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Klärung des Vorfalls

Gruppe junger Männer soll Mädchen im "Cabrio"-Bad belästigt haben

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Zwei Mädchen sollen im „Cabrio“ von einer Gruppe von jungen Männern belästigt worden sein. Der Vorfall sorgt im Netz und in „Dorfgesprächen“ für Empörung. Das Bad betreibt Aufklärung, pocht aber auf einen Einzelfall und ordnet das Geschehen als weniger dramatisch ein, als in sozialen Medien kolportiert wird.

Dietrich Harhues

Im Cabrio-Bad sollen zwei Mädchen von einer Gruppe Männer belästigt worden sein. Foto: Harhues

Die Familie aus Münster zählt zu den Stammgästen im „Cabrio“, seit es die Pforten öffnete. Bisher mit besten Erfahrungen. Ob sie das Bad nun aber so schnell wieder betritt, scheint fraglich. Der Grund: Zwei Mädchen fühlten sich im „Cabrio“ bedrängt und sexuell belästigt von einer Gruppe junger Männer.

Ein Vorfall von Sonntagabend, der die Familie „echt geschockt“ hat und seitdem in sozialen Netzwerken und als „Dorfgespräch“ die Wellen über dem Schwimmbad aufbrausen lässt. Im Raum steht auch die Äußerung, dass es sich bei der achtköpfigen Gruppe um Flüchtlinge gehandelt haben soll.

Im Bereich der Rutsche sollen die zehn und zwölf Jahre alten Mädchen „belästigt“ worden sein – mit „eindeutigen Handlungen und Anfassen“, wie es im ursprünglichen Facebook-Post heißt, der Empörung ausgelöst hat. Die Zehn- und Zwölfjährigen seien mit „Tränen in den Augen“ zu den Eltern gekommen und hätten die bedrückende Situation geschildert, so der Eintrag in der Gruppe „Du bist Sendener, wenn“.

Keine Anzeige

Die WN suchten das Gespräch mit dem Vater, der am Donnerstag nicht mehr von Berührungen spricht. Aber: Die Männer „wollten die Mädchen anfassen“. Was diese verhindert hätten, indem sie durch eine Lücke in der Gruppe am Fuße der Rutsche hindurchgelangt seien. Auch der zehnjährige Bruder habe sich eingemischt und die Heranwachsenden aufgefordert, ihn und die Mädchen in Ruhe zu lassen, während sich die Zehn- und Zwölfjährigen an einen Schwimmmeister wandten. Der habe daraufhin die jungen Männer lediglich ermahnt, so die Schilderung.

Im „Cabrio“ schrillen bei solchen Vorfällen und den öffentlichen Reaktionen die Alarmglocken. „Wir sind ohnehin schon sehr sensibilisiert“, betont Betriebsleiter Michael Siemann, der dem Sachverhalt „sehr genau nachgegangen ist“. Teamgespräche wurden anberaumt, Videoaufzeichnungen und Protokolle seien ausgewertet, ein Gespräch mit dem Vater geführt worden. Ergebnis: Keine neuen Erkenntnisse und kein Grund für das „Cabrio“, Anzeige zu erstatten. Was sich zugetragen hat, ordnet Siemann in die Kategorie „normales pubertäres Verhalten“ ein. Für ihn gibt es keine Hinweise darauf, dass es sich bei den Störenfrieden um Flüchtlinge handelt.

Polizei wäre sofort zur Stelle

Was der „Cabrio“-Leiter vehement zurückweist, sind Behauptungen, dass der Vorfall kein Einzelfall sei. So habe es am Sonntag zuvor (30. April) zwar Querelen mit Jugendlichen gegeben, die des Bades verwiesen wurden. Doch dabei habe es sich nicht um dieselbe Gruppe gehandelt. Ihr Fehlverhalten bestand darin, „über die Stränge zu schlagen“. Eine ähnliche Form der Belästigung wie bei den Mädchen aus Münster habe nicht vorgelegen, betont Siemann.

Michael Siemann, Leiter des „Cabrio“, sieht das Bad einer brodelnden Gerüchteküche ausgesetzt

Auch vom Verscheuchen von Badegästen aus der Sauna durch Jugendliche sei ihm nichts bekannt. Ebenfalls als Verzerrung durch virtuelle stille Post oder als Gerücht bezeichnet er die Behauptung, Personal im „Cabrio“ habe gesagt, es lohne sich nicht, die Polizei zu rufen, die komme dafür sowieso nicht. Die Polizei sei im ganzen Jahr 2017 kein Mal ins Sendener Schwimmbad gerufen worden, stellt Siemann klar.

Der Sprecher der Kreispolizei, Rolf Werenbeck-Ueding, betont aber, dass die Beamten sofort zur Stelle wären: „In solchen Fällen zeigen wir null Toleranz.“

Kommentar zum Cabrio-Bad

Kein Pardon bei Belästigung

Keine Frage: Bei Belästigungen von Kindern gibt es kein Pardon. Selbst, wenn sie nicht berührt, sondern „nur“ verbal bedrängt und womöglich umzingelt oder gejagt worden sind, hinterlässt dieser Vorfall bei ihnen tiefe Spuren. Aufgabe des Bades ist es, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht passiert. Und wenn doch, muss durchgegriffen werden. Was sich genau zugetragen hat und wie gravierend es war, bleibt offen. Für das „Cabrio“ ist aber gewiss, dass die Sensibilität gegenüber diesem Thema noch weiter steigen dürfte.

Die Empörung über die Belästigung nahm im Internet zugleich teils Züge an, die unverblümte Fremdenfeindlichkeit offenbarten und Aufrufen zu Selbstjustiz gleichkamen. Dabei ist nicht mal klar, wer die Männer waren. Das ideologische Süppchen wurde trotzdem gekocht. Dietrich Harhues

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