angekündigt, den Firmensitz von Appelhülsen nach Senden zu verlagern. Kann dem Betrieb überhaupt eine entsprechende Fläche angeboten werden?

Täger: Wir versuchen aktuell, dem Unternehmen eine entsprechende Gewerbefläche zur Verfügung zu stellen. Aber auch in diesem Fall müssen zunächst noch baurechtliche und planerische Fragestellungen geklärt werden. Daher können wir eine Ansiedlung auch erst bestätigen, wenn alle diese Fragen geklärt sind und der Vermarktungsprozess final abgeschlossen ist.

Wie funktioniert die Abstimmung bei Akquisebestrebungen mit anderen Kommunen, herrscht noch die Kirchturmpolitik vor?

Esser: Es besteht eine Art „Gentlemen´s Agreement”, dass Unternehmen aus anderen Kommunen im Zuge der Gewerbeakquise nicht aktiv angesprochen werden. Ansiedlungsanfragen, die wir selbst nicht bedienen können, werden in der Regel an die Wirtschaftsförderungen der anderen Kommunen im Kreis weitergeleitet. Insofern besteht eher eine kommunale Zusammenarbeit als eine Kirchturmpolitik.

Wie ist die Stimmung in den heimischen Unternehmen angesichts von gedämpften Konjunkturaussichten, Inflation und Krieg in Europa?

Esser: Trotz der gestiegenen Inflation ist die Auftragslage bei den meisten Unternehmen weiterhin (noch) gut. Die größten Herausforderungen sehen viele Betriebe eher bei der Materialbeschaffung, gestiegenen Energiekosten sowie bei der Versorgung mit Arbeits- und Fachkräften. Die aktuelle weltpolitische Lage und damit verbundene Unsicherheit geht aber auch an vielen Sendener Betrieben nicht spurlos vorbei.

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